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Gentechnik bei Pflanzen

Genbäume gegen den Klimakollaps?

Die USA und andere Staaten versuchen, den Anbau genmanipulierter Bäume als "Klimaschutzmaßnahme" ins Kioto-Protokoll zu schmuggeln.

Das Umweltinstitut München e.V. schließt sich der Petition zahlreicher Organisationen und Einzelpersonen an, die ein internationales Verbot dieser Bäume fordern.

Eukalyptusplantage im Kongo.

Im Dezember 2003 fand in Mailand die neunte Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt. Rund 4.000 Delegierte aus 188 Staaten nahmen an dem Treffen teil, das die Bedingungen für ein Inkrafttreten des Kioto-Protokolls klären sollte. Im Kioto-Protokoll verpflichten sich die Industrieländer, Treibhausgasemissionen um durchschnittlich 5,2 Prozent (bezogen auf das Niveau von 1990) bis 2012 zu mindern.

Die Industrieländer sind für 55 Prozent der 1990 ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich. Völkerrechtlich verbindlich wird das Kioto-Protokoll, wenn mindestens 55 der 175 Vertragsstaaten es ratifiziert haben. Ein wichtiger Tagesordnungspunkt in Mailand war die Rolle der Wald- und Forstwirtschaft innerhalb des Kioto-Protokolls. Im Jahr 2000 war zur Klärung dieser Frage bereits das Wald-Forum der Vereinten Nationen (UN Forum on Forests) ins Leben gerufen worden. Das Forum tagt Anfang Mai in Genf, um die Beschlüsse der Konferenz in Mailand zu beraten bzw. zu korrigieren.

Es berät über "die Bewirtschaftung, Bewahrung und nachhaltige Nutzung aller Waldformen, und die Schaffung der dazugehörigen politischen Rahmenbedingungen". Zentrale Anliegen des Forums sind die Erhaltung der Urwälder, die Entwicklung von Konzepten zur "nachhaltigen" Forstwirtschaft, z.B. Wiederaufforstungsprogrammen als Strategie zur Reduzierung des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2).

Strategien gegen den Wärmetod - die Rolle der Wälder

"Ernte" einer Pappelplantage

Wälder binden einen Teil des weltweit ausgestoßenen CO2. Ihnen wird daher eine Schutzfunktion gegen den Treibhauseffekt zugeschrieben. Wegen der rasanten Abholzung der Wälder zur Gewinnung von Ackerland und für die Papierherstellung sind Wiederaufforstungsmaßnahmen dringend notwendig geworden. Darüber hinaus wird den Industriestaaten im Kioto-Protokoll gestattet, Aufforstungsprojekte in Entwicklungsländern durchzuführen (sogenannte "Senken"-Projekte). Diese können als Ausgleich für einen hohen CO2-Ausstoß im Rahmen des sogenannten Emissionshandels angerechnet werden.

Beim Handel mit Verschmutzungsrechten spielen die Produktionskosten in der Dritten Welt eine wichtige Rolle: Günstiges Klima, billiges Land, billige Arbeitskräfte und geringe Umweltauflagen machen kommerzielle Forstwirtschaft in Entwicklungsländern ökonomisch interessant. Der Nutzen solcher Aufforstungsprojekte zur Bindung von Kohlendioxid ist jedoch umstritten. Die einzige Möglichkeit einer wirksamen Reduktion der Emissionen von Treibhausgasen liegt darin, den Ausstoß fossiler Brennstoffe zu drosseln. Sogenannte "Senken"-Projekte stellen keine Alternative dar. Leider haben sie dennoch ihren Weg in das Kioto-Protokoll gefunden.

Gentechnikbäume für die Dritte Welt?

Während der Konferenz in Mailand wurde auch die Rolle der Gentechnologie bei Forstprojekten diskutiert. Der Einsatz von gentechnisch veränderten Bäumen wird im Abschlussdokument unkommentiert jeder anderen forstwirtschaftlichen Maßnahme gleichgestellt. Laut Vertragstext ist es jedem Land selbst überlassen, ob es gentechnisch veränderte Bäume entwickelt und einsetzt. Die Abschätzung hat laut Vertragstext lediglich "in Übereinstimmung mit der nationalen Gesetzgebung" zu erfolgen. Auch über "mögliche Risiken" entscheiden die Staaten selbst. Bei Projekten in anderen Ländern müssen die Industriestaaten Verträge abschließen. Der in Mailand verabschiedete Text ist jedoch so formuliert, dass problemlos verdunkelt werden kann, ob genmanipulierte Bäume verwendet werden oder nicht. Laut Abschlusstext muss lediglich "Art und Sorte" der verwendeten Bäume preisgegeben werden, nicht aber die eingesetzte Technologie. Wie könnten sich diese Regelungen in der Realität auswirken? Großplantagen als Ausgleichsmaßnahme für CO2-Emissionen und für die Papierindustrie werden von den Industriestaaten aus Kostengründen in den Entwicklungsländern gepflanzt. Beispielsweise könnte Kanada die Pflanzung von Monokulturplantagen als "Senken"-Projekt mit Indien aushandeln. Laut dem in Mailand ausgehandelten Vertragswerk könnte Kanada genmanipulierte Bäume zur kommerziellen Nutzung freigeben, nachdem es beschlossen hat, dass keine Gefahr von Gentechnik-Bäumen ausgeht. Indien könnte den Anbau genmanipulierter Bäume zwar offiziell verbieten, hätte aber nicht einmal das Recht, davon in Kenntnis gesetzt zu werden, dass auf seinem Staatsgebiet auf riesigen Flächen transgene Organismen wachsen.

