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Genmanipulierte Bäume

Schweigen im Walde

Still und heimlich

@ Manwalk / Pixelio.de

Ohne großes Aufsehen hat es die Gentechnik- Industrie geschafft, Gen-Bäume in die Natur einzuschleusen. Seit 1988 finden weltweite Freisetzungsversuche statt: darunter in den USA, Kanada, Brasilien, Chile, Neuseeland, Südafrika, China und Indien. In Europa sind Schweden, Belgien und Polen betroffen. In Deutschland gab es bis 2005 vier Freilandversuche mit genmanipulierten Pappeln. Für den kommerziellen Anbau zugelassen sind bislang jedoch nur Gen-Pappeln in China sowie Gen-Pflaumen und Gen-Papaya in den USA.

Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes und um den globalen Anbau von Gen-Bäumen zu etablieren, hat sich die Industrie eine besonders perfide Strategie ausgedacht. Das Kyoto- Protokoll gestattet es Industrieländern, im Rahmen des Emissionshandels Aufforstungen in Entwicklungsländern durchzuführen – so genannte Senken-Projekte. Seit 2003 können diese auch mit genmanipulierten Bäumen durchgeführt werden.

Eine breite Debatte über den Anbau manipulierter Bäume ist angesichts der hohen Risiken dringend notwendig. Bereits 2006 kamen die Mitgliedsstaaten der UN-Konvention zu biologischer Vielfalt überein, dass von einem Anbau von Gen-Bäumen erhebliche soziale und ökologische Risiken ausgehen.

Gen-Tannenbaum & Co.

Forscher wollen Bäume durch Gen-Manipulationen für die Bewirtschaftung in großen Monokulturen „optimieren“. Schon mit mindestens 24 verschiedenen Baumarten haben sie experimentiert. Die Papier-, Energie- und Agrospritindustrie forciert besonders Versuche, schnell wachsende Nutzhölzer wie Pappeln und Eukalyptus gentechnisch so zu verändern, dass die Verarbeitung kostengünstiger wird. Kiefer und Fichte, aber auch Obstgehölze wie Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume zählen zu den Versuchsobjekten.

Seit 1998 ist der Anbau von Gen-Papayas auf Hawaii erlaubt. Inzwischen macht ihr Anteil über 75 Prozent aller Papayas auf Hawaii aus. Zahlreiche Bauern, die für den Export in Länder produzierten, die keine Gen-Früchte erlauben, mussten aufgeben. Ihre Ernte war regelmäßig durch Gen-Papayas kontaminiert und somit unverkäuflich.

2002 genehmigte China den Anbau von Gen-Pappeln, die das Insektengift des Bacillus thuringiensis (Bt) produzieren. Mehr als 1,4 Millionen dieser Bäume sollen 2004 ohne jegliche Überwachung gepflanzt worden sein. Niemand kann heute mehr sagen, wo sich die genmanipulierten Pappeln genau befinden. Bis 2012 will China weitere 17 Millionen Hektar Wald aufforsten, unter anderem mit genmanipulierten Pappeln. Dies entspricht einer Fläche von der Hälfte Deutschlands.

"Grüne Wüsten"

Bäume sind meist die dominanten Arten in ihren Ökosystemen und bieten Nahrung und Lebensraum für verschiedenste Pflanzenarten, Insekten, Vögel und andere Tiere. Der Anbau genmanipulierter Bäume führt zu zahlreichen ökologischen Schäden, die schon aus der Landwirtschaft bekannt sind.

  • Monokulturen entstehen, die einen erhöhten Pestizid- und Düngemitteleinsatz erfordern. So werden Grundwasser und Böden zusätzlich belastet.
  • Dort existieren außer Gen-Bäumen weder Sträucher, Gräser noch irgendein tierisches Leben. „Grüne Wüsten“ sind die Folge.
  • Insektengiftige Bäume können auch Nützlinge schädigen und töten.
  • Schadinsekten bilden durch den dauernden Kontakt mit dem Insektengift Resistenzen.
  • Ein potenzielles Risiko besteht im Gentransfer von Gen-Bäumen auf Pilze und Mikroorganismen im Wurzelbereich, sowie auf Insekten.
  • Genmanipulation von Bäumen ist besonders kritisch, da die Gen-Konstrukte instabil sind und sich im Laufe der Zeit verändern können.
Kontamination unvermeidbar

Im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Kulturen haben genmanipulierte Bäume eine Lebensdauer von Jahrzehnten:

  • In dieser Zeit können sie ihr manipuliertes Erbgut über sehr weite Distanzen verbreiten. Pollen und Samen verschiedener Baumarten wurden noch in bis zu 3000 km Entfernung gefunden.
  • Die meisten Baumarten sind zudem wenig domestiziert, können so in der Natur leicht überleben und in die zahlreichen wilden Verwandten leicht auskreuzen.
  • Bäume produzieren darüber hinaus meist gewaltige Mengen an Samen – Pappeln bis zu 50 Millionen pro Jahr.

Die genetische Verunreinigung traditioneller Wälder oder Obstbäume ist daher unvermeidbar. Um der unkontrollierten Verbreitung von Gen-Bäumen entgegen zu wirken, schlagen einige Forscher die gentechnische Sterilisierung von Pollen und Früchten vor. Doch mangelnde Stabilität der Gen-Konstrukte macht diesen hilflosen Eingriff zunichte. Regelmäßig brachten vermeintlich sterile Gen-Bäume nach wenigen Jahren doch befruchtungsfähige Pollen hervor.

Das Umweltinstitut München e.V. fordert:

  • Einen sofortigen Freisetzungsstopp für genmanipulierte Bäume
  • Ein internationales Verbot des kommerziellen Anbaus genmanipulierter Bäume
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