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Gentechnik

Terminator-Hintergründe

Die Gentechnik-Konzerne schlagen zurück: Terminator-Technologie vor dem Durchbruch

Die Bauernrechte sind massiv bedroht: Weltweit versuchen große Agrokonzerne wie Monsanto, Bayer, Syngenta oder DuPont, das Recht auf den freien Nachbau von Saatgut zu unterminieren. Der perfideste Schachzug der Agrarmultis ist dabei der Versuch, die genetische Sterilisierung von Saatgut durchzusetzen. Die so genannte Terminator-Technologie, die auch als GURTs (genetic use restriction technolgies) bezeichnet wird, macht Pflanzen mittels eines gentechnischen Eingriffs nach einmaliger Aussaat steril, indem sie den Keimling im ausgereiften Samenkorn abtötet.

Terminator-Pflanzen, die Bauern das Recht auf Wiederaussaat eines Teiles ihrer Ernte nehmen würden, sind derzeit mit einem rechtlich unverbindlichen internationalen Moratorium belegt. Obwohl die Gentechnik-Konzerne und einige Regierungen die Kommerzialisierung der Terminator-Technologie entschlossen vorantreiben, haben sich Landwirte, UN-Organisationen wie die Ernährungsbehörde FAO, Wissenschaftler und Umweltorganisationen bislang erfolgreich gegen die Markteinführung gewehrt. Doch nun könnte schon in naher Zukunft die Entscheidung fallen, Terminator-Pflanzen international zu kommerzialisieren. Dieser Schritt wäre eine immense Bedrohung für das Ökosystem, die Gesundheit von Mensch und Tier, für die biologische Vielfalt und vor allem für die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen in den Entwicklungsländern, die ausschließlich von der Landwirtschaft leben.

Bangkok, Februar 2005

Als sich die Delegierten der technischen Beratergruppe der Konvention über biologische Vielfalt (CBD)1 im Februar 2005 in Bangkok trafen, wartete auf die Konferenzteilnehmer eine böse Überraschung: Die kanadische Regierung, die 1992 als eine der ersten die Konvention, deren Ziel die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist, unterschrieben hatte, war mit dem erklärten Ziel zu dem Treffen angereist, Freisetzungsversuche und Vermarktung der „Terminator“-Technologie zu fordern. In einem geheimen Strategiepapier fordert die Regierung „die Zulassung neuer Sorten, inklusive solcher mit GURTs, für Freisetzungsversuche und kommerzielle Nutzung“. Schlimmer noch: Die kanadischen Vertreter waren angewiesen worden, alle Versuche zu blockieren, das weltweite De-facto-Moratorium für die Anwendung der Terminator-Technologie zu verlängern. Jeder andere Beschluss als eine Aufhebung des Moratoriums sollte von den Vertretern mit der Verhinderung einer Konsenslösung beantwortet werden. In dem internen Papier forderte die kanadische Regierung ihre Unterhändler auf: „Sollten wir keinen Erfolg haben und keine Änderung der Empfehlung B erreichen“ (Empfehlung, auf Freisetzungsversuche mit Terminator-Pflanzen zu verzichten) „oder bei jedem anderen Ergebnis, das unserer Besorgnis über das De-facto-Moratorium für GURTs keinen klaren Ausdruck verleiht, ist Kanada bereit, jeglichen Konsens über dieses Thema zu blockieren.“ Die kanadischen Diplomaten auf der ganzen Welt waren bereits im Vorfeld der Konferenz angewiesen worden, mit Bestechungsversuchen auf Regierungen in den Entwicklungsländern einzuwirken, damit sie die Ziele der Regierung in Ottawa unterstützen. Dank der Intervention vor allem einiger europäischer und afrikanischer Delegationen gelang es in Bangkok zunächst, den Angriff der Regierungen Kanadas, Neuseelands und Australiens zu unterbinden. Doch in den nächsten Monaten, spätestens bei der nächsten Mitgliedervollversammlung der Konvention in Brasilien im März 2006, werden Gentechnikkonzerne gemeinsam mit den sie unterstützenden Staaten versuchen, Terminator-Pflanzen endgültig international zu legalisieren.

Was ist Terminator-Technologie?