Drohungen der US-Regierung

Betrieben wurde die Aufnahme von genmanipulierten Bäumen in den Vertragstext maßgeblich von den USA, die das Kioto-Protokoll aus wirtschaftlichen Gründen zwar gar nicht erst unterzeichnet haben, aber immer auf der Suche nach Märkten für die heimische Industrie sind. Die US-Regierung machte gegenüber der EU und anderen Ländern während der Verhandlungen klar, dass sie jeden Versuch bekämpfen wird, transgene Bäume zu verbieten. Und wie bereits im Angesicht der US-Klage gegen das Anbaumoratorium für genmanipulierte Pflanzen in der EU, knickte die europäische Delegation ein.

Die Strategie, die Gentechnik als "nachhaltig" in internationale Vertragswerke einzubringen, hat mittlerweile Tradition. So wurde die Gentechnik in der Landwirtschaft auf Betreiben der US-Konzerne im Kapitel 16 der Agenda 21 als "nachhaltige" Wirtschaftsweise untergebracht. Auf dieser Grundlage versuchten die Firma Monsanto und die US-Regierung, bei Verhandlungen über das Cartagena-Protokoll zur biologischen Sicherheit, die "Terminator"-Technologie als Instrument zur Bewahrung der biologischen Vielfalt anerkennen zu lassen. Die "Terminator"-Technologie ist eine gentechnologische Methode, die die Keimfähigkeit von Pflanzen durch ein "Selbstmord-Gen" abschaltet. Die Landwirte würden dadurch gezwungen, jedes Jahr neues Saatgut von den Konzernen zu kaufen.

Gibt es genmanipulierte Bäume?

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit gibt es seit Jahren Bestrebungen, genmanipulierte Bäume zu züchten und großflächig anzubauen. Die ersten Versuche fanden im Jahr 1987 statt. Im Gegensatz zu der intensiven öffentlichen Debatte um die Gentechnik in der Landwirtschaft hat es die Industrie geschafft, Gentechnikbäume ohne großes Aufsehen zu entwickeln. Forstwirtschaftlich genutzte Bäume sind keine Nahrungsmittel, die Gefahren liegen daher nicht unmittelbar auf der Hand. Ähnlich wie bei der Gentechnik in der Landwirtschaft sind die Ziele der Manipulation jedoch von wirtschaftlichen Verwertungsinteressen beherrscht. Bäume sollen mit gentechnischen Methoden der Bewirtschaftung in großflächigen Monokulturen angepasst werden. Vor allem die Papierindustrie findet Gefallen an genmanipulierten Bäumen, daneben die großen Mineralöl- und Autokonzerne. Firmen wie Toyota oder Shell besitzen eigene Biotechnologiezentren, in denen an Bäumen geforscht wird, die z.B. mehr CO2 aufnehmen sollen: Dadurch erhoffen sich die Konzerne, den Emissionshandel effektiver nützen zu können. Vor allem wird aber an der Veränderung folgender Eigenschaften geforscht:

  • Verringerter Ligningehalt (zur Erleichterung der Papierherstellung)
  • Bäume, die selbst Insektizide (v.a. das Gift aus Bacillus thuringiensis) produzieren
  • Krankheitsresistenz
  • Herbizidtoleranz
  • Schnelleres Wachstum
  • Sterilität

Angesichts dieser Ziele verwundert es nicht, dass der Agroindustrie-Konzern Monsanto, verantwortlich für 90 Prozent des weltweiten Anbaus genmanipulierter Nutzpflanzen, maßgeblich an der Entwicklung genmanipulierter Bäume beteiligt war. Monsanto wollte Bäumen eine Resistenz gegen das hauseigene Totalherbizid Roundup® einbauen.

