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Der „Goldene Reis“

Ein Mythos zur Bekämpfung von Vitamin-A-Mangel

Seit über 20 Jahren verspricht das „Goldene-Reis-Projekt“ mit Hilfe eines genmanipulierten Reis den Vitamin-A-Mangel weltweit zu beseitigen. Doch bis zum heutigen Tag sind dies nur leere Versprechungen geblieben, da der Gen-Reis sich nach wie vor im Versuchsstadium befindet. Riesige Mengen an öffentlichen und privaten Geldern wurden bisher für das Projekt verschwendet. Die Stiftungen, die das Projekt fördern, hätten mit dem Geld schon längst funktionierende Maßnahmen zur Bekämpfung des Vitamin-A-Mangels umsetzen können. Seit Jahren wird die Markteinführung angestrebt, doch niemand will die Gensaat haben: großer Widerstand, vor allem in den geplanten Anbauländern des Globalen Südens, hat den kommerziellen Anbau des Golden Rice zumindest bisher verhindern können.

„Goldener Reis“ - ein Kind der pro-Gentechnik-Lobby

© Peter Freitag / pixelio

Gefördert wird das Projekt von einer Reihe von, zum Teil umstrittenen, Stiftungen und Institutionen, wie die Rockefeller Fundation, Bill & Melinda Gates Fundation, USAID, der Europäischen Union, Syngenta Fundation, HarvestPlus und andere. Auffällig ist dabei die Art und Weise, wie das Projekt verbreitet werden soll. Die fehlende Transparenz, unzureichendes professionelles wissenschaftliches Arbeiten und eine aggressive Sprache legen den Verdacht nahe, dass es den Befürwortern und Entwicklern des Golden Rice primär um das Vorantreiben der Agro-Gentechnik geht und nicht um humanitäre Aspekte. Dabei soll die Risikoabschätzung für genmanipulierte Lebensmittel Produkten aus konventioneller Produktion gleichgestellt werden, das heißt eine Analyse der Risiken auf die menschliche Gesundheit durch Gentechnik soll somit umgangen werden.

Seinen Namen erhielt der „Goldene Reis“ aufgrund seiner gelben Farbe, die durch gentechnisch manipulierte Stoffwechselveränderungen hervorgerufen werden. Der Gen-Reis produziert somit erhöhte Mengen an Betacarotin (Provitamin A), das im Körper zu Vitamin A umgewandelt werden soll. Ein Mangel an Vitamin A herrscht vor allem in Entwicklungsländern, insbesondere bei Kindern sowie schwangeren und stillenden Frauen. Aufgrund nicht ausreichender Versorgung mit Obst und Gemüse, welches von Natur aus Betacarotin enthält oder auch mit Lebensmitteln, die Vitamin A direkt enthalten wie beispielsweise Fisch, Fleisch und Milchprodukte kommt es zu einem Mangel an Vitamin A. Da Vitamin A ein fettlösliches Vitamin ist, muss mit der Nahrung Fett aufgenommen werden, damit der menschliche Körper Betacarotin in Vitamin A umwandeln kann. Typische Mangelsymptome sind Nachtblindheit und eine erhöhte Immunschwäche, die bis zum Tod führen kann.

Der „Goldene Reis“ – ein höchst fragwürdiges Projekt der Gentechnikindustrie

Die Projektentwickler, eine internationale Forschergruppe um Ingo Potrykus und Peter Beyer von den Universitäten Zürich und Freiburg, argumentieren, dass der genmanipulierte Reis das Problem des Vitamin-A-Mangels in Entwicklungsländern lösen kann. Dies ist jedoch fragwürdig:

  • Da die Stoffwechselprozesse im Reis selber kompliziert sind und Studien dazu größtenteils fehlen, bleibt offen, ob der menschliche Körper das Betacarotin des Gentech-Reis überhaupt verwerten kann. Sogar das Internationale Reisforschungsinstitut IRRI, das federführend an den Freisetzungsversuchen des Goldenen Reis auf den Philippinen beteiligt ist, zweifelt dies an.
  • Ungeklärt ist außerdem nach wie vor, zu welchen Verlusten an Betacarotin es durch Lagerung und Kochen kommen kann, also ob die Vitamin-A-Bekämpfung mit Hilfe von Genmanipulationen überhaupt geeignet wäre.
Risiko für Mensch und Umwelt