Terminator-Technologie wurde ursprünglich von dem Saatgutkonzern Delta & Pine Land in Zusammenarbeit mit der US-Regierung entwickelt. Terminator-Pflanzen sollten Landwirte daran hindern, einmal gekauftes, patentiertes Gentechnik-Saatgut ohne die neuerliche Zahlung von Patentgebühren an die Gentechnik-Konzerne wiederholt anzubauen. Ohne langwierige Gerichtsverhandlungen oder Bespitzelung der Bauern könnten die Firmen damit ihre „Rechte“ auf die patentierten Pflanzen durchsetzen. Techniken zur Saatgutsterilisierung werden beschönigend auch als Genetic Use Restriction Technologies (GURTs) oder Technology Protection System (TPS) bezeichnet.

Bislang werden Terminator-Pflanzen noch nicht vermarktet oder in Freisetzungsversuchen getestet. Das Unternehmen Delta & Pine Land führt aber zurzeit in den USA Gewächshausversuche, vermutlich mit manipulierten Tabak- oder Baumwollpflanzen durch. Praktisch alle Konzerne des Agrarsektors arbeiten seit Jahren an der Entwicklung von Pflanzen mit Selbstmord-Genen und haben Patente auf deren Entwicklung angemeldet. Eine Kommerzialisierung würde den Konzernen praktisch unumschränkte und dauerhafte Macht über die Nahrungskette verschaffen. Denn anders als Patente, die nach 20 Jahren auslaufen, ist diese Art von „biologischem Patentschutz“ zeitlich unbegrenzt einsetzbar.

Wer's genau wissen will wie der Terminator terminiert.

Terminator Genetik

Der Anfang

Im Jahr 1998 brachte die unabhängige kanadische Organisation RAFI (heute ETC Group) ans Tageslicht, dass das US-Landwirtschaftsministerium zusammen mit dem Agro-Konzern Delta & Pine Land ein Patent auf die „genetische Kontrolle der Keimung von Pflanzen“ angemeldet und bewilligt bekommen hatte. Nach Aussage von Regierungsbeamten ging es bei der Entwicklung darum, den unautorisierten Anbau von gentechnisch veränderten und damit patentgeschützten Pflanzen durch Landwirte zu verhindern. Nach Angabe eines Sprechers des US-Landwirtschaftsministeriums wollte man dadurch „den Wert patentierten Saatguts von US-Konzernen steigern und neue Märkte in Ländern der Zweiten und Dritten Welt erobern“. Die Absicht des Ministeriums ist, die Technologie „möglichst weitreichend zu lizenzieren und sie möglichst vielen Saatgutkonzernen zugänglich zu machen“. Die Hintergründe der Entwicklung von Terminator-Pflanzen beschreibt der Molekularbiologe Melvin J. Oliver vom US-Landwirtschaftsministerium folgendermaßen: „Mein Hauptinteresse war der Schutz der US-Technologie. Unsere Mission ist, die US-Landwirtschaft zu schützen und wettbewerbsfähig gegenüber der ausländischen Konkurrenz zu halten. Ohne Terminator-Technologie gibt es keinen Weg, patentiertes Saatgut zu schützen“. Binnen kurzer Zeit folgten auch andere Konzerne, z.B. Monsanto, BASF, Syngenta oder Dupont mit ihren jeweils eigenen Terminator-Patenten. Delta & Pine Land-Präsident Murray Robinson ist der Ansicht, dass Terminator-Pflanzen in Zukunft auf über 400 Millionen Hektar weltweit angebaut werden könnten.

