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Potentiale und Gefahren

Biogas

Was ist Biogas?
Biogasanlage

© rupenkamp / Fotolia.de

Als Biogas werden Gase bezeichnet, die von Bakterien unter nahezu sauerstofffreien Bedingungen aus einem organischen Substrat erzeugt werden. Hauptbestandteil von Biogas ist Methan. Da Methan auch der Hauptbestandteil von fossilem Erdgas ist, kann Biogas Erdgas theoretisch in allen Feldern ersetzen und zur Erzeugung von Strom und Wärme oder sogar als Treibstoff genutzt werden. Zuvor muss es jedoch von Wasserdampf sowie schwefel- und stickstoffhaltigen Bestandteilen gereinigt werden.

Als Substrat für Biogasanlagen kommen theoretisch alle organischen Stoffe in Frage, sei es Gülle, Klärschlamm, Gras, Getreide, Biomüll, Kadaver,... Aus technischen und gesundheitlichen Gründen werden jedoch z.B. Kadaver oder Faserpflanzen wie Hanf nicht in Biogasanlagen eingesetzt. Die Silbe "bio" in "Biogas" bezieht sich auf die Herstellung des Gases mit lebendigen Produktionsmitteln ("biogen"), nicht auf die Herkunft der Substrate aus der biologischen Landwirtschaft. Der Gärrest, der bei der Gasproduktion übrigbleibt, kann als organischer Dünger genutzt werden.

Die Vermaisung der Landschaft
Vermaisung

© macroart / Fotolia.de

Während Biogas aus Kläranlagen seit längerem genutzt wird, waren landwirtschaftliche Biogasanlagen noch in den 1990er Jahren Projekte, die von experimentierfreudigen Bauern und Bäuerinnen genutzt wurden, um Strom und Wärme für den eigenen Betrieb zu produzieren. Vor allem Gülle sowie Futter- und Erntereste dienten als Substrat und die Leistung der Anlagen war gering. Mit dem Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) änderte sich die Situation ab 2000 grundlegend. Strom aus Biogasanlagen sollte ein Teil der Energiewende werden und "der Landwirt als Energiewirt" ein neues Aufgabenfeld und sichere Einnahmen bekommen. Diese Zielsetzung und Fehler in der Förderpolitik (v.a. die Kombinierbarkeit verschiedener Fördermechanismen und die Möglichkeit, Energiepflanzen mit intensiven Methoden auf Stilllegungsflächen anzubauen) führten zu einem schnellen Boom und einer zunehmenden Industrialisierung der Biogasproduktion. Verstärkt wurde das noch durch die Einführung verschiedener Boni bei der EEG-Novelle im Jahr 2009.

Die Folge lassen sich in der Landschaft deutlich ablesen: Immer größere Biogasanlagen, die mit Mais aus großflächigen Monokulturen gefüttert werden. Mais liefert nicht nur viel Biomasse pro Hektar Ackerland, sondern auch ein Substrat mit sehr guter Gasausbeute. Diese Situation schafft viele Probleme:

  • Der in Monokultur, oft ohne Fruchtfolge und mit hohem Chemikalieneinsatz produzierte Mais zerstört Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit.
  • Die Gewinnmöglichkeiten durch Biogasproduktion lassen die Pachtpreise für Ackerland steigen und verdrängen so Lebens- und Futtermittelproduktion. Besonders schwer trifft es die ökologische Landwirtschaft, die Flächen extensiver nutzt.
  • Für den Maisanbau für Biogasanlagen wird Grünland umgebrochen, das für die Biodiversität wichtig ist. Dabei geht Kohlenstoff aus dem Humus als CO2 in die Atmosphäre über und treibt den Klimawandel an.
  • Die immer größeren Anlagen müssen das Substrat aus immer weiterer Entfernung antransportieren lassen. Neben dem Energieverbrauch für den Transport sind immer mehr Unfälle mit den schwerbeladenen Anhängern in der Erntezeit ein Problem.
Potentiale von Biogas in der Energiewende

Dennoch hat Biogas bei der Umstellung der Strom- und Wärmeversorgung auf Erneuerbare Energien ein großes Potential. Grund dafür sind die Flexibilität der Stromerzeugung und die Möglichkeit, aus Reststoffen Energie zu erzeugen.  

Für eine Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien ist die "Grundlastfähigkeit", also die Fähigkeit, kontinuierlich eine bestimmte Menge Strom zu produzieren, immer weniger wichtig. Entscheidender ist die Flexibilität und Steuerbarkeit, die Biogasanlagen haben. Sowohl das Substrat als auch das Gas lassen sich problemlos speichern. Biogasanlagen können auf die wechselhafte Einspeisung von Strom aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen und die Spitzen und Täler bei der Nachfrage reagieren. Somit haben sie das Potential, zur Versorgungssicherheit und Netzstabilität beizutragen. Entscheiden ist dafür, dass es gelingt, sie nicht plump als Grundlastkraftwerke zu benutzen, sondern flexibel zu regeln.  

Nicht sinnvoll ist dagegen die Nutzung von biogenem Methan als Treibstoff. Es ist ein Märchen, dass sich die heutige Form der Mobilität mit anderen Treibstoffen nachhaltig wird. Um einen Menschen herum eine Tonne Stahl zu bewegen, um ihn von A nach B zu bringen, ist einfach eine unglaubliche Energieverschwendung. Nachwachsende Rohstoffe können das nicht leisten, geschweige denn nachhaltig gestalten. Vielmehr bedarf es der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte mit weniger Autos.             

Während der Maisanbau für immer größere Biogasanlagen zu Recht in der Kritik steht, ist die Nutzung von Gülle und Reststoffen nach wie vor nicht ausgeschöpft. Ein gewisses Potential bestünde auch darin, auf ökologischen Vorrangflächen mehrjährige Blühpflanzen als Bienenweide anzubauen und dann als Substrat zur Gülle zu mischen. Die Energieproduktion in Biogasanlagen stünde so nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Allerdings geht die Entwicklung in der Praxis nicht in diese Richtung: Biogasanlagen passen sich ins agrarindustrielle System ein und werden als Grundlastkraftwerke genutzt.

Silomais-Ernte

© countrypixel / Fotolia.de

Energiewende nur ohne Agrarindustrie

Immer wieder wird die Produktion von Energie aus Pflanzen zudem als Einfallstor für die Gentechnik gebraucht. Doch auch wenn die Produkte nicht gegessen werden bleiben viele grundsätzliche ökologische, soziale und ökonomische Probleme der Gentechnik bestehen. Dem Wind, der Gentech-Pollen verbreiten, ist es egal, wozu der Mais nach der Ernte genutzt wird.  

Wenn aber die Energieproduktion aus Biogas zur Vermaisung der Landschaft führt, der Lebensmittelproduktion Konkurrenz macht, Einfallstore für Gentechnik öffnet und Massentierhaltungsanlagen rentabler macht, richtet sie mehr Schaden an, als sie Nutzen bringt.

Stand: März 2014

Das Umweltinstitut München fordert:

  • Biogasanlagen müssen sich in bäuerliche oder dörfliche Strukturen einpassen 
  • Eine Beschränkung auf Gülle, Abfall und Reststoffe
  • Nahrung darf nicht zu Energie werden
  • Die Reduktion des Verkehrsaufkommens und Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte
  • Ein allgemeines Anbauverbot für genmanipulierte Pflanzen
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