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10.10.2017

Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Glyphosat-Plagiat

Das Umweltinstitut München hat heute eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Präsidenten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel eingereicht. Anlass ist die Veröffentlichung eines neuen Gutachtens, das die wissenschaftliche Integrität der Bewertung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat durch das BfR massiv infrage stellt. Das Umweltinstitut fordert deshalb von Agrarminister Schmidt, BfR-Präsident Hensel von seinen Aufgaben zu entbinden.

Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft am Umweltinstitut, erklärte zur heute eingereichten Beschwerde: „Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat entscheidende Passagen seiner Bewertung von Glyphosat Wort für Wort vom Hersteller Monsanto abgeschrieben. Das ist keine Lappalie, denn genau auf Grundlage dieser Bewertung wird die EU in Kürze über die Wiederzulassung von Glyphosat entscheiden. Eine Entscheidung, die Auswirkungen auf den Gesundheitsschutz von mehr als 500 Millionen Menschen in der EU haben wird, darf nicht auf einer wissenschaftlich fragwürdigen Bewertung beruhen.“

Das Umweltinstitut beruft sich auf ein am letzten Donnerstag veröffentlichtes Gutachten des Sachverständigen für Plagiatsfragen Dr. Stefan Weber. Dieser kommt zu einem vernichtenden Urteil über den Bewertungsbericht des BfR zu Glyphosat. Demnach habe das BfR in den Kapiteln zur Reproduktionstoxizität, Kanzerogenität und Genotoxizität von Glyphosat seitenweise Text aus dem Antrag des Herstellers Monsanto übernommen, ohne dies kenntlich zu machen. Der BfR Bericht erfülle „alle definitorischen Kriterien eines Textplagiats“ (Quelle).

Das BfR hat bereits auf die Vorwürfe reagiert und sich damit verteidigt, dass es „üblich und anerkannt [sei], dass die Bewertungsbehörden nach kritischer Prüfung der Originalstudien auch Passagen aus eingereichten Dokumenten in ihre Bewertungsberichte integrieren“ (Quelle). Das Gutachten von Dr. Weber zeigt hingegen auf, dass dieses Vorgehen keineswegs der guten wissenschaftlichen Praxis entspricht, sondern dass das BfR mit dieser Vorgehensweise gegen Leitlinien der EU-Kommission zur Erstellung von Bewertungsberichten verstößt. Es sei zudem „offensichtlich, dass das BfR keine eigenständige Bewertung der zitierten Studien vorgenommen hat,“ so Gutachter Dr. Weber (Quelle).

Die Manipulation von Studienergebnissen zu Glyphosat durch den Hersteller Monsanto wird am morgigen Mittwoch auch Thema einer Anhörung im Europäischen Parlament sein. Sowohl Monsanto, als auch das BfR haben jedoch die Einladung der Europa-Abgeordneten ausgeschlagen. Aus Sicht des Umweltinstituts lässt das BfR keinen Willen erkennen, zur Aufklärung beizutragen.

„Der Skandal um die Bewertung von Glyphosat droht die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit des Bundesinstituts für Risikobewertung und des gesamten europäischen Bewertungsfahrens für Pestizide zu zerstören. Um den Weg für einen Neuanfang freizumachen, muss Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt als Dienstherr personelle Konsequenzen ziehen und Hensel entlassen“, so Vogt.

Weitergehende Informationen:
Hier können Sie die Dienstaufsichtsbeschwerde einsehen
Hier können Sie das Gutachten herunterladen

Für Rückfragen und Interviews:

Umweltinstitut München
Landwehrstr. 64a
80336 München

Christine Vogt
Referentin für Gentechnik und Landwirtschaft
cv@umweltinstitut.REMOVE-THIS.org
Tel. 089 - 30 77 49 24

Jurek Vengels
Vorstand
jv@umweltinstitut.REMOVE-THIS.org
Tel: 089 - 30 77 49 14