Facebook .
Twitter .
Menü
Home  trenner  Aktuelle Meldungen
10.09.2014

NDR-Sendung verharmlost Fracking

 

Ein Bericht des NDR-Fernsehmagazins „Panorama“ über Fracking mit dem Fazit, die Technologie sei beherrschbar, sorgte in der letzten Woche für kontroverse Diskussionen. Dem Umweltbundesamt wird in dem Beitrag vorgeworfen, Fracking ohne wissenschaftliche Grundlage als Risikotechnologie eingestuft zu haben, da sich der Leiter des aktuellen UBA-Gutachtens von dieser Schlussfolgerung distanziert. Doch bei genauem Hinsehen stützen die in der Reportage angeführten Argumente die Einschätzung, Fracking sei keine Risikotechnologie, nicht - ebensowenig wie bereits bestehende Forschungen und Erfahrungen mit Fracking.

Forschungsergebnisse belegen Erdbebengefahr

Thematisiert werden im Beitrag alle Risiken des Fracking: Erdbebengefahr, Wasser- und Bodenverunreinigung, Luftverschmutzung und Flächenverbrauch. Zur Erdbebengefahr wird Prof. Kümpel von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zitiert. Die Gefahr von Erdbeben durch den eigentlichen Fracking-Vorgang werde stark übertrieben, so Kümpel. Doch entsteht die Erdbebengefahr ja auch gar nicht während des Fracking-Prozesses selbst, sondern durch die anschließende Verpressung des Lagerstättenwassers in den Untergrund, wie mehrere wissenschaftliche Studien aus den USA zeigten. Bei Lagerstättenwasser handelt es sich um Wasservorkommen in tiefen Gesteinsschichten, die in der Regel mit Schwermetallen und Arsen sowie natürlichen radioaktiven Stoffen und Kohlenwasserstoffen hoch belastet sind und die bei Fracking gemeinsam mit dem Frac-Fluid an die Oberfläche gepumpt werden.

Wasserverschmutzung durch Lagerstättenwasser

Auch leugnet „Panorama“ nicht, dass in den USA bereits Trinkwasser durch undichte Fracking-Bohrlöcher verschmutzt worden ist. Das Magazin berichtet ebenfalls, dass in Niedersachsen giftiges Lagerstättenwasser aus schlecht abgedichteten Bohrlöchern von ExxonMobil ausgetreten ist. Dabei kam es zu Bodenverunreinigungen durch Benzol und Quecksilber.

Gleichzeitig versuchte der Beitrag den Zuschauern zu vermitteln, dass die Fracking-Flüssigkeit, die bei den Bohrungen in die Erde gepumpt wird, keinerlei Gefahr für die Umwelt darstellt. Um dies eindrucksvoll zu belegen, trinken drei Mitarbeiter von ExxonMobil jeweils ein Schnapsglas von diesem Gemisch. Die Aussagekräftigkeit dieses Bildes ist allerdings nicht sehr groß, denn bei einer realen Fracking-Unternehmung gelangt nicht die Menge eines Schnapsglases an Frac-Fluid in den Untergrund, sondern Millionen Liter. Der „geringe Chemikalienanteil“ von 0,2 Prozent betrug bei einer Bohrung von ExxonMobil in der Nähe der niedersächsischen Ortschaft Damme beispielsweise in absoluten Zahlen rund 24.000 Liter, bei etwa 12 Millionen Liter Flüssigkeit insgesamt. Bei der genannten Bohrung in Damme kam 2008 auch noch der hormonell wirksame Stoff Octylphenol zum Einsatz, der wenig später durch das Umweltbundesamt als besonders besorgniserregend eingestuft wurde. Was der NDR den Mitarbeitern von ExxonMobil dann doch nicht antun wollte, war das Trinken von arsen- und quecksilberhaltigem Lagerstättenwasser, das als Gefahrenquelle verbleibt, auch wenn tatsächlich ungefährliche Fracking-Flüssigkeiten zum Einsatz kämen.

Erkenntnisse zu Luftverschmutzung ignoriert

Das Thema Luftverschmutzung behandelt die „Panorama“-Sendung nur am Rande. Sie zeigt einen Aktivisten mit Gasmaske und kommentiert: „Diese Bilder sollen suggerieren, dass Fracking die Luft verpestet.“ Dass dies jedoch tatsächlich so ist, haben unlängst Wissenschaftler der Universität Innsbruck herausgefunden. Bei Messungen in den USA im Rahmen eines NASA-Forschungsprojekts stellten sie fest, dass zahlreiche klima- und gesundheitsschädliche Gase durch Lecks in die Luft gelangen.

Eine wesentliche Rolle bei der Abwägung über die Vor- und Nachteile von Fracking sollte auch der benötigte Flächenverbrauch spielen. Für die Gewinnung von Schiefergas sind Hunderte bis Tausende Bohrungen notwendig, da die einzelnen Quellen oft schnell versiegen. Somit werden ganze Landschaften in Industriegebiete verwandelt. Der ländliche Raum würde sich dadurch massiv verändern, auch weil sich der Verkehr durch Kolonnen von LKWs massiv erhöhen würde. Einen Einblick in dieses Szenario gibt auch der NDR-Beitrag.

Fracking versperrt den Weg zu einer klimafreundlichen Energieversorgung

Das Fazit des „Panorama“-Magazins, Fracking sei eine beherrschbare Technologie, teilt das Umweltinstitut München nicht. Einige Gefahren und Risiken des Fracking sind bereits wissenschaftlich und empirisch erwiesen, andere sind noch nicht ausreichend erforscht. Auch in Deutschland kam es bereits zu Umweltschäden durch Fracking. Für den konsequenten Umbau des Energiesystems hin zu einer Versorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien stellt die weitere Erschließung fossiler Energiequellen, sei es in Form von Schiefergasförderung oder neuen Braunkohletagebauen, eine gefährliche Bremse dar.


Beteiligen Sie sich an unserer Online-Aktion "Fracking verbieten!"