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Presseberichte 1992-1994

Tschernobyl-Unfall: Kein Ende in Sicht!

>Die Lage im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl spitzt sich nach Einschätzung der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) zu. Nach dem Super-GAU vor acht Jahren im Block vier hätten die Betreiber der Anlage zwar erhebliche Anstrengungen unternommen, die von der Schutzhülle des zerstörten Reaktors ausgehenden Risiken zu vermindern ... In den sogenannten Sarkophag dringe aber weiterhin eine beträchtliche Menge radioaktiv verseuchten Wassers ein und gefährde das Grundwasser. Künftig sei ein kontinuierliches Abpumpen im Inneren des Sarkophags nötig. Außerdem senkten sich Teile des Fundaments, und das Metalldach bleibe anfällig gegen Stürme und starken Schneefall. Die Schutzhülle ist nach Einschätzung der GRS-Experten nicht länger als fünf bis zehn Jahre stabil. ... (SZ)

11.8.92

Aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine tritt nach offiziellen Angaben Radioaktivität aus. Der Betonmantel des Unglücksreaktors sei von Anfang an undicht gewesen, gab der Baudirektor der Schutzvorrichtungen im Kraftwerk, Wladimir Schtscherbina, in Kiew zu, ... (FR)

15.10.92

Das ukrainische Katastrophen-Kernkraftwerk Tschernobyl soll ab Freitag wieder Atomstrom produzieren: Zunächst wird Block 3 aktiviert, Block 2 soll Ende des Monats folgen. Zur Begründung sagte Betriebsdirektor Nikolaij Sorokin, die Anlage könnte sonst im Winter einfrieren. Er forderte, das Kernkraftwerk auf Dauer zu betreiben. ... (SZ)

17./18.10.92

EG-Fachleute entsetzt über Tschernobyl-Anlage - ... Die Hoffnung der deutschen Brandschutzexperten, die Betreiber hätten aus dem Super-GAU vor gut sechs Jahren gelernt, wird in der Anlage bitter enttäuscht. ... Statt brandfester Türen quietschen ausgeleierte Sperrholztüren in den Angeln. Die Schläuche der wenigen Hydranten sind brüchig und würden im Ernstfall nach Einschätzung des international erfahrenen Brandbekämpfers Ernst Achilles sofort platzen. Spritzrohre sind mit leeren Zigarettenschachteln verstopft. Auf den seit dem Unfall verstrahlten Fußböden liegen leicht brennbare Matten aus Polyäthylen. Über einen mehrere hundert Meter langen Flur, der die restlichen drei Blöcke miteinander verbindet, könnten sich bei einem neuen Unfall Feuer, Rauch und Radioaktivität blitzschnell in der ganzen Anlage verteilen, warnt der unabhängige Gutachter vom Germanischen Lloyd in Hamburg, Joachim Klindt. Ungläubig registriert er flackernde Lampen, unübersichtliche Schaltpulte, krumme Versorgungsleitungen und leicht entflammbare elektrische Kabel: "Damit habe ich nicht gerechnet." Gutachter Achilles ...: "Das Ding ist auch stillgelegt eine tickende Zeitbombe." ... (SZ)

14.1.93

Die bei den Aufräumarbeiten nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl eingesetzten mehr als 600.000 Arbeiter, Soldaten und Ingenieure leiden nach Angaben russischer Ärzte überdurchschnittlich häufig an Nervenkrankheiten und Schädigungen des Immunsystems. ... 80 Prozent von 1600 in einer Petersburger Klinik untersuchten Katastrophenhelfern (leiden) unter ernsten psychischen Problemen ... . Laut einer Moskauer Studie wurden bei 40 Prozent der um medizinische Hilfe bittenden Betroffenen Geisteskrankheiten, wie etwa Gedächtnisverlust, festgestellt. Die Selbstmordrate unter den Katastrophenhelfern liegt ... bei 18 Prozent und damit um das Zwanzigfache über dem Landesdurchschnitt. ... (FR)

15.1.93

Im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl hat sich am Donnerstag der zweite Zwischenfall in dieser Woche ereignet. Die Agentur ITAR-TASS meldete, in einem Lüftungsschacht im Betonmantel des Unglücksreaktors von 1986 sei ein Feuer ausgebrochen. ... (SZ)

24.2.93

Bundesumweltminister Klaus Töpfer zweifelt an Zusagen der ukrainischen Regierung, das Kernkraftwerk bis Ende 1993 abzuschalten. ... Die Blöcke I und III von Tschernobyl - ... - haben eine Leistung von 2000 Megawatt. "Wir wollen Tschernobyl abschalten, aber wir brauchen die 2000 Megawatt", sagte der ukrainische Vizepremierminister Julij Joffe. ... Werksdirektor Sarokin ... verweist zudem darauf, daß in der GUS insgesamt 16 Reaktoren vom Tschernobyl-Typ am Netz seien. Ein Abschalten von Tschernobyl wäre für ihn lediglich ein "Pseudo-Sicherheitsgewinn". ... (SZ)

