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Gentechnik-Basisinformationen

Gentechnik und Welternährung

Gentechnik - Keine Lösung für den Welthunger

© USDA

Gift und Gentechnik - Ein unzertrennliches Paar auf dem Acker.

1973 gelang US-Wissenschaftlern die erste Genmanipulation. Sie schleusten fremde Erbsubstanz in Bakterien ein. Heute, über 40 Jahre später, werden in den USA, Brasilien, Argentinien, Indien, Kanada und China großflächig genmanipulierte Soja, Mais, Raps und Baumwolle angebaut. Seit der Einführung transgener Pflanzen gibt es auf dem Markt praktisch nur zwei "neue" Eigenschaften: Insektenresistenz, also Pflanzen die permanent ein bakterielles Gift produzieren, das bestimmte Schädlinge abtöten soll. Und Herbizidresistenz, also Pflanzen die das Spritzen mit Totalherbiziden wie Roundup von Monsanto überleben.

Unnötige Risikotechnologie

Ihre markigen Versprechen wie etwa die Linderung des Welthungers oder die Bekämpfung von Mangelernährung konnte die Agro-Gentechnik bisher nicht ansatzweise einlösen. Vielmehr sollen sie die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit ihrer Risikotechnologie überzeugen, die eine radikale Manipulation natürlicher Lebensprozesse bedeutet - und zwar mit völlig ungewissem Ausgang. Den wirtschaftlichen Nutzen haben freilich die multinationalen Agro-Chemiekonzerne.

© Blasius Mrowiec / Fotolia

Mit gentechnischen Mitteln den Welthunger bekämpfen? Dieses Versprechen der Agrarlobby wurde bis heute nicht eingelöst.

Währenddessen hungern 795 Millionen Menschen auf der Welt - trotz Genfood. Denn nur etwa die Hälfte der weltweiten Landwirtschaftserträge dient der menschlichen Ernährung. Die andere Hälfte wird zu Tierfutter, Sprit und industriellen Rohstoffen weiterverarbeitet oder landet im Abfall. Bereits 1998 beklagten alle afrikanischen Staaten, ausgenommen Südafrika, in einer gemeinsamen Erklärung, dass die Armen und Hungernden ihrer Länder missbraucht würden, um Gentechnik salonfähig zu machen. Sie stellten fest, dass Gentechnik die biologische Vielfalt Afrikas zerstört und das lokale Wissen sowie das über Jahrtausende entwickelte nachhaltige landwirtschaftliche System gefährdet. Mit Gentechnik würde die Möglichkeit der afrikanischen Bevölkerung verhindert, sich selbst zu ernähren, so ihre unmissverständliche Schlussfolgerung.

Gentechnik ist keine Lösung für den Welthunger. Im Gegenteil: Gentechnik verschärft die Armutsproblematik. Denn sie stärkt die Macht der Konzerne und schwächt die Position der Bauern.

Die Macht der Konzerne

© M. Gromann / pixelio

Monsanto beherrscht 27 Prozent des weltweiten Saatgutmarktes.

Längst sind Nahrungsmittel zum Machtinstrument geworden. Die Kontrolle beginnt beim ersten und wichtigsten Teil der Nahrungskette: dem Saatgut. Das Umsatzvolumen der Branche ist mit 34,5 Milliarden US-Dollar immens. Heute beherrschen wenige Großkonzerne die globale Saatgutproduktion. Der Anteil der zehn größten Agrarkonzerne (Monsanto, DuPont/Pioneer, Syngenta, Limagrain, Land O'Lakes Winfield, Bayer Crop Science, KWS, Sakata und DLF-Trifolium) am Gesamtmarkt beträgt 75 Prozent. Allein der weltgrößte Gentechnikkonzern, die Firma Monsanto, beherrscht 26 Prozent des weltweiten Saatgutgeschäfts.

Auf diese Weise wird die Welternährung zum Spielball der Privatunternehmen, die den Markt nach Belieben lenken und diktieren. Sie bestimmen, was weltweit auf den Teller kommt. Schon heute gibt es Staaten, in denen die Bauern für manche Pflanzen nur noch genmanipuliertes Saatgut bekommen können. Ernährungssouveränität und demokratische Selbstbestimmung sind massiv gefährdet.

Rita Köhler, pixelio, Sorten, Mais

© Rita Köhler / pixelio

Die Diversität der Nutzpflanzen wird durch die genmanipulierten Sorten bedroht.

Seit Beginn der Landwirtschaft werden Pflanzen entsprechend ihrer Eigenschaften gezüchtet und angebaut. Die verschiedenen Sorten sind an unterschiedliche klimatische und geographische Bedingungen angepasst, oder sie besitzen Resistenzen gegen bestimmte Schädlinge und Krankheiten. Diese Vielfalt ist die Grundlage jeder zukunftsfähigen Landwirtschaft. Angesichts der aggressiven Einführung genmanipulierter Pflanzen und der Konzentration auf wenige genmanipulierte Sorten schrumpft der natürliche Genpool der Nutzpflanzen zunehmend. Standortangepasste Lokalsorten werden verdrängt.

