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Die Auswirkungen der industriellen Tierhaltung auf Südamerika und Afrika

Fleisch macht hungrig

Trog oder Teller?
Eine dürre Hand eines Menschen greift nach ein paar Bohnen

© Blasius Mrowiec / Fotolia

Insgesamt wird in Südamerika auf ca. 18 Millionen Hektar Eiweißfuttermittel, also vor allem Soja, für den Export nach Europa angebaut. Das entspricht ungefähr der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland. China importiert sogar noch mehr Soja.

Diese hohe Nachfrage führt in Ländern wie Brasilien zu illegitimen Landraub, Vertreibung der Landbevölkerung, Abholzung von Regenwäldern und Hunger unter den Ärmsten. Getreide und Hülsenfrüchte, die Menschen in Südamerika ernähren könnten, werden genutzt, um Schweine, Geflügel und Rinder in Europa und anderen Teilen der Welt zu mästen.

Der Grund: Die Armen der Erde konkurrieren bei der Landnutzung mit den Mastbetrieben der industriellen Tierhaltung. In dieser Konkurrenz ziehen die Armen oft den Kürzeren, weil sie weniger Geld haben, als die industriellen Mastbetriebