Im Rahmen einer Volkshochschulreihe wurden im Sommersemester 1999 neue Formen des Wohnens und Arbeitens im zukünftigen Agenda 21-Stadtteil am Ackermannbogen vorgestellt. In vier Veranstaltungen, die in Kooperation der VHS mit den Schwabinger Wohnprojekten am Olympiapark Süd, dem Bezirksausschuss Schwabing-West und dem Forum Olympiapark Süd durchgeführt werden, stellten Arbeitskreise den aktuellen Stand ihrer Arbeit dar.
In dieser Ausgabe der Stadtgespräche werden zusammenfassend die Ergebnisse der Veranstaltungsreihe bezüglich Sozialplanung und Energieplanung dargestellt.
Der AK Soziale Visionen lud hierfür Frau Schmid, Bereichsleiterin der raumbezogenen Sozialplanung im Sozialreferat ein. Sie ist innerhalb der Stadt zuständig für die Sozialplanungssicherung.
Um die Prioritätensetzungen der Sozialplanung innerhalb des gesamten Stadtgebiets aufzuzeigen, wies Frau Schmid darauf hin, dass innerhalb der 13 existierenden Sozialbezirke diejenigen mit der größten Sozialhilfekonzentration bei Aktivitäten der Stadt bevorzugt werden.
Im Planungsbereich Schwabing-West gibt es unterdurchschnittlich viel sozialhilfebedürftige Menschen, was bedeutet, dass sich die Stadt nicht verstärkt an Investititon für die Errichtung (oder den Bau) von Einrichtungen beteiligen kann.
Das Sozialplanungsamt versucht, in Absprache mit den zuständigen Dienststellen eine Erziehungsberatungsstelle, eine Außensprechstelle des Allgemeinen Sozialdienstes, sowie Räume für die Nutzung durch Selbsthilfegruppen und für Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen zu etablieren bzw. zu mieten.
Für zwei Kooperationseinrichtungen mit Kinderkrippen, Kindergarten- und Hortgruppen gibt es jedoch feste Zusagen und diese werden auch in städtischer Trägerschaft errichtet. Für Jugendliche existiert im Moment noch keine Raumplanung im Gelände, jedoch wird über eine Jugendfreizeiteinrichtung westlich des Ackermannbogens in der ehemaligen Trambahnhaltestelle Olympiapark nachgedacht. Die Finanzierung der sozial- und Infrastruktureinrichtungen wird in dieser städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme auf dem Konversionsgelände der ehemaligen Waldmann-Stetten-Kaserne über den Verkauf der Grundstücke geregelt.
Als Trägerstruktur für die Grundversorung ist einerseits eine städtische oder auch freie Trägerschaft der Einrichtungen möglich. Eine Finanzierung weiterer Projekte aus städtischen Geldern erscheint unwahrscheinlich.
Impulse für die weitere Planung des Sozialwesens kann ein Blick auf das Neubaugebiet in Riem geben: Hier hat die München-Riem-Gesellschaft 300.000 DM für ein Beteiligungskonzept für BürgerInnen- und Nutzungsbeteiligung ausgegeben, wofür hauptsächlich ein Infotreff (zur Informationsweitergabe, Austausch...), Wohn- und Grünwerkstatt (für Geräteausleihe für BewohnerInnen) und sog. Wohnmessen finanziert wurden.
Zukunftsträchtig und vorbildlich klang des weiteren die Initiative der Stadt, für die Schaffung von Gemeinschaftseinrichtungen durch Wohnungsbaugesellschaften einen Teil des Grundes nicht in Rechnung zu stellen. Eine solche Möglichkeit steht jedoch nur auf der Wunschliste des Sozialplanungsamtes bezüglich des Ackermannbogens.
Den ganzheitlichen Ansatz in der Sozialplanung der Schwabinger Wohnprojekte stellte deren Sprecherin Elisabeth Hollerbach vor. Die Schwabinger Wohnprojekte werden etwa 200 Wohneinheiten im ersten Bauabschnitt erstellen und planen ihre Wohnungen in gemeinsamen Abstimmungsprozessen. Sie initiierten darüber hinaus für den neuen Stadtteil sich selbsttragende Arbeits- und Gemeinschaftsprojekte, wie z.B. eine Nachbarschaftsbörse mit Selbsthilfewerkstatt, ein Gesundheitshaus mit Begleitung "von der Wiege bis zur Bahre", ein Nachbarschaftscafé mit Mittagstisch für Kinder, Alleinstehende, SeniorInnen: insgesamt ein nachbarschaftliches Netzwerk, in dem Jung und Alt eingebunden sind.
Zuletzt stellte Georg Buchwieser noch Wünsche und Forderungen für das weitere Vorgehen auf, wie z.B. die Schaffung einer aktivierenden und transparenten BürgerInnenbeteiligungsstruktur (siehe Schema), wie auch die Einrichtung einer Stelle für erweiterte Öffentlichkeitsarbeit, wie sie zu Beginn des Jahres vom Planungsreferat ausgeschrieben, nun jedoch unverständlicherweise zurückgenommen wurde.
Eine nachhaltige Energieversorgung und Abwasserentsorgung machen es möglich!

Das Zauberwort der Energie heißt Passivhaus. Sein Rezept ist einfach.
Erstens: Man nehme die bei einem Gebäude sowieso vorhandenen Bauteile und verbessere sie. Die im Haus benötigte Wärme soll nicht mehr durch Fugen, wärmeleitende Bauteile oder schlecht wärmegedämmte Elemente verloren gehen. Die Qualität der Baukonstruktion nimmt zu, der Energieverbrauch nimmt ab.
Zweitens: Man installiere eine Lüftungsanlage. Sie garantiert das ganze Jahr über eine ausgezeichnete Luftqualität und macht unangenehmes Lüften und damit verbundene Energieverluste im Winter überflüssig.
Drittens: Man gewährleiste den Strahlungszugang der Sonne zum Gebäude. Er bringt die notwendige Wärme ins Haus und steigert die Laune der Bewohner/innen.
Das Ergebnis ist beachtlich: Ein Passivhaus weist einen höheren Wohnkomfort (keine Zugerscheinungen mehr, höhere Raumbehaglichkeit und weniger Bauschäden) und einen extrem geringeren Energieverbrauch auf. Es benötigt nur noch 1,5l Öl für einen m2 Heizfläche. Ein konventionell errichtetes Haus verbraucht dagegen meist um die 9,5l/m2, im Bestand liegen die Zahlen oft bei 25 l/m2 und mehr.
Der verbleibende Energieverbrauch ist mit den unterschiedlichsten erneuerbaren Energieträgern zu decken. Möchte man dafür das auf dem Gelände anfallende organische Material (Biomüll, Gartenabfälle, menschliche Ausscheidungen) verwenden, treten Vakuumtoiletten (wie im ICE oder Flugzeug, Transportmittel ist hauptsächlich der Druck) an die Stelle der Wassertoiletten. Der Wasser- bzw. Abwasseranteil verringert sich (nur noch 1l pro Spülgang), die Wasser- und Abwassergebühren reduzieren sich dementsprechend um ein Viertel und die richtige Konsistenz des organischen Materials wird erreicht. Das Material wird vergärt und Biogas entsteht, das mittels eines Blockheizkraftwerks in Wärme und Strom umgewandelt wird. In dem bei jedem Vergärungsprozess entstehende Gärrest werden die für das Wachstum von Pflanzen wichtigen Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphat und Kalium bewahrt. Deshalb könnte er als Dünger auf den vorhandenen Brachflächen der städtischen Güter Münchens 'Großlappen' und 'Dietersheim' ausgebracht werden und zum Anbau von ölhaltigen Energiepflanzen dienen.
Der Stoffkreislauf wird erhalten, die kosten- und energieintensive Reinigung in der Kläranlage gespart, die Eutrophierung der Gewässer nimmt ab. Das erzeugte Pflanzenöl könnte im Olympiapark Süd den durch das Biogas nicht abgedeckten Energiebedarf liefern. Eine Kombination mit hochwertigem altem Speiseöl ist ebenfalls möglich. Der Energiebedarf des Stadtviertels könnte auf diese Weise nachhaltig gestillt werden.
Im Bereich Abwasser kehrt man zu der natürlichen Kreislaufwirtschaft zurück. Wirtschaftlich gesehen, schneidet diese Möglichkeit ebenfalls gut ab.
Es ist mit höheren Investitionskosten zu rechnen, die sich aber durch den geringen Energieverbrauch, die Einsparung bei Wasser- und Abwassergebühren und andere Komponenten wieder ausgleichen. Gewinnen tut bei diesem Konzept jeder/jede.
Da die Möglichkeiten einer nachhaltigen Energieversorgung und Abwasserentsorgung so vielseitig sind, fordert die Arbeitsgruppe Energie das Vorlegen von integrierten Energie-, Ökologie- und Entwässerungskonzepten, die mit geeigneten Fachleuten erstellt werden und den Primärenergieaufwand für Herstellung, Transport und Einbau der verwendeten Materialien berücksichtigen. Für etwa 30% der von den Wohnprojekten gebauten Wohneinheiten soll der Passivhausstandard erreicht werden, für die übrigen Gebäude der Standard bei Niedrigenergiehäusern verbindlich sein. Natürlich wäre es erfreulich, wenn dieses Vorhaben auch auf die anderen Wohneinheiten des ersten Bauabschnitts Auswirkungen haben würde.
Wer sich umfassender informieren möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Das Energie- und Ökologiekonzept der AG Arbeiten - Ökologie - Handwerk und eine Diplomarbeit zu dem Thema "Möglichkeiten einer nachhaltigen und kostengünstigen Energieversorgung und Abwasserentsorgung im neu entstehenden Stadtviertel Olympiapark Süd" wurden zu diesen Themen schon erstellt. AnsprechpartnerInnen sind
Norbert Endres, Schwabinger Wohnprojekte am Olympiapark Süd, Tel.: 31 23 04 00
Sabine Bock, Green City e.V., Tel.: 48 99 71 99/ Fax: 48 99 71 33