Internationale Gemeinschaft gegen Terminator-Technologie

Gegen diesen Versuch der Großkonzerne, Pflanzen gentechnisch zu sterilisieren, regte sich umgehend weltweiter Widerstand. Auf der Mitgliederkonferenz der Konvention über biologische Vielfalt (CBD) in Montreal 1999 gelang es den Entwicklungsländern, im Verbund mit einigen europäischen Staaten wie Norwegen und Österreich, ein De-facto-Moratorium für Freisetzungsversuche und kommerzielle Anwendung von Terminator-Technologie durchzusetzen. Ausschlaggebend dafür war die Einschätzung des technischen Komitees der CBD über die Risiken der Terminator- oder GURTs-Technologie: „Die größten möglichen Risiken für die Ernährungssicherheit, die mit V-GURTs verbunden sind, bestehen in der Abhängigkeit der Saatgutproduktion von einigen wenigen kommerziellen Versorgern.“ Daher beschlossen die Unterzeichnerstaaten, dass es „aufgrund des derzeitigen Datenmangels keine ausreichende Basis gibt, auf der mögliche Risiken abgeschätzt werden könnten. Wegen des Vorsorge-Prinzips sollten daher von den Vertragsstaaten keine Versuche mit Pflanzen durchgeführt werden, die diese Technologie enthalten, bis wissenschaftliche Daten Freisetzungen rechtfertigen.“ Auch ein kommerzieller Anbau soll nicht stattfinden, bis geprüfte und streng kontrollierte wissenschaftliche Untersuchungen über ökologische und sozioökonomische Effekte, negative Folgen für die biologische Vielfalt, die Ernährungssicherheit und die menschliche Gesundheit in transparenter Weise durchgeführt wären und Konditionen für die sichere Anwendung vorhanden seien. Nachdem sich auch die Beratungsgruppe der internationalen Agrarforschung (CGIAR) von der Technologie distanziert hatte, und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) mit starken Worten Terminator-Pflanzen als unethisch und bedrohlich für die Ernährungssituation vor allem in den Entwicklungsländern gebrandmarkt hatte, schien es zunächst so, als wären die Agro-Konzerne und die US-Regierung in die Knie gezwungen. Die Ethikkommission der FAO erklärte: „Das Panel kam einstimmig zu dem Ergebnis, dass Terminator-Saatgut unethisch ist und findet es unakzeptabel, Saatgut zu verkaufen, dessen Erntegut die Bauern nicht wiederverwenden können, da es nicht mehr keimfähig ist.“ Die Situation erschien manchen Staaten dennoch als so bedrohlich, dass sie gesetzliche Verbote der Terminator-Technologie erließen. Indien ist das erste Land, das explizit genetische Sterilisierungs-Technologien als sittenwidrig verbietet. Im Gesetz „Der Schutz von Pflanzensorten und die Rechte der Bauern“ heißt es in Artikel 14 (2): „Es darf keine Sorte zugelassen werden, die Gene oder Gensequenzen enthält, die das Leben oder die Gesundheit von Menschen, Tieren oder Pflanzen verletzt, inklusive der Terminator-Technologie.“ Auch Brasilien hat mittlerweile Maßnahmen ergriffen: 2005 verabschiedete die Regierung ein Gesetz, das Anwendung, Verkauf, Zulassung, Patentierung und Lizenzierung von Terminator-Technologien verbietet.

Das Ende des Anfangs

Die Lawine massiver Kritik bewog einige große Konzerne wie AstraZeneca (heute Syngenta) und Monsanto, öffentlich zu versichern, dass sie keine Kommerzialisierung von Terminator-Technologien im Sinn hätten. So äußerte ein Sprecher von AstraZeneca im Februar 1999: „Zeneca entwickelt keine Systeme, die Bauern vom Nachbau von Saatgut abhalten würde, noch beabsichtigen wir dies in Zukunft.“ Im Oktober 1999 gab auch Monsanto in einem Brief an die Rockefeller Stiftung dem internationalen Druck nach und versicherte, der Konzern würde keine „genetischen Schutzmechanismen entwickeln, um Saatgut steril zu machen.“

Der Terminator schien, zur großen Erleichterung von Landwirten auf der ganzen Welt, besiegt.

Der Terminator ist tot, es lebe der Terminator

Leider zeigen zahllose Fälle der Vergangenheit, dass es mit der Glaubwürdigkeit der Agro-Konzerne nicht weit her ist. So auch im Fall der Terminator-Technologie. Hatte die Firma AstraZeneca, bzw. deren Nachfolgeunternehmen Syngenta, 1999 der Weltöffentlichkeit noch versichert, auf Terminator-Technologie zu verzichten, führte das Unternehmen noch im selben Jahr den ersten dokumentierten Freisetzungsversuch mit transgenen Pflanzen durch, deren Eigenschaften durch Chemikalien ein- oder ausgeschaltet werden können (so genannte T-GURTs, siehe Kasten).

