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CRISPR und die Gene-Drive-Technologie

Gene Drive: Gentechnik jetzt auch an wildlebenden Arten?

CRISPR/Cas macht's möglich
Umweltinstitut München, Gene Drive, Mücken, Vererbung, Grafik, Gentechnik

Durch die Gene-Drive-Technologie werden die Mendelschen Regeln der Vererbung außer Kraft gesetzt. Die gentechnisch veränderten Merkmale werden angeblich nahezu zu 100 Prozent an die Nachkommen weiter gegeben.
Bild: Umweltinstitut München

Durch die Erfindung der Gen-Schere CRISPR/Cas können Gene viel grundlegender verändert werden, als dies je zuvor möglich war. Nun sollen mit dieser neuen Gentechnik- Methode in Zukunft nicht nur Gene von Ackerpflanzen und Nutztieren, sondern auch die von wildlebenden Tieren und Pflanzen gentechnisch verändert werden.

Dazu wurden in den letzten Jahren sogenannte Gene Drives entwickelt. Mit dieser Technologie kann der Mensch neue Gene in das Erbgut wildlebender Tiere einschleusen, sodass sich diese in den Wildtierpopulationen verbreiten. Denn Gene Drives erzwingen die Vererbung von neu eingeführten Genen an sämtliche Nachkommen (siehe Vererbungsschema). Und dies sogar dann, wenn dies die Überlebenschancen der betroffenen Art senkt. Im Extremfall könnten damit ganze Arten ausgerottet oder wildlebende Populationen durch gentechnisch veränderte Organismen ersetzt werden.

Gentechnik mit Antrieb

Während die Wahrscheinlichkeit für die Vererbung einer genetischen Eigenschaft normalerweise bei 50 Prozent liegt, können Gene Drives die Vererbung von Genen an die Nachkommen auf angeblich nahezu 100 Prozent erhöhen. Damit eröffnet sich eine völlig neue Dimension der Gentechnik: Gene-Drives lösen eine Art gentechnische Kettenreaktion aus, die erst zum Stillstand kommt, wenn das Ziel erreicht ist – oder eine genetische Mutation sie stoppt. Das Ziel kann die Ersetzung oder Ausrottung einer wildlebenden Population oder sogar einer gesamten Art sein. Kontrollieren oder gar aus der Natur zurück holen lassen sich solche Gene-Drive-Organismen nach der Freisetzung nicht mehr.

Wird die Anwendung von Gene Drives auch nur in einem einzigen Land zugelassen, so betrifft dies auch alle umliegenden Länder und letztlich alle Länder weltweit. Denn bekanntlich machen Pollen oder Mücken vor Ländergrenzen nicht Halt. Und die Verbreitung invasiver Pflanzen- und Tierarten durch den globalen Handel ist bereits heute ein bekanntes und weitverbreitetes Problem. Ein Freilandversuch wäre deshalb eine unwiderrufliche Entscheidung.

Erklärvideo unserer Partnerorganisation Save Our Seeds:

"Gene Drives Film"


Was ist das propagierte Ziel von Gene Drives?

Gene-Drives werden als Möglichkeit der Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft, zur Entfernung invasiver Arten aus sensiblen Ökosystemen und zur Ausrottung oder Veränderung von krankheitsübertragenden Insekten propagiert. Momentan zielen Anwendungen auf die Ausrottung von Mäusen, Ratten und Stechmücken ab. Erste Freisetzungsversuche sind bereits in der Vorbereitung. Gentechnisch veränderte Gene-Drive-Mücken sollen in Burkina Faso aus dem Labor in die Natur ausgesetzt werden, mit dem Ziel der Ausrottung der Malaria-übertragenden Anopheles-Mücke. Die Entscheidung über die Freisetzung gentechnisch veränderter Mücken in dem westafrikanischen Land wird von sehr wenigen Menschen getroffen. Doch die großen Risiken und womöglich weitreichenden globalen Konsequenzen müsste die ganze Menschheit tragen.

Gentechnik, Gene Drive, Mücke, Maus, Fliege, Versuche, Umweltinstitut München

Im Visir von Gene-Drive-Forscher:innen sind derzeit Insekten und Nagetiere, die als Schädlinge angesehen werden (z.B. Malaria-übertragende Mücken). Sie sollen gentechnisch verändert oder sogar ganz ausgerottet werden.
Bild: Save Our Seeds

Unvorhersehbare Risiken durch Gene Drives

Jedes Lebewesen, selbst wenn es uns Menschen gefährlich oder schädlich erscheint, erfüllt wichtige Aufgaben in seinem Lebensraum. Die Manipulation oder gar Ausrottung einer einzigen Art wird daher Folgen für das gesamte Ökosystem haben. Welche das sind, kann derzeit niemand vorhersagen.

Fehlt beispielsweise eine Mückenart und deren Larven, so bricht eine Nahrungsquelle für Vögel, Fische und andere Tierarten weg. Ganze Nahrungsnetze können zusammenbrechen. Wird eine Art verdrängt, dezimiert oder ausgerottet, können sich aber auch andere Arten stärker ausbreiten, die wiederum negative Auswirkungen auf uns Menschen haben können, indem sie etwa Krankheiten übertragen. Das Verändern oder Auslöschen ganzer Populationen oder Spezies kann demnach gravierende Folgen für die empfindlichen Ökosysteme unseres Planeten nach sich ziehen. Je mehr Arten aus einem Ökosystem entfernt werden, desto instabiler wird das System, bis es schließlich sogar ganz kollabieren kann.

Wir sagen Nein zu Gentechnik an wildlebenden Arten!

Wir fordern ein globales Moratorium auf die Nutzung und Erzeugung von Gene-Drive-Organismen sowie deren Freisetzung in die Natur!

Denn...

  • Mit Gene Drives wird die Natur zum Gentechniklabor
  • Gene-Drive-Organismen sind nicht rückholbar, ihre Überwachung und Kontrolle in der Natur ist unmöglich
  • Mit Gene-Drive-Organismen werden neue, invasive Arten geschaffen, die sich weltweit verbreiten könnten
  • Die Risiken sind hoch: Gene Drives könnten im Ernstfall zur Auslöschung ganzer Arten oder zum Zusammenbruch von Ökosystemen führen
  • Es besteht die Möglichkeit der Auskreuzung über Artgrenzen hinweg
  • Bei Gene Drives kann es zu unerwünschten und unerwarteten Effekten kommen, auch bei der Nutzung der Genschere CRISPR/Cas9
  • Ihre Effekte auf Ökosysteme, die Landwirtschaft, die menschliche Gesundheit und den Frieden sind kaum erforscht
  • In der landwirtschaftlichen Anwendung bekämpft die Gene-Drive-Technologie nur die Symptome einer verfehlten Landwirtschaftspolitik, nicht deren Ursachen
  • Bereits die Forschung an Gene Drives ist riskant, das Entkommen einzelner Versuchstiere in die Umwelt kann eine gentechnische Kettenreaktion in Gang setzen
Bündnis für ein globales Moratorium

Das Umweltinstitut München ist Teil eines Bündnisses von Organisationen in Europa und weltweit, mit dem Ziel, die Freisetzung von Gene-Drive-Organismen in die Umwelt zu verhindern.

Infomaterial
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Gentechnik 2.0
Neue Gefahr für Umwelt und Verbraucherschutz

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Terminator-Technologie
Saatgut im Fokus der Konzerne

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Gensoja in Fleisch und Milch - Kennzeichnung mit großen Lücken

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Riskantes Versteckspiel
Neue Methoden der Genmanipulation

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