Die Jahrtausende alte bäuerliche Tradition, einen Teil der Ernte wieder auszusäen oder Saatgut zu tauschen, ist durch die Patentierung von Pflanzen künstlich kriminalisiert worden. In einigen Ländern Afrikas werden noch immer 90 Prozent des Saatgutes von den Bauern selbst hergestellt, in Europa hingegen sind es oft nur noch fünf bis zehn Prozent. Die Bauern sind gezwungen, ihr Saatgut jedes Jahr neu zu kaufen. In Europa besitzen fünf Firmen (Monsanto, Dupont, Syngenta, BASF und Bayer) die Hälfte der Patente auf Pflanzen. Schon der Bericht der Enquete-Kommission zur Globalisierung des Welthandels des deutschen Bundestags kam im Jahr 2002 zu dem Schluss, dass die Patentierung von Saatgut insbesondere für die Entwicklungsländer zu massiven Problemen führen wird. Das endgültige Aus für kleinbäuerliche Betriebe gerade in den Ländern des Südens bedeuten aber die so genannten Terminator- Pflanzen. Diese werden so manipuliert, dass sie keine keimfähigen Samen mehr hervorbringen. Hier geht es nicht mehr um angeblich "verbesserte" Eigenschaften, sondern ausschließlich darum, das Saatgut für den Nachbau, sprich die Aussaat im nächsten Jahr, unbrauchbar zu machen. Ziel der Konzerne ist es damit eine dauerhafte Nachfrage nach Saatgut zu erzeugen.

Nicht minder entlarvend ist die Tatsache, dass die großen Saatgutproduzenten auch im Pestizidmarkt eine führende Rolle spielen. Wenn Chemiekonzerne Saatgut entwickeln, ist das Ziel klar: Zum Anbau des Saatgutes müssen Pestizide verwendet werden. Gentechnik geht an den Bedürfnissen der Länder des Südens vorbei. Denn die ist eine kapitalintensive Technologie, gemacht für die agroindustrielle Landwirtschaft. Und dafür fehlen in Armutsländern schlicht die finanziellen und natürlichen Ressourcen.

Genpflanzen und Monokulturen sind nicht die Lösung des Welthungers, sondern Teil des Problems

Angesichts der drohenden Folgen des Klimawandels für die Länder des Südens ist es absurd auf eine von Agrochemie abhängige Intensivierung der Landwirtschaft und manipulierte Einheitssorten zu setzen. Der Anbau von Gen-Pflanzen erweist sich für die Umwelt zunehmend als Katastrophe. Industrielandwirtschaft mit Hochertragssorten, Pestiziden und Kunstdünger zur Ertragssteigerung zerstört Böden und schädigt Ökosysteme. Doch ohne diese können sich die nachfolgenden Generationen nicht ernähren. Genpflanzen und Monokulturen sind ergo nicht die Lösung, sondern Teil des Problems. Den einzigen Hunger, den die Gentechnikkonzerne stillen, ist der der Aktionäre.

Dabei könnte die Weltbevölkerung und noch viele Menschen mehr mit den Erträgen der globalen Landwirtschaft ernährt werden, wie auch der Weltagrarbericht von 2008 deutlich bestätigt. Der Hunger ist keine Folge zu geringer Produktionsmengen, sondern der ungerechten Verteilung und Verschwendung sowie der sozialen und politischen Bedingungen: Armut, fehlender Zugang zu Land, Wasser und Saatgut, unfaire Handelsvorraussetzungen.

Nur eine Landwirtschaft, die die natürlichen Grundlagen, wie gesunde und fruchtbare Böden, sauberes Wasser sowie eine Vielzahl an Pflanzen und Tieren bewahrt, kann langfristig die Sicherung der Welternährung leisten.

Oktober 2012
Infomaterial
1 / n

Genpflanzen außer Kontrolle
Kontaminationen von Umwelt, Saatgut, Futter- und Lebensmitteln durch genmani-pulierte Pflanzen sind längst weltweit Realität.

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Genmanipulierte Bäume
Ohne großes Aufsehen hat es die Gentechnik-Industrie geschafft, Gen-Bäume in die Natur einzuschleusen.

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Terminator-Technologie
Saatgut im Fokus der Konzerne

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Verbraucher im Dunkeln
Gensoja in Fleisch und Milch - Kennzeichnung mit großen Lücken

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Genmanipulierte Tiere
Gentechnik bei Tieren ist auch aus ethischen Gründen nicht zu verantworten.

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Wir wissen nicht was wir tun
...aber wir fangen schon mal damit an.

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Riskantes Versteckspiel
Neue Methoden der Genmanipulation

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