Und 2001 wurde dem Syngenta-Konzern, einer Fusion aus AstraZeneca mit der Landwirtschaftssparte von Novartis, ein neues Terminator-Patent erteilt. Zahlreiche andere folgten, das jüngste Patent Syngentas stammt aus dem Jahr 2004. Auch andere Unternehmen, wie Delta & Pine Land, ließen sich von dem Moratorium nicht beirren, wie der Vorstand des Unternehmens, Harry Collins, im Jahr 2000 versicherte: „Wir haben die Arbeit an unserem Technologieschutz-System unbeirrt weitergeführt. Wir haben die Geschwindigkeit nie verlangsamt. Wir haben das Ziel im Auge und schreiten voran in Richtung Kommerzialisierung. Wir haben unsere Arbeit nie wirklich eingestellt.“ Das gleiche gilt für die Haltung der US-Regierung: Unberührt von der einhelligen und weltweiten Ablehnung der Terminator-Technologie hat das Landwirtschaftsministerium die Unterstützung dafür nie gestoppt und weigert sich bis heute, seinen Patentanspruch auf das Selbstmord-Saatgut zurückzuziehen.

Strategiewechsel

Nachdem der Versuch, Terminator-Technologie als „biologischen Patentschutz“ auf den Markt zu bringen, gescheitert war, hat sich die Strategie der Industrie in der Zwischenzeit gewandelt. Terminator-Technologie soll jetzt unter dem Deckmantel des „grünen“ Terminators durchgesetzt werden. Den ersten Vorstoß in dieser Richtung unternahm der weltweite Zusammenschluss der Saatgutindustrie, die International Seed Federation (ISF). In einem Positionspapier der Organisation werden die ökologischen Vorzüge von Terminator-Pflanzen gepriesen. Vor allem weisen die Autoren Harry Collins (Delta & Pine Land) und Roger Krueger (Monsanto) auf die Möglichkeiten hin, die Terminator-Technologie zur Verhinderung von Auskreuzung und gentechnischer Kontamination bietet. Dass ausgerechnet ein Mitarbeiter von Monsanto sich für Sterilisierungstechnologien stark macht, ließ die Alarmglocken bei Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen läuten, hatte doch derselbe Konzern erst 1999 öffentlich beteuert, die Entwicklung von Suizid-Saatgut zu stoppen. Verbündete finden die Konzerne bei ihrem neuerlichen Vorstoß vor allem in der kanadischen Regierung, aber auch Staaten wie Neuseeland und Australien machen sich zum Sprachrohr der Agro-Konzerne.

Hochglanzwerbung für Selbstmord-Pflanzen

Am deutlichsten wird die Absicht, Terminator-Technologie zu kommerzialisieren, jedoch in einer aktuellen Werbebroschüre von Delta & Pine Land. Darin bedauert das Unternehmen, dass viele Länder der Welt bislang nicht die Vorzüge genmanipulierter Pflanzen kennen lernen konnten, da aus Sicht der Saatgutkonzerne kein ausreichender rechtlicher Schutz ihres geistigen Eigentums, also des patentierten Saatguts, einklagbar sei. Viele Länder, speziell die des Südens, kennen keine Patente auf Pflanzen oder erkennen sie nicht an. Dies könnte sich, geht es nach Firmen wie Delta & Pine Land, dank der genetischen Sterilisierung von Saatgut ändern. Die Terminator-Technologie macht Patente auf Pflanzen überflüssig. Denn bei Terminator-Pflanzen muss die Zahlung von Lizenzgebühren von den Konzernen nicht mehr kontrolliert oder eingeklagt werden: Terminator-Pflanzen keimen nur ein einziges Mal, danach ist der Landwirt gezwungen, neues Saatgut zu kaufen.

Embryo in einem Maiskorn (Maiskeimling)
© www.brynmawr.edu

Wie grün ist der grüne Terminator?

