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Agrarenergie

Klimabilanz

Warum Agrarenergie nicht zum Klimaschutz beiträgt

Energie aus Biomasse wird als klimafreundliche Alternative zu fossiler Energie beworben und weltweit gefördert. Doch tatsächlich beruht die angeblich positive Klimabilanz dieser Agrarenergie auf einer Reihe falscher Annahmen

Fakt Nummer 1: Verbrennen von Biomasse ist nicht CO2-neutral

Beim Verbrennen von Biomasse entstehen etwa gleich viele Emissionen wie beim Verbrennen von Öl oder Kohle. Dennoch werden diese CO2-Emissionen, die beim Verbrennen im Automotor oder in der Agrargasanlage entstehen, nicht in die Klimabilanz der Agrarenergie miteinbezogen. Denn bisher gingen alle Klimabilanzen davon aus, Verbrennen von Biomasse sei CO2-neutral. Doch diese schwerwiegende Verzerrung der Klimabilanz von Agrarenergie beruht auf einem Denkfehler, wie eine Studie des wissenschaftlichen Komitees der Europäischen Umweltagentur kürzlich bestätigte.

Zwar wird beim Verbrennen von Biomasse die gleiche Menge Kohlenstoff frei, die der Atmosphäre durch das Wachstum der Pflanze entzogen wurde. Was in dieser Rechnung jedoch vergessen wird:

© Ingo Bartussek / Fotolia.com

Ein Acker entzieht der Atmosphäre deutlich weniger CO2 als Wald- oder Moorflächen. Würden wir also statt des Energiepflanzenanbaus Moore und Wälder renaturieren, könnten große Mengen an CO2 gespeichert werden. Auch eine flächendeckende Umstellung auf Ökolandbau würde im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft CO2 einsparen. Der Klimanutzen von Agrarenergie müsste also an der maximal möglichen CO2-Reduktion pro Hektar gemessen werden.

Fakt Nummer 2:
Industrielle Landwirtschaft ist Hauptverursacher von Klimagasen

Die Landwirtschaft verursacht weltweit 14 Prozent der Klimaemissionen. Der Großteil davon (circa drei Viertel) entsteht durch Stickstoffdüngung und Humusverlust. Rechnet man die agrarbedingte Entwaldung mit ein beträgt der Anteil der Landwirtschaft sogar 25 Prozent der Gesamtemissioenen.

Stickstoffdüngung

Stickstoffdünger schadet dem Klima auf zwei Arten: Erstens ist die Herstellung besonders energieintensiv und verursacht damit hohe CO2-Emissionen. Zweitens entweicht auf dem Feld überschüssiger Stickstoff in Form von Lachgas als besonders klimaschädliches Gas in die Atmosphäre.

Humusverlust

Zweites Klimaproblem der industriellen Landwirtschaft ist der Humusverlust. Als Humus bezeichnet man die tote organische Substanz im Boden, von der sich u.a. die Bodenlebewesen ernähren, die für einen gesunden Boden unverzichtbar sind. Wird Humus abgebaut, entweicht aus dem Boden Kohlenstoff, was den Klimawandel beschleunigt. Durch industrielle Landwirtschaft nimmt der Humusanteil im Boden beständig ab. Extrem hohe Emissionen verursacht die Landwirtschaft auf Moorböden. Werden diese entwässert, baut sich die teils meterhohe Torfschicht ab und setzt dabei Kohlendioxid und Lachgas frei. Fast ein Zehntel der heute landwirtschaftlich genutzten Flächen Deutschlands befinden sich auf ehemaligen Moorböden. Die Renaturierung dieser Moore würde der Atmosphäre CO2 entziehen und es in Form von Humus im Boden speichern.

Fakt Nummer 3:
Landnutzungsänderungen werden nicht berücksichtigt

Für den Anbau von Energiepflanzen werden zusätzliche Agrarflächen benötigt. In der Praxis bedeutet dies, dass Naturflächen oder Grünland in Ackerland umgewandelt werden. Direkte Landnutzungsänderungen werden in der Klimabilanz der Agrarenergie berücksichtigt. Vor allem aber in den Ländern des Südens sind indirekte Landnutzungsänderungen zu beobachten: Da auf den vorhandenen Ackerflächen Energiepflanzen angebaut werden, müssen neue Flächen für den Anbau von Lebensmitteln erschlossen werden. Wälder, Savannen oder Weiden werden in Äcker umgewandelt. Die dabei entstehenden Emissionen werden in der Bilanz der "Bio"energie nicht berücksichtigt.

Abbildung 2 zeigt anhand der Ergebnisse verschiedener Studien, wie die CO2-Bilanz verschiedener Agrokraftstoffe ausfällt, wenn die Emissionen durch indirekte Landnutzungsänderungen berücksichtigt werden. Nur die grünen Balken erreichen die in der Erneuerbare Energien Richtlinie der EU vorgeschriebene Treibhausgasreduktion von 35 Prozent.

Das Ergebnis: Nur Pflanzenöl aus Reststoffen hat eine eindeutig positive Klimabilanz. Agrodiesel aus Palmöl, Sonnenblumen, Soja und Raps sowie Ethanol aus Mais und Zuckerrüben schneiden deutlich schlechter ab als fossile Kraftstoffe. Von allen Feldfrüchten erreicht nur Zuckerrohr teilweise die in der Erneuerbare Energien Richtlinie der EU vorgeschriebenen Treibhausgasreduktion von 35 Prozent (gelbe Linie). Denn Zuckerrohr hat einen sehr hohen Ethanolertrag pro Hektar. Allerdings wird auch hier davon ausgegangen, dass Zuckerrohrethanol CO2-neutral verbrennt.

Es wird also nicht berücksichtigt, dass statt Zuckerrohr auf derselben Fläche auch Tropenwald wachsen könnte (siehe Fakt 1). Auch das großflächige Abbrennen der Zuckerrrohrfelder ist in der Bilanz vermutlich nicht berücksichtigt. Zudem verbraucht Zuckerrohr große Mengen an Wasser und Stickstoffdünger, es wird unter massivem Einsatz von Pestiziden in Monokultur angebaut, die Arbeitsbedingungen sind meist katastrophal. Immer mehr Zuckerrohr für den Ethanol-Export wird in Ländern angebaut, die Probleme haben, ihre Bevölkerung zu ernähren.

Fazit: Ökolandbau statt Agrarenergie

Der großflächige Umstieg auf ökologischen Landbau würde im Gegensatz zur Agrarenergie wirklich zu Klimaschutz beitragen. Denn Ökolandbau verzichtet auf mineralische Stickstoffdünger und Pestizide, erhält die Humusschicht des Bodens und verzichtet auf Massentierhaltung, die auf dem Import von Futtermitteln aus Ländern des Südens basiert. Verschiedene Studien belegen, dass Ökolandbau 20 bis 30 Prozent weniger Treibhausgase freisetzt als die konventionelle Landwirtschaft.

Was ist Agrarenergie?

Agrarenergie ist Energie, die aus Biomasse erzeugt wird. Die wichtigsten Agrarenergieprodukte sind die "Bio"kraftstoffe"Bio"-Ethanol und "Bio"-Diesel sowie "Bio"-Gas, das meist zur Stromerzeugung genutzt wird.

Da diese Energieträger nicht ökologisch produziert werden, verwenden Umweltorganisationen lieber die Vorsilbe "Agrar" statt "Bio". Agrarethanol wird vor allem aus Mais, Getreide und Zuckerrohr, Agrardiesel vor allem aus Raps hergestellt. Agrargas wird vor allem aus Mais hergestellt.

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