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07.03.2014

Energiewende statt Atomprogramme

München, 07. März 2014 – Drei Jahre nach der Havarie stellen die Atomruinen in Fukushima immer noch eine große Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Der Betreiber TEPCO ist unfähig, die Probleme in den Griff zu bekommen. Schwere Zwischenfälle, Schlampereien und Vertuschungen sind an der Tagesordnung. Messwerte wurden und werden geschönt oder gar falsch erhoben und Pannen verschwiegen – ganz legal, denn die japanische Regierung hat eine Zensur für „schlechte“ Nachrichten erlassen. Vor der Bevölkerung - und am besten auch vor der Weltöffentlichkeit - soll das wahre Ausmaß vertuscht werden. Doch schon jetzt nimmt die Zahl der Schilddrüsenkrebs-Erkrankungen bei Jugendlichen deutlich zu.

Christina Hacker, Vorstand am Umweltinstitut München, kritisiert diesen Umgang mit der Katastrophe scharf: „Nach wie vor fließen hunderte Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ungehindert in den Pazifik und ins Grundwasser. Unmengen warten noch in billigst gefertigten Auffangtanks auf Dekontaminierung oder Entsorgung. Immer wieder werden Lecks gefunden, aus denen hochkontaminiertes Wasser ausläuft. Das gesamte Gelände hat sich in einen radioaktiven Sumpf verwandelt. Wie es um die Kernschmelzen in drei Reaktoren steht, weiß niemand. Für den Verbleib des radioaktiven Mülls, der bei der ‚Säuberung‘ von kontaminierten Gebieten angefallen ist und dort in unzähligen Säcken in Gärten und in der Landschaft steht, gibt es keine Lösung.“ Es werde lediglich auf akute Vorkommnisse notdürftig reagiert, ein zielführendes strategisches Konzept oder Krisenmanagement gebe es nicht.

Gesundheitsschäden werden in Kauf genommen

Vor diesem Hintergrund ist es völlig aberwitzig, dass die Regierung nun die Sperrzone um Fukushima zum Teil aufhebt und den Menschen erlaubt, in die verstrahlten Regionen zurückzukehren. Dort herrscht noch immer eine Strahlung, die 20 Mal höher ist als jene, die unserer Bevölkerung zugemutet wird. „Eine unverantwortliche Maßnahme“, erklärt Hacker weiter. Vor allem für strahlensensible Personen, wie zum Beispiel Kinder, sei dieser Wert nicht akzeptabel.

Vorstand Harald Nestler ergänzt: „Wie so oft geht es um viel Geld. Da der TEPCO-Konzern pleite ist und der Staat dafür einspringen muss, ist er natürlich daran interessiert, die Zahlungen in Grenzen zu halten.“ Wenn die Menschen aus den kontaminierten Gebieten in ihre Heimat zurückkehren, erlischt nach einem Jahr der Anspruch auf Entschädigungszahlung. Etwa 100.000 Menschen leben derzeit in temporären Unterkünften. Die Regierung stellt in Aussicht, dass sie alle irgendwann einmal in ihre Häuser zurückkehren können. Mögliche gesundheitliche Schäden in der Bevölkerung nimmt sie dabei billigend in Kauf.

Online-Einwendung gegen das tschechische Atomprogramm

Die Situation in Fukushima ist drei Jahre nach der Katastrophe noch immer kritisch. Weitere Unfälle mit radioaktiver Freisetzung sind nicht ausgeschlossen. Als einzige Lehre kann daraus gezogen werden, dass der Atomausstieg schnellstens vollzogen und die Energiewende zügig vorangetrieben werden muss. Dennoch fordern einige EU-Länder wie Großbritannien, Polen oder Tschechien von der Europäischen Kommission, eine Förderung der Atomkraft zu erlauben, damit neue Atomkraftwerke gebaut werden können. Denn ohne Förderung wird kein Investor gefunden, da Neubauten nicht wirtschaftlich sind.

Subventionen für die Atomkraft darf es nicht geben! Tschechien hat ein Energiekonzept neu aufgelegt, nach dem die Atomkraft mit von der EU legitimierten Beihilfen massiv ausgebaut werden soll. Das Umweltinstitut München hat gegen das tschechische Atomprogramm eine Muster-Einwendung verfasst, die online noch bis zum 18. März an das tschechische Ministerium geschickt werden kann.

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Rückfragen gerne an:

Umweltinstitut München e.V.


Informationen über das Umweltinstitut München