Fremdgene aus gentechnisch veränderten Pflanzen breiten sich nicht aus: Das war über viele Jahre hinweg das Mantra der Gentechnikindustrie und auch wissenschaftliche Lehrmeinung. Doch mittlerweile leugnen selbst Konzerne wie Monsanto nicht mehr, dass gentechnische Kontamination ein verbreitetes Phänomen ist. Im Jahr 2005 konnte zudem nachgeweisen werden, dass sich Gen-Pflanzen auch unter Freilandbedingungen in verwandte Arten (z.B. von Raps in Ackerunkräuter) ausbreiten. Damit kommen die Konzerne in Zugzwang eine Lösung zu finden, um Kontamination zu verhindern.

Da der Versuch, Terminator-Technologie zur Durchsetzung von Patenten auf Pflanzen zu benutzen, gescheitert war, mussten sich die Konzerne nach einer neuen Begründung für eine Kommerzialisierung der Technologie umsehen. Die fanden sie ausgerechnet im Phänomen der gentechnischen Verunreinigung. Das Argument der Industrie ist nun, dass Terminator-Pflanzen endlich einen sicheren Schutz vor Auskreuzung der Genpflanzen in gleiche oder verwandte Arten und vor horizontalem Gentransfer bieten, also der Auskreuzung in andere Spezies wie z.B. Bodenbakterien. Mit dem „grünen“ Argument, mit Terminator-Pflanzen gegen das von der Industrie so bezeichnete „unwahrscheinliche Auftreten einer Auskreuzung“ vorgehen zu wollen, versuchen die Konzerne seither, Terminator-Pflanzen in internationalen Verträgen wie der Konvention über die biologische Vielfalt als Instrument der biologischen Sicherheit zu verkaufen. Auch der wohl bald bevorstehende kommerzielle Anbau von gentechnisch veränderten Pharma-Pflanzen, die Impfstoffe, Antikörper oder Hormone auf freiem Feld produzieren sollen, dient den Unternehmen als Vorwand, auf eine Zulassung der Terminator-Technologie zu dringen. Sie argumentieren, dass dies zum Schutz vor einer Verunreinigung der Lebensmittelkette mit pharmazeutischen Stoffen aus diesen transgenen Pflanzen unbedingt erforderlich sei.

Kein Mittel, Auskreuzung zu verhindern

Die Argumentation, dass Terminator-Pflanzen vor gentechnischer Verunreinigung schützen, ist jedoch wissenschaftlich nicht haltbar: Zum einen hat Terminator-Technologie keinen Effekt auf die Fertilität von Pollen. Pollen von Terminator-Pflanzen wären nach wie vor auskreuzungsfähig, könnten andere Pflanzen bestäuben und dadurch zur Sterilisierung der kontaminierten Bestände führen. Die Ernte dieser Bestände könnte von Landwirten nicht mehr als Saatgut verwendet werden. Es ist zum anderen bis heute völlig ungeklärt, ob es überhaupt gelingen kann, verlässlich funktionierende Terminator-Systeme zu schaffen. Denn das komplexe System des gentechnischen Eingriffs, das schließlich zum Abtöten des Embryos führen soll, ist fehleranfällig:

  • Um die für den Keimling tödliche Gensequenz zu aktivieren, muss das Saatgut chemisch behandelt werden. Eine Induzierungssubstanz gibt den Programmierungsbefehl, der schließlich zur Bildung eines Zellgiftes, z.B. des Toxins Barnase, führt. Einige Körner könnten bei dieser Behandlung jedoch der Chemikalie entkommen.
  • Daneben können die (drei) Terminator-Gene durch den Einfluss von Umweltfaktoren voneinander getrennt und dadurch die Befehlskette zur Barnaseproduktion unterbrochen werden.
  • Ein Promotor könnte durch sogenanntes „gene-silencing“, ein pflanzeneigener Mechanismus zur Beseitigung unerwünschter Gene, stillgelegt werden. Der Befehl zur Abtötung des Pflanzenembryos durch das Sterilisierungs-Gen würde dann nicht ausgeführt.
  • Nicht nur gentechnisch veränderte Pflanzen kreuzen aus. Terminator-Pflanzen können auch durch Pollen von benachbarten Feldern bestäubt werden. Durch natürliche Rekombination der Erbanlagen könnte der Mechanismus zur Sterilisierung des Samenkorns ebenfalls abgeschaltet werden.

