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17.05.2017

EU-Kommission erwägt, Glyphosat Zulassung um 10 Jahre zu verlängern

Trotz des aktuellen Skandals um manipulierte Studien erwägt die EU-Kommission die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat um zehn Jahre zu verlängern. Das Kollegium der EU-KommissarInnen beschloss gestern Gespräche darüber mit den EU-Mitgliedstaaten aufzunehmen. Dies bestätigte die EU-Kommission dem Umweltinstitut München auf Anfrage.

Bereits 2016 wollte die EU über die Wiederzulassung von Glyphosat entscheiden, doch die Kommission scheiterte ganze dreimal mit dem Versuch eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedstaaten für die Wiederzulassung zu gewinnen. Der Grund dafür war die Bewertung des Stoffs als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ durch die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation.

EU-Kommissar Andriukaitis sieht diese Bedenken nun ausgeräumt, da die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) zu dem Schluss gekommen ist, Glyphosat sei nicht krebserregend. Das Umweltinstitut München hat dagegen große Zweifel an der ECHA-Bewertung.   „Die Einstufung von Glyphosat durch die EU-Chemikalienbehörde basiert weitgehend auf Untersuchungen der Hersteller. Es ist aber öffentlich bekannt, dass einige dieser Studien vom Glyphosat-Hersteller Monsanto manipuliert wurden. Wenn die EU Glyphosat auf Basis gekaufter und gefälschter Wissenschaft wieder zulässt, untergräbt sie ihre eigene Glaubwürdigkeit“, erklärt Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft und Gentechnik beim Umweltinstitut.

Im Rahmen eines Gerichtsverfahrens in den USA wurden kürzlich die sogenannten „Monsanto Papers“ veröffentlicht. Aus diesen internen Dokumenten geht hervor, dass Monsanto gezielt Einfluss auf Studienergebnisse genommen und WissenschaftlerInnen bezahlt hat, um von Monsanto verfasste Studien in ihrem Namen zu veröffentlichen. „Die ungeheuerlichen Vorgänge rund um die Bewertung von Glyphosat müssen rückhaltlos aufgeklärt werden“, fordert Vogt. „Deshalb stellen wir uns hinter die Forderung einiger EU-Abgeordneter nach einem Untersuchungsausschuss im Europäischen Parlament.“

Das Umweltinstitut betont, dass die IARC ihre Einstufung von Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ weiterhin aufrecht erhält. Breitbandherbizide wie Glyphosat sind zudem ein Hauptgrund für das massive Artensterben in der Agrarlandschaft. So hat die Bundesregierung vor kurzem in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen mitgeteilt, dass der Einsatz von Breitbandherbiziden wie Glyphosat mit verantwortlich für den massiven Rückgang der Vögelbestände ist. „Umweltministerin Hendricks muss jetzt ihr Veto gegen die Wiederzulassung von Glyphosat einlegen“ fordert Vogt. „Dafür hätte sie eine breite Unterstützung in der Bevölkerung.“

Wie groß der Widerstand gegen das Pestizid immer noch ist, zeigte sich vergangenen Samstag. Bei einem europaweiten Aktionstag wurden über 100.000 Unterschriften für die Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat gesammelt. Mehr als 740.000 Menschen haben die Initiative bereits online unterschrieben.  

 

Kontakt:
Umweltinstitut München
Landwehrstr. 64a
80336 München

Christine Vogt
Referentin für Gentechnik und Landwirtschaft
cv@umweltinstitut.REMOVE-THIS.org
Tel. 089 - 30 77 49 24