Facebook .
Twitter .
Menü
Home  trenner  Themen  trenner  Gentechnik  trenner  Gentechnik bei Pflanzen  trenner  Pharma-Pflanzen
Pharma-Pflanzen

Pillen vom Acker

Profite zu Lasten der Umwelt

© Jonathan Agensky - 3BagsMedia

Weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden die Weichen für eine hochriskante neue Anwendung der Gentechnik gestellt: Genmanipulierte Pflanzen, die Impfstoffe, Antikörper, Hormone, Industrieenzyme oder andere Wirkstoffe gegen Krankheiten produzieren, sollen in Zukunft auf freiem Feld angebaut werden.

Zu diesem Zweck werden den Pflanzen unter anderem Gene aus Mensch oder Tier eingebaut. Die Gentechniker verwenden fast ausnahmslos zentrale Nahrungs- oder Futterpflanzen. Vor allem Mais, aber auch Raps, Reis und Kartoffeln wurden schon zu Pharma-Pflanzen gemacht. Traum der Pharmaindustrie ist es, zum Beispiel Gen-Bananen oder -Brot mit integrierten Impfstoffen und anderen Medikamenten zu produzieren.

Der Anbau von Medikamenten auf dem Acker birgt völlig neue ökologische und gesundheitliche Risiken. Großflächig angebaut, sollen Pharma-Pflanzen die Kosten der Unternehmen senken: Anbau unter freiem Himmel, keine strengen Sicherheitsbeschränkungen wie im Labor, Verzicht auf Personal etc. Doch die Höhe des Profits ist wesentlich von der Höhe der gesetzlichen Auflagen abhängig. Berechnungen zeigen, dass relevante Kosteneinsparungen nur dann zu erwarten sind, wenn Umweltschutz und Lebensmittelsicherheit hinter den Interessen der Gentechnik-Industrie zurückstehen.

Kontamination - aber sicher!

Pharma-Pflanzen werden vor allem in den USA, in Kanada und der EU entwickelt. Mehr als 400 Freilandversuche fanden bislang statt, davon 87 Prozent in Nordamerika und 13 Prozent in Europa. In Deutschland gab es ein solch gefährliches Experiment mit Arzneimittel produzierenden Pflanzen erstmals 2006. Die Kartoffeln enthielten genetisches Material aus dem Cholera-Bakterium bzw. einem Kaninchen-Virus und sollten der Produktion von Impfstoffen dienen.

Das ostdeutsche Unternehmen Novoplant experimentierte 2007 mit Pharma-Erbsen. Wissenschaftler hatten die Pflanzen mit Mäusegenen manipuliert, um ein Medikament gegen Durchfallerkrankungen von Schweinen herzustellen.

Werden Pharma-Pflanzen angebaut, gibt es keine Möglichkeit, die Kontamination der Nahrungskette und des Ökosystems mit Sicherheit zu verhindern. So könnte etwa Pharma-Mais durch Pollenflug, Insekten oder Vögel andere Maispflanzen und damit Lebensmittel kontaminieren. In den USA ist das schon passiert: Maispollen von einem Versuchsfeld mit Pharma-Pflanzen landeten in benachbarten Maisfeldern. In einem anderen Fall keimten nicht geerntete Pharma-Maiskörner in der Soja-Folgekultur erneut. Der Mais wurde zusammen mit den Sojabohnen geerntet. 13.500 Tonnen Sojabohnen mussten vernichtet werden.

Gewaltiges Gefahrenpotential

Weil pharmazeutische Stoffe zum Teil schon in geringsten Dosen im Organismus wirken, könnte eine Verunreinigung der Nahrungskette schwerwiegende Folgen für die Gesundheit von Mensch und Tier haben. Untersuchungen zu den ökologischen Risiken von Pharma-Pflanzen gibt es nicht. Angesichts der erwarteten Renditen scheinen mit Medikamenten kontaminierte Lebensmittel sowie Gefahren für die Umwelt nebensächlich.

Obwohl weltweit noch keine Pharma-Pflanzen für den kommerziellen Anbau im Freiland zugelassen sind, werden einige Produkte aus dem Gewächshaus im Forschungs- und Zellkulturbereich verwendet:

  • USA: Impfstoff für Tiere aus Pharma- Pflanzen
  • Kuba: Pharma-Tabak zur Produktion eines Impfstoffs
  • Island: Zellhormone aus genmanipulier- ter Gerste als Nährmedium für Zellkulturen

Die ersten Pharma-Pflanzen könnten schon in wenigen Jahren großflächig angebaut werden:

  • Transgener Reis der US-Firma Ventria, der menschliche Gene enthält, beige- mengt als „funktionelles Lebensmittel“ zum Beispiel in „Gesundheits“-Riegeln
Nur weltweites Verbot schützt

Zunehmend regt sich selbst in den USA öffentlicher Widerstand gegen solche Pflanzen. In Europa geht die Zahl der Freisetzungsversuche mit Pharma-Pflanzen unter dem Druck einer gentechnikkritischen Öffentlichkeit und wegen des Trends zu strengeren Sicherheitsbestimmungen zurück. Vor allem die Lebensmittelindustrie, die eine Kontamination ihrer Produkte befürchtet, wehrt sich gegen den Anbau. So konnte bislang verhindert werden, dass die riskante Pharma-Saat großflächig aufgeht.

Andererseits flüchten Pharma-Pflanzen-Firmen immer öfter in Länder, in denen es weder transparente Informationen noch gesetzliche Beschränkungen für den Gentechnik-Anbau gibt. Beliebte Kooperationspartner gibt es in Süd-amerika, Asien und Südafrika. So fördert die EU den Zusammenschluss von 39 europäischen Pharma-Forscher-Gruppen und einer südafrikanischen mit zwölf Millionen Euro.

Zahlreiche Wissenschaftler halten es für unausweichlich, dass die Nahrungskette verunreinigt wird. Sie plädieren, wie der deutsche Sachverständigenrat für Umweltfragen, mit deutlichen Worten gegen einen Freilandanbau transgener Pharma-Pflanzen.

Das Umweltinstitut München e.V. fordert:

  • Ein weltweites Verbot für Freisetzungsversuche und den Anbau von genmanipulierten Pharma-Pflanzen
  • Einen generellen Stopp der Forschung mit genveränderten Organismen
Unterstützen Sie uns!