Facebook .
Twitter .
Menü
Home  trenner  Themen  trenner  Energie und Klima  trenner  Agrarenergie  trenner  Landnutzungsänderungen
Landnutzungsänderungen

LUC und iLUC - Direkte und indirekte Landnutzungsänderungen

Agrarkraftstoffe schädigen das Klima stärker als herkömmlicher Kraftstoff aus Erdöl. Dies liegt vor allem an der Zerstörung großer Naturflächen. Für den Anbau von Energiepflanzen werden Wälder und Moore, die riesige Mengen an CO2 speichern, zerstört.

In Deutschland werden mittlerweile auf über 16 Prozent der Ackerfläche Energiepflanzen angebaut. Langfristig sollen hierzulande mehr als vier Millionen Hektar für den Anbau von Agrarenergie genutzt werden, was annähernd der Fläche Niedersachsens entspräche. Diese zusätzliche Nachfrage nach Ackerland führt zu den so genannten Landnutzungsänderungen (englisch: Land Use Chance, LUC).

Global verursachen Landnutzungsänderungen 20 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen. Ein Großteil davon entsteht in den Ländern des Südens durch die Umwandlung tropischer Wälder in Acker- und Weideland. Doch auch in Deutschland sind Landnutzungsänderungen an der Tagesordnung: Jahr für Jahr werden mehr als 70.000 Hektar Grünland zu Ackerland umgebrochen. Dabei entweichen innerhalb weniger Jahre rund 40 Prozent des im Boden gespeicherten Kohlenstoffs in die Atmosphäre und beschleunigen die Klimaerwärmung. Wenn umgekehrt Äcker wieder in Grünland umgewandelt werden, dauert es Jahrzehnte bis Jahrhunderte, bis sich die abgebauten Humusschichten wieder zurückbilden.

Direkte und indirekte Landnutzungsänderungen

Auch indirekt führt Agrarenergie zur Zerstörung von Naturflächen.

Landnutzungsänderungen rücken durch die Diskussion um die Klimawirkung von Agrartreibstoffen immer stärker in den Fokus von Politik und Wissenschaft.

Unterschieden wird zwischen direkten und indirekten Landnutzungsänderungen:

  • Direkte Landnutzungsänderungen (dLUC): Naturflächen, Weiden oder Äcker werden direkt in Anbauflächen für Energiepflanzen umgewandelt.
  • Indirekte Landnutzungsänderungen (iLUC): Energiepflanzen verdrängen den Anbau von Lebens- und Futtermitteln. Dieser muss dann auf andere Flächen ausweichen - dafür werden Wälder, Savannen oder Weiden in Äcker umgewandelt.
Auswirkungen indirekter Landnutzungsänderungen auf das Klima

Die Auswirkungen von Landnutzungsänderungen auf das Klima sind schwer zu erfassen:

  • iLUC sind ein globales Phänomen: Rapsanbau in Deutschland kann Regenwaldrodung in Malaysia verursachen.
  • iLUC werden von den Preisschwankungen auf den Agrar- und Energiemärkten beeinflusst: So wirken sich steigende Weizenpreise an der Rohstoffbörse ebenso iLUC-verstärkend aus wie höherer Fleischkonsum, steigende Benzinpreise oder die EU-Importbeschränkungen für Agrokraftstoffe.
  • Aufgrund der vielfältigen Wechselwirkungen entstehen iLUC oft mit größerer zeitlicher Verzögerung.
  • Die Folgen von iLUC auf das Klima sind sehr unterschiedlich: Bei der Rodung eines Hektars Torfregenwald werden bis zu 10.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid frei, bei der Umwandlung von Grünland in Acker rund 150 Tonnen.

Obwohl das Ausmaß von iLUC nicht genau gemessen werden kann und die Ergebnisse der Studien zu diesem Thema deutlich variieren, wird schon lange nicht mehr bestritten, dass die Klimaschäden durch Landnutzungsänderungen bei der Bewertung der Agrarenergie stark unterschätzt werden.

Beispiel:

In Deutschland wird immer mehr Raps für die Produktion von Agrardiesel verwendet. Somit ist weniger Rapsöl für die Lebensmittelproduktion vorhanden. Das fehlende Rapsöl wird durch Palmöl ersetzt. Dieses wird in Malaysia und Indonesien angebaut, wo für Palmplantagen tropische Wälder gerodet werden.

iLUC-Faktor führt zu Greenwashing

Um die Klimabilanz der Agrartreibstoffe realistischer zu bewerten, wird darüber diskutiert, einen so genannten iLUC-Faktor einzuführen. Dieser soll die CO2-Emissionen beziffern, welche durch Landnutzungsänderungen entstehen. Die Klimabilanz der Agrartreibstoffe würde dadurch verschlechtert.

Doch die Klimafolgen direkter und indirekter Landnutzungsänderungen mit all ihren Wechselwirkungen zum bemessen, ist unmöglich. Dementsprechend unterscheiden sich die Ergebnisse bisheriger iLUC-Modellierungen stark: So beträgt der für Rapsdiesel kalkulierte iLUC-Wert je nach Berechnungsmodell zwischen 4 und 60 Gramm CO2 pro Megajoule.

Da eine exakte Berechnung des iLUC-Faktors also nicht möglich ist, muss er, wenn überhaupt, auf der Basis politischer Überlegungen festgesetzt werden. Schon jetzt ist der iLUC-Faktor heiß umstritten. Die Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission unterstützt die Interessen der Bioenergie-Lobby und lehnt den iLUC-Faktor ab, die Gerneraldirektion Umwelt verweist auf die Klimafolgen der Agrarkraftstoffe und befürwortet eine iLUC-Regelung.

Da der iLUC-Faktor ein "politischer Faktor" sein wird, ist zu erwarten, dass bestenfalls ein sehr niedriger Faktor eingeführt wird. Dieser würde die Klimafolgen von Agrosprit verschleiern. Damit würden Agrarkraftstoffe weiterhin grün gewaschen: Der Öffentlichkeit würde vorgegaukelt, der iLUC-Faktor garantiere Klima- und Umweltschutz. Ein iLUC-Faktor würde also die Nutzung von Agrarkraftstoffen eher zementieren, als verhindern.

Deshalb muss die Beimischung von Agrarkraftstoffen komplett abgeschafft werden. Denn Agrarkraftstoffe sind energetisch ineffizient und klimaschädlich, sie verhindern den Aufbau nachhaltiger Mobilitätskonzepte und die Ausweitung einer ökologischen Landwirtschaft.

Lesen Sie mehr über Agrosprit
1 / n

Flyer - Hungrige Spritfresser

Flyer - Agrospritlügen

Unterstützen Sie uns!