Tatsache aber ist, dass der "Goldene Reis" zahlreiche Risiken in sich birgt:

  • Bis zum heutigen Tag sind keine Studien zu den gesundheitlichen Folgen verfügbar. Das heißt, es gibt keine vergleichenden Daten zu Inhaltsstoffen und Stoffwechselprofilen des Goldenen Reis im Vergleich zu konventionellen Pflanzen. Auf der Homepage des Golden-Rice-Projekts wird zwar behauptet, dass Abweichungen im Stoffwechsel nur gering seien, aber es finden sich keine entsprechenden Publikationen dazu. Zu welchen gesundheitlichen Folgen der Verzehr von Gen-Reis führen kann, ist also völlig ungeklärt.

© D Wen / pixelio

  • Da Reis sich per Pollenflug weiterverbreiten kann, ist eine Verunreinigungen mit wilden und konventionellen Reissorten nicht auszuschließen. Dies würde bedeuten, dass sich das Erbgut des genmanipulierten Reis mit traditionellen Reissorten kreuzen könnte und somit die Sicherheit eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel gefährden könnte. Einmal ausgesetzt, können diese genmanipulierten Gene nicht wieder zurückgeholt werden.

  • Wissenschaftliche Studien belegen, dass Hybride, also Nachkommen mit Erbgutvermischungen zwischen konventionellem und genmanipuliertem Reis, nicht vorhersehbare biologische Eigenschaften aufweisen können. Dies wiederum bedeutet, dass das Ausbreitungspotential nicht kalkulierbar ist und somit auch nicht das Risiko, das Ökosysteme und der traditionelle Reisanbau gefährdet werden können.

  • Gentechnisch veränderte Pflanzen passen sich nur schlecht an Klimaschwankungen an. Die Verunreinigungen von traditionellen Reissorten mit dem genmanipulierten Erbgut könnten zur Folge haben, dass auch konventionelle, lokal angepasste Sorten nicht mehr in der Lage sind, sich an klimatische Veränderungen anzupassen. Dies hätte eine katastrophale Auswirkung auf den gesamten Reisanbau weltweit.
Illegal an chinesischen Kindern getestet

2012 wurde weiterhin bekannt, dass die Unterstützer des Goldenen-Reis-Projekts den Reis an chinesischen Schulkindern getestet hatten, ohne dass vorher Fütterungsversuche an Tieren stattgefunden hätten. Auch die Eltern der Schulkinder wurden vorher nicht darüber informiert, dass es sich um Versuche mit genmanipuliertem Reis handelte. Argumentiert wird nämlich, dass eine umfassende Untersuchung der Inhaltsstoffe und Wirkung nicht nötig sei, weil ja angeblich gar kein gesundheitliches Risiko bestünde.

Freilandversuche mit dem „Golden Rice“
© Dr. Stephan Barth / pixelio

© Dr. Stephan Barth / pixelio

Auf den Philippinen wurden 2012 Anbauversuche im Freiland mit dem Goldenen Reis durchgeführt. Hierfür wurde der Gentechnik-Reis in lokale Sorten eingekreuzt, welche dann für die Kleinbauern in Entwicklungsländern zur Verfügung stehen sollen. Die Freilandversuche wurden 2013 von heftigen Protesten und Feldzerstörungen durch philippinische Aktivisten begleitet, die gegen die Freisetzungen demonstrierten.  Nichtsdestotrotz wurden entsprechende Zulassungsanträge für die Philippinen und Bangladesch zum Anbau des genmanipulierten Reis ab 2015 vorgelegt. Diese sollten auch den Weg für weitere Zulassungen in anderen asiatischen Ländern ebnen. Der oberste Gerichtshof der Philippinen erteilte Ende 2015 jedoch ein vorläufiges Verbot für die Nutzung von gentechnisch veränderten Pflanzen. Und auch in anderen Ländern ist eine kommerzielle Anbauzulassung für den Goldenen Reis nicht in Sicht.

