Facebook .
Twitter .
Menü
Home  trenner  Presse
20.02.2020

Skandal um integrierten Anbau in Südtirol

Skandal im integrierten Anbau: Beratungsring empfiehlt, Chlorpyrifos-methyl trotz bekannter Gefahren für Kinder noch einmal anzuwenden

Das Insektizid Chlorpyrifos-methyl, das bisher auch in Südtirol eingesetzt wird, hat in der Europäischen Union seine Zulassung verloren. Restbestände sind bis 16. April aufzubrauchen oder zu entsorgen. Es gibt starke Hinweise darauf, dass der Wirkstoff die Gehirnentwicklung von Kindern im Mutterleib schädigt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sieht daher die Zulassungskriterien nicht als erfüllt an.

Der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau rät seinen Mitgliedern trotzdem dazu, das Mittel kurz vor dem Inkrafttreten des Verbots noch einmal zu kaufen und zu benutzen. In einem Rundschreiben vom 6. Februar 2020 schreibt der Beratungsring: „Wir empfehlen noch für eine Behandlung Chlorpyrifos-methyl anzukaufen bzw. eventuelle Restbestände bis spätestens zum Grüne Knospen-Stadium zur Blutlaus- und Blattsaugerbekämpfung einzusetzen.“

Karl Bär, Referent für Agrarpolitik beim Umweltinstitut, erklärt dazu: „Wir halten es für absolut unverantwortlich, die Empfehlung auszugeben, jetzt noch schnell vor Eintritt des Verbots Chlorpyrifos-methyl einzukaufen und anzuwenden, obwohl der Stoff durch die EU gerade wegen seiner Gefahren für Kinder verboten wurde.“ Eine solche Empfehlung mitten im Winter zu geben, bevor über die Notwendigkeit der Behandlung überhaupt ein Urteil gefällt werden kann, ist nach Einschätzung des Umweltinstituts zudem nicht mit den Grundsätzen des integrierten Anbaus vereinbar. 

Das Umweltinstitut München fordert den Beratungsring deshalb in einem offenen Brief auf, seine Empfehlung zu korrigieren, die Mitglieder über die Gefahren des Insektengifts aufzuklären und zu empfehlen, Reste davon gegebenenfalls fachgerecht zu entsorgen. „Das ist die einzige richtige Entscheidung im Sinne der Familien in der Südtiroler Landwirtschaft und ihrer Umgebung,“ erklärt Karl Bär.


Anlagen:

 

Kontakt:

Karl Bär
Umweltinstitut München
Referent für Agrar- und Handelspolitik
Tel.: +49 89 - 30 77 49 34
kb@umweltinstitut.REMOVE-THIS.org