 
Foto: Christina Hacker
4.3.93

Im Atomkraftwerk Tschernobyl ist es erneut zu einem Störfall gekommen. Wegen eines Lecks im Kühlkreislauf wurde der erste Reaktorblock der ukrainischen Anlage abgeschaltet ... (SZ)

13.4.93

... Im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl hat es am Ostermontag erneut einen Zwischenfall gegeben. Nach einem Druckverlust in einer Dampfturbine sei einer der beiden noch arbeitenden Reaktoren abgeschaltet worden, ... . (SZ)

26.4.93

Sieben Jahre nach Tschernobyl - Folgen noch nicht absehbar ... 80 Fälle von Schilddrüsenkrebs registrierten die Spezialisten in Gomel bei einer Million Kindern unter 15 Jahren. Normal wäre ein Fall pro Million und Jahr. Seit 1990 gibt es eine kontinuierliche Zunahme. Zwar wurde bisher kein Anstieg von Leukämie festgestellt, doch ist es dazu nach Ansicht von Experten vermutlich noch zu früh. Auch genetische Schäden bei Kindern, deren Mütter hohen Strahlendosen ausgesetzt waren, zeigen sich häufig erst im Verlauf des Wachstums. Genaue Gesundheitsstudien sind schwierig, weil sich Wohnort und Lebensweise der Menschen aus dem Gebiet ringsum nach dem Unglück oft grundlegend verändert haben. ... Langzeitfolgen für die Vegetation und für das Wasser der Flüsse Pripjat und Dnjepr lassen sich noch nicht absehen. Mißbildungen bei Pflanzen und Totgeburten bei Tieren lassen jedoch Schlimmes befürchten. Trotzdem arbeiten in den verbleibenden Kraftwerksblöcken von Tschernobyl noch 4500 Menschen. Viele leben in unmittelbarer Nachbarschaft der "verbotenen Zone". Sie sind beunruhigt, doch weniger über die Strahlung als über die geplante Stillegung des Kraftwerks. Lediglich wegen des Energiemangels in der Ukraine sind zwei Reaktoren noch in Betrieb. ... Niemand weiß, wie lange der Betonmantel um den zerstörten Reaktor der Hitze in seinem Inneren standhalten wird. ... Inzwischen gehen Experten davon aus, daß er im Jahr 2000 nicht mehr existieren wird. Über 800.000 Liter hochradioaktives Wasser sind noch in dem "Sarkophag". Ein Teil der Gesamtmenge ist bereits durch den geborstenen Boden des einstigen Reaktors versickert und hat die Umgebung weiter verseucht. ... FR)

15.10.93

Rund 800.000 Kinder in Weißrußland sind ... direkt von der Tschernobyl-Katastrophe geschädigt worden. ... Seit der Katastrophe ..., die ein Drittel des weißrussischen Gebiets atomar verseucht hat, sei die Zahl der Erkrankungen an Schilddrüsenkrebs bei Kindern um das 50fache gestiegen, ... (SZ)

22.10.93

Das Kernkraftwerk Tschernobyl wird nicht stillgelegt. Wegen des akuten Energiemangels in der Ukraine hob das Parlament in Kiew einen Beschluß von 1992 auf, das Kraftwerk Ende 1993 abzuschalten. ... (SZ)

31.1.94

Das Atomkraftwerk von Tschernobyl muß aus Mangel an Kernbrennstoff vermutlich bald stillgelegt werden: Rußland stellt die Lieferung von Brennstoff ein, weil die Ukraine offenbar Rechnungen nicht begleichen kann, möglicherweise aber auch aus politischen Gründen. ... (FR)

1.2.94

Die Reaktorkatastrophe 1986 in Tschernobyl war nach Einschätzung eines US-Wissenschaftlers schlimmer als bislang bekannt. ... der Atomwissenschaftler Alexander Sich (schreibt) in seiner Dissertation, der Reaktorkern sei völlig geschmolzen und die radioaktive Verseuchung bis zu fünfmal stärker gewesen, als es die sowjetischen Behörden angegeben hätten. Er schätzt, daß bei dem Unglück zwischen 185 Millionen und 250 Millionen Curie Radioaktivität freigesetzt wurden. Sowjetische Behörden hatten einen Wert bis 50 Millionen Curie mitgeteilt. (FR)