"Stummer Frühling"

Die ökologischen Effekte genmanipulierter Bäume sind indes nicht einmal ansatzweise bekannt. Im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Kulturen verbleiben Bäume über viele Jahre im Ökosystem und verbreiten ihr Erbgut z.T. über Hunderte von Kilometern. Die Auskreuzungsgefahr steigt daher, im Vergleich zu genmanipulierten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen, um ein Vielfaches. Selbst eine gentechnisch hergestellte Sterilität der Bäume würde die Gefahr der großflächigen Kontamination der Umwelt nicht verringern. Weder kann die Stabilität dieses Eingriffs garantiert, noch ein Genfluss durch horizontalen Gentransfer auf Bakterien, Pilze und das gesamte Bodenleben ausgeschlossen werden. So wurden in Deutschland sterile, d.h. nicht blühende Pappeln gezüchtet. Dadurch sollte eine Auskreuzung der transgenen Eigenschaft verhindert werden. Zur Verblüffung der Wissenschaftler blühten die Bäume einige Jahre später, ohne dass die Ursache geklärt werden konnte. Die Auswirkungen auf das Ökosystem sind ebenso völlig unklar. Bäume und Wälder sind in komplexe Lebenszusammenhänge eingebettet und bieten Nahrung und Lebensraum für die verschiedensten Pflanzenarten, sowie Insekten, Vögel und viele weitere Tiere. Der Autor eines Textes über sterile Bäume, die keine Nahrung und keinen Lebensraum mehr bieten würden, entwirft diesbezüglich das plastische Bild eines "stummen Frühlings".

Albert Einstein: "Man kann ein Problem nicht mit derselben Denkweise lösen, durch die es entstanden ist."Wie auch bei Nutzpflanzen hat der gentechnische Eingriff Auswirkungen auf den Stoffwechsel der Bäume, die kein Wissenschaftler vorhersagen kann. Dadurch könnten z.B. völlig neue Pollenallergien entstehen. Alle Verfehlungen der forstwirtschaftlichen Monokulturen werden durch die Gentechnik auf technisch höherem Niveau einfach wiederholt. Dass eine solche Strategie nicht aufgehen kann, wusste bereits Albert Einstein: "Man kann ein Problem nicht mit derselben Denkweise lösen, durch die es entstanden ist." Im Falle einer Einbindung in das Kioto-Protokoll würden, im Namen eines "nachhaltigen" Klimaschutzes, ökologisch tote Plantagen mit schnellwachsenden, genmanipulierten Monokulturen mit der Legitimation der Vereinten Nationen in den Biodiversitätszentren der dritten Welt entstehen: Ein Alptraum, dessen Zynismus nur schwer zu überbieten ist.

Profit auf Kosten von Umwelt und Bevölkerung

Albert Einstein: "Man kann ein Problem nicht mit derselben Denkweise lösen, durch die es entstanden ist."

Gegen die geplante Legitimation von Gentech-Bäumen unter dem Banner der UN hat sich das "People´s Forest Forum" gebildet, eine Koalition von Umwelt- und Naturschutzverbänden, die sich für ein weltweites, umfassendes Verbot von genmanipulierten Bäumen einsetzt. Die Petition des People´s Forest Forum kann im Internet eingesehen und dort auch von Einzelpersonen unterzeichnet werden. Auf der Seite finden sich auch weitere Informationen zum Thema. Das People´s Forest Forum geht davon aus, dass keine Regierung dem Kioto-Protokoll durch die Legitimation von transgenen Bäumen einen schlechten Ruf geben will. Wie weitreichend die Konsequenzen dieser Forst-Gentechnik wären, beschreibt der Journalist Brian Tokar, der sich seit langem mit dem Thema beschäftigt: "Die Gentechnik versucht, alles Leben auf der Erde zu Material zu machen, es zu kontrollieren, zu manipulieren, und daraus noch Profit zu schlagen. Genmanipulierte Bäume würden die reichlich dokumentierten ökologischen Schäden von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen bei weitem übertreffen."

Stand: 2004

Auch Obstbäume bleiben nicht von den Phantasien der Gentechniker verschont.

Kirschen mit neuen Farben, Pfirsiche mit verzögerter Reife, und andere Baumarten (u.a. Äpfel, Birnen, Pflaumen, Walnuss) wurden vor allem in den USA getestet. Zugelassen ist jedoch nur der Anbau von Papaya-Bäumen. Seit einigen Jahren werden diese in den USA kultiviert. Sie sind widerstandsfähig gegen das Ringspot-Virus. Doch US-Bauern aus Hawaii berichteten, dass die Gen-Papaya keine Abwehrkräfte gegen andere Pflanzenviren und -pilze haben. Alle zehn Tage müssen sie große Mengen an Fungiziden versprühen.

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