In allen genannten Fällen käme es zur Bildung von vermehrungsfähigem Samen. Um als Instrument der Kontrolle von Gen-Pflanzen und deren Samen dienen zu können, wie die Industrie suggeriert, müsste die Erfolgsquote der Terminator-Technologie jedoch verlässlich bei 100 Prozent liegen. Dies ist jedoch nicht der Fall und von den Unternehmen auch nicht intendiert. Die Technologie wurde nämlich nicht zur Verhinderung von Auskreuzung konzipiert, sondern dazu, den von den Unternehmen unerwünschten Nachbau patentierter Pflanzen für die Bauern unattraktiv zu machen. Dazu genügt jedoch eine Erfolgsquote der Technologie von 70 bis 90 Prozent. Darüber hinaus, dies ist auch die Meinung der Wissenschaft, kann eine Verlässlichkeit nicht garantiert werden.

Terminator-Technologie kann daher gentechnische Kontamination nicht verhindern, sondern nur verringern, und zwar genau in dem Umfang, der einen Nachbau der von der Industrie patentierten Pflanzen für Bauern unwirtschaftlich macht. Die „grüne“ Argumentation zur Durchsetzung der Terminator-Technologie ist folglich nichts als ein weiteres trojanisches Pferd der Gentechnik-Konzerne, mit dem eine im hohen Maß unethische und gefährliche Technologie durchgesetzt werden soll. Umweltschutz und Terminator-Technologie – eine Verbindung, die an Zynismus nur schwer zu überbieten ist.

Biologische Leibeigenschaft

Zynisch ist das Ausweichen der Konzerne auf den Bereich Umweltschutz vor allem deshalb, weil die wahren Auswirkungen einer Kommerzialisierung der Technologie verschleiert werden. Die sozialen Auswirkungen eines großflächigen Einsatzes von Terminator-Saatgut könnten verheerend sein. Zum einen verlieren Bauern durch Terminator-Pflanzen grundlegende Rechte, vor allem das Grundrecht auf Wiederverwendung von Saatgut. Speziell für die armen Landwirte in Afrika oder Asien ist jedoch der Kauf von Saatgut mit einer Verschuldungsspirale verbunden, die schon während der „grünen Revolution“ Millionen von Kleinbauern in den Ruin trieb. Die Durchsetzung von Terminator-Saatgut in diesen Ländern – und niemand wird ernsthaft bestreiten, dass die Konzerne die Macht haben, die Technologie auf den Märkten durchzusetzen – würde diese Entwicklung weiter forcieren und festschreiben.

Doch nicht nur Bauern, die Terminator-Saatgut kaufen, sind bedroht. Denn zusätzlich kann es durch Pollenflug oder Insektenbestäubung zu Kontaminationen von Feldern unbeteiligter Nachbarn kommen. Deren Pflanzen werden dann ebenfalls steril. Bauern, deren Felder verunreinigt wurden, können diese Auskreuzung allerdings erst nach der folgenden Aussaat feststellen, wenn ihr Saatgut nicht mehr keimt. Für die Ernährungssicherheit, speziell in Ländern der Dritten Welt, bedeuten Ernteausfälle jedoch eine schwerwiegende Bedrohung für die gesamte Bevölkerung.

Biologische Vielfalt - ade

Der Verlust der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft könnte durch eine Kommerzialisierung von Terminator-Pflanzen noch dramatischer zunehmen. In den Ländern der Dritten Welt werden noch heute zahlreiche traditionelle Sorten verschiedenster Nahrungspflanzen angebaut, die für die zukünftige Züchtungsarbeit und für die Ernährungssicherheit in diesen Ländern überlebenswichtig sind. Können die Bauern aufgrund ausgekreuzter Terminator-Pflanzen ihr eigenes Saatgut nicht mehr verwenden, da es steril geworden ist, verschwinden diese alten, standortangepassten Sorten nach und nach. Die betroffenen Bauern könnten dadurch gezwungen sein, industriell erzeugtes Saatgut genau derjenigen Konzerne zu kaufen, die ihre traditionellen Sorten zuvor zerstört haben. Die kanadische ETC-Group spricht daher von Terminator-Technologien als einer Plattform für „biologische Leibeigenschaft“, da sie die Landwirte direkt oder indirekt in eine vollkommene Abhängigkeit von den Saatgutkonzernen bringt.