Gentechnik-Reis löst das Problem nicht

© Detlev Beutler / pixelio

Die Ursache des Vitamin-A-Mangels in Entwicklungsländern ist, dass die betroffenen Menschen keinen Zugang zu einer vielseitigen Ernährung haben und sich somit unzureichend mit lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgen. Der Gentechnik-Reis soll das Problem jedoch mit einer einseitigen, auf Reis basierenden Ernährung lösen. Das Kernproblem von Armut und Mangelernährung lässt sich so nicht beseitigen. Ganz im Gegenteil: bereits vorhandene, erfolgreich eingesetzte Methoden zur Beseitigung von Vitamin-A-Mangel werden damit nur unnötig behindert. Die Ursachen der Mangelernährung selbst liegen vor allem in der Verteilung von Nahrung, aber nicht an den produzierten Mengen. Denn die Weltbevölkerung könnte ohne weiteres von den Erträgen der globalen Landwirtschaft ernährt werden. Armut lässt sich nicht mit genetisch manipulierten Pflanzen wie dem „Golden Rice“ bekämpfen.

Sinnvolle Alternativen zum Goldenen Reis

Es existiert eine Vielfalt an alten Reissorten, die von Natur aus viele Beta-Carotinoide enthalten und im Gegensatz zum Einheits-Gentechnik-Reis perfekt an die lokalen Gegebenheiten angepasst sind. Einige traditionelle Reissorten weisen sogar deutlich höhere Werte auf als der „Golden Rice“. Auch andere Pflanzen wie Mais und Casava besitzen einen natürlich hohen Gehalt an Provitamin A und können somit eine ausreichende und natürliche Versorgung mit Vitamin A sicherstellen. Bewährt haben sich außerdem die Verteilung von Vitamin-A-Präparaten, die Anreicherung von Vitamin-A in Grundnahrungsmitteln wie Mehl und Zucker oder auch die Versorgung mit abwechslungsreicher Nahrung mit Hilfe von Obst- und Gemüseanbau in Hausgärten, welches vor allem in Afrika große Erfolge erzielt. Auch eine Kombination der genannten Strategien ist möglich.

© Grey59 / pixelio

Eine langfristige und nachhaltige Bekämpfung des Problems liegt in einer ökologischen Landwirtschaft, die qualitativ gute Lebensmittel in lokal angepassten Systemen produziert und somit eine abwechslungsreiche, vitamin- und mineralstoffhaltige Ernährung garantiert. Auch der Weltagrarbericht forderte bereits 2008 die Rückkehr zu traditionellen Anbaumethoden, herkömmlichen Produktionsweisen und die Verwendung von traditionellem Saatgut.

All die erprobten und kostengünstigen Strategien, die einen ganzheitlicheren Ansatz verfolgen, könnten dazu beitragen, das Problem erfolgreich zu bekämpfen, und zwar ohne Risiko für Gesundheit und Umwelt. Eine einseitig orientierte Lösung wie sie mit dem Goldenen Reis verfolgt wird, bereichert dagegen lediglich die Gentechnikindustrie um ein weiteres Produkt, ohne dabei irgendeinen Nutzen für die Menschheit zu liefern. Für die Agro-Gentechnik-Konzerne steht der Profit im Mittelpunkt, nicht aber die Bekämpfung des weltweiten Hungers. Dies zeigt sich beispielsweise an der Tatsache, dass die Bauern jedes Jahr neue Lizenzen für das Gen-Saatgut erwerben müssen. Traditionell gezüchtetes Saatgut wird somit verdrängt und den Bauern jegliche Chance genommen, sich aus Abhängigkeiten und der Schuldenspirale zu befreien. Als Lockmittel hat die Gentechnik-Industrie verbreitet, dass der Goldene Reis aber zunächst lizenz-frei vertrieben werden soll.

Juli 2016

Gen-Pflanzen der Zukunft?

  • Transgene Bäume, z.B. für Agro-Kraftstoffe oder die Papierindustrie  
  • Terminator-Pflanzen, deren Fortpflanzungsfähigkeit gentechnisch gestört wird und die Bauern zu jährlichem Saatgutkauf zwingen  
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  • Gen-Pflanzen mit veränderter Zusammensetzung der Inhaltsstoffe oder angeblichem gesundheitlichen Zusatznutzen 
  •  Gen-Pflanzen mit besonderen Eigenschaften für Agro-Kraftstoffe
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