13.4.94

Die GAU-Ruine von Tschernobyl braucht dringend einen zusätzlichen Mantel aus Beton und Stahl, um die Umwelt vor einer weiteren radioaktiven Verseuchung zu schützen. ... Der erste Betonmantel für Block 4 von Tschernobyl war zwischen Mai und November 1986 in größter Eile errichtet worden. Inzwischen zeigt sich, daß dieser Sarkophag nicht ausreicht: Er ist einsturzgefährdet und undicht; Experten fürchten außerdem, daß es im Inneren zu unkontrollierbaren atomaren Kettenreaktionen kommt. ... die Konstruktion (muß) zwei sehr unterschiedliche Anforderungen erfüllen: Zum einen soll sie die Umwelt vor austretender Strahlung schützen, zum anderen aber soll der zweite Sarkophag so konstruiert sein, daß die Atomruine in den nächsten Jahrzehnten allmählich demontiert werden kann. ... Völlig unklar bleibt auch, wie das Problem des Atommülls gelöst werden soll. So schätzen die Experten, daß allein bei den Bauarbeiten für den zweiten Sarkophag etwa 300.000 Kubikmeter radioaktiver Müll anfallen werden. Sofern dann eines Tages mit der Demontage von Block 4 begonnen wird, sei noch mal mit 500.000 Kubikmetern schwach radioaktivem Müll zu rechnen ... (taz)

21.4.94

Unmittelbar vor einer Tschernobyl-Sonderkonferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien haben zwei neue Zwischenfälle die Zweifel an der Sicherheit des Atomkraftwerks in der Ukraine verstärkt. Der Reaktorblock 3 wurde nach einem Kurzschluß und einer dadurch verursachten Störung des Kühlsystems automatisch abgeschaltet. In dem noch betriebenen Reaktorblock 1 prallte nach dem Versagen eines Krans ein Behälter mit Brennstäben an eine Gebäudemauer. ... (FR)

26.4.94
30.5.94

Der ukrainische Präsident Leonid Krawtschuk hat erklärt, das Atomkraftwerk Tschernobyl werde trotz westlicher Forderungen nach Stillegung weiter in Betrieb bleiben. ... (SZ)

27.6.94

Aus Furcht vor einer neuen Atomkatastrophe ist die Europäische Union bereit, die Schließung des Atomkraftwerks von Tschernobyl mit einer halben Milliarde Ecu (rund 950 Millionen Mark) mitzufinanzieren. Zugleich forderten die Staats- und Regierungschefs der zwölf (EU-Länder) die USA, Japan und Kanada ... auf, sich an den Kosten für eine Umstrukturierung der ukrainischen Energieversorgung zu beteiligen. ... (FR)

9./10.7.94

Stillegung Tschernobyls frühestens 1996 / Die Ukraine braucht ... mindestens fünf neue 1000-Megawatt-Reaktoren, um die notwendige Spannung in ihrem Stromnetz halten zu können. Erst dann könne daran gedacht werden, das Kraftwerk Tschernobyl stillzulegen, ... (SZ)

26.8.94

... "Mit der Bewältigung aller Folgelasten von Tschernobyl ist Weißrußland offensichtlich völlig überfordert", heißt es in einem ... Bericht. ... Hilfen seien bei der medizinischen Betreuung der Bevölkerung, der Dekontaminierung verstrahlter Flächen, bei Strahlenmeßgeräten und der Kontrolle der Strahlenbelastung von Nahrungsmitteln erforderlich, heißt es. Erhebliche Mittel müßten auch aufgewendet werden, um die Bevölkerung in den verstrahlten Regionen mit relativ unbelasteten Nahrungsmitteln zu versorgen. Gerade bei Kindern habe sich die Krebshäufigkeit stark erhöht. Steigende Tendenz gebe es auch bei Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen, bei Herz- und Gefäßkrankheiten und bei Krankheiten des Verdauungssystems. Bei Kindern trete häufiger Anämie auf. Auch bei Erwachsenen sei das Immunsystem gestört. (FR)

12.9.94

Die völlige Schließung der ukrainischen Atomenergiewerke beim "Unglücksreaktor" in Tschernobyl wird jetzt für 1996/97 anvisiert. Dies sagte ein Experte am Rande des informellen Treffens der Finanzminister der zwölf EU-Länder und der vier EU-Beitrittskandidaten ... . (FR)

13.9.94

... Beim GAU am 26. April 1986 seien 6,5 Milliarden Curie freigesetzt worden, ein radioaktiver Fallout, der dem Tausendfachen der Strahlungsbelastung aller Atombombenversuche entspreche. In Tschernobyl lägen in einem wenig geschützten Lager aber strahlende Materialien, die einer Radioaktivität von 20 Milliarden Curie entsprechen. ... (FR)