Gesundheitliche Konsequenzen

Darüber hinaus können die durch den gentechnischen Eingriff neu gebildeten Enzyme zu gesundheitlichen Risiken führen. Ein Bestandteil des Terminator-Komplexes ist z.B. das Enzym Rekombinase. In Tierversuchen wurde gezeigt, dass Rekombinase Mäusesperma sterilisiert. Ein zentrales bei Terminator-Pflanzen verwendetes Toxin ist das Zellgift Barnase, das die RNA zerstört. Barnase schädigt jedoch nicht spezifisch nur Pflanzenzellen, sondern grundsätzlich Zellen aller Organismen. Im Tierversuch wurde unter anderem gezeigt, dass Barnase Nierenschäden bei Ratten verursacht. Ungeklärte Gesundheitsfolgen ergeben sich auch durch die bei den meisten Terminator-Pflanzen verwendeten chemischen Induktoren. Im Falle des Patents von Delta & Pine Land handelt es sich dabei um das auch in der Medizin verwendete Antibiotikum Tetrayzyklin.

Rechtsweg eingeschlossen

Die Terminator-Technologie ist für die Konzerne des Agrarsektors eins von zwei zentralen Werkzeugen, ihre angeblichen „geistigen“ Eigentumsrechte an gentechnisch veränderten Pflanzen abzusichern und die Rechte der Bauern möglichst vollständig abzuschaffen. Zeitgleich mit dem Versuch, Terminator-Technologie zu legalisieren, wollen die Lobbyorganisationen der Industrie die Rechte der Bauern auf Wiederverwendung von Saatgut auf dem Rechtsweg tilgen. Agro-Konzerne in Kanada versuchen derzeit, im Rahmen einer Novellierung des Saatgutgesetzes, die Wiederaussaat geschützter Sorten kategorisch verbieten zu lassen. Und auch die europäische Organisation der Saatgutunternehmen ESA (European Seed Association) hat die Zielrichtung ihrer Politik dahingehend ausgerichtet, Europas Bauern per EU-Gesetzgebung den Nachbau eines Teils der Ernte zu verbieten. Dieser Schritt geht noch weit über die bereits bestehende Regelung hinaus, die EU-Landwirten für die Wiederaussaat gekauften Saatguts die Entrichtung einer „Nachbaugebühr“ aufzwingt. Auf einer Konferenz der Saatgutzüchter im Oktober 2005 formulierte ESA-Sprecher Claude Grand das Ziel der Lobbyorganisation in Bezug auf das „Landwirteprivileg“, dem Recht der Bauern, einen Teil ihrer Ernte zur Nachsaat im folgenden Jahr zu verwenden: Im Rahmen einer Harmonisierung der Saatgutgesetze „sollte das Landwirteprivileg abgeschafft werden“. Die Saatgutfirma R.A.G.T, deren Vorstand Claude Grand ist, wurde laut Angabe des Unternehmens 1919 von Landwirten in Südfrankreich gegründet. Heute erklärt es den Bauernrechten den Krieg.

Terminator ante portas

Die internationale Staatengemeinschaft, abgesehen von wenigen Ländern wie Kanada, den USA oder Australien, steht wegen der gravierenden ethischen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Bedenken hinter dem Moratorium für die Kommerzialisierung von Terminator-Technologie. Bauern- und Umweltorganisationen fordern darüber hinaus ein totales, bindendes und zeitlich unbeschränktes Verbot dieses gegen die Bauern auf der ganzen Welt gerichteten gentechnischen Eingriffs. Dennoch: Ob sich die Mitgliedstaaten der Konvention über biologische Vielfalt im März 2006 in Brasilien gegen den klaren Willen der Konzerne durchsetzen können, Terminator-Pflanzen auf den Markt zu bringen, ist noch lange nicht ausgemacht. Nur ein gemeinsames, starkes und unmissverständliches Votum aller zivilgesellschaftlichen Organisationen und vieler einzelner Menschen in Richtung ihrer jeweiligen Regierungen, sich für ein endgültiges, international bindendes Verbot einzusetzen, wird die Konzerne an der endgültigen Kontrolle der Welternährung mit den Mitteln von Terminator-Technologie hindern.

Stand: Dez 2005
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