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Steuergelder für die Gen-Lobby
Gentechnik-Filz in Mecklenburg-Vorpommern
Umweltinstitut München deckt Verflechtungen in der Agro-Gentechnik auf
München, 22. April – In Mecklenburg-Vorpommern existieren im Bereich der Agro-
Gentechnik enge Verflechtungen zwischen öffentlich finanzierter Forschung, Lobbygruppen
und kommerziellen Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die das Umweltinstitut
München veröffentlicht hat. Das Institut untersucht darin unter anderem die Rolle von Prof.
Inge Broer von der Universität Rostock.
Broer ist neben ihrer Tätigkeit als Hochschullehrerin Vorsitzende des Gentechnik-Lobbyvereins FINAB
und Gesellschafterin von biovativ, dem kommerziellen Tochterunternehmen von FINAB. Nach
Recherchen des Umweltinstituts München wurden im Rahmen steuerfinanzierter Freilandexperimente
mit genmanipulierten Pflanzen Aufträge von der Universität Rostock an biovativ vergeben.
Broer ist zudem Mitglied eines Gremiums beim Bundesinstitut für Risikobewertung, das über die
Genehmigung von Freilandversuchen in Deutschland entscheidet. Auch in der EFSA, einer EUBehörde,
die die Sicherheit von transgenen Pflanzen bewerten soll, tritt die Wissenschaftlerin als
Expertin auf. Gemeinsam mit dem Chemie- und Gentechnikkonzern Bayer hat Broer außerdem
zahlreiche Genpflanzen-Patente angemeldet.
Eine unabhängige und vertrauenswürdige Forschung im Bereich Agro-Gentechnik scheint in
Mecklenburg-Vorpommern damit völlig ausgeschlossen. Harald Nestler, Vorstand beim Umweltinstitut
München, fordert Konsequenzen: "Gerade bei diesem sensiblen Thema müssen Vetternwirtschaft und
die Verwendung von Steuergeldern für die Interessen der eigenen Firma sofort unterbunden werden.
Die Bundesregierung muss endlich einen kritischen Blick auf die Förderung der Agro-Gentechnik
werfen und überprüfen, in welche Hände öffentliche Gelder gelangen."
Dass Gen-Experimente und öffentliche Forschungsgelder auch dazu dienen, befreundete Lobbyisten
zu versorgen, zeigt aktuell ein von Broer beantragter Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem
Weizen. Der Versuchsstandort auf dem Gut der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz in Üplingen
(Sachsen-Anhalt) soll in einen "Gentechnik-Schaugarten" eingegliedert werden. Dieser Schaugarten
soll die Akzeptanz für genmanipulierte Pflanzen in der Bevölkerung verbessern. Den Versuch will das
Unternehmen Biotech Farm durchführen. Geschäftsführerin von Biotech Farm ist Kerstin Schmidt, die
Schatzmeisterin von FINAB und Geschäftsführerin von biovativ.
Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München: "Die wissenschaftlichen Gründe für
den Genweizen-Anbau in Üplingen sind ganz offensichtlich vorgeschoben. Er soll vielmehr allein
Profit- und PR-Interessen nützen. Das ist pure Lobbyforschung."
Hintergrundinformationen zu den Gentechnik-Verflechtungen in Mecklenburg-Vorpommern finden Sie
unter: www.umweltinstitut.org/genfilz
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an das:
Umweltinstitut München e.V.
Andreas Bauer
Tel. (089) 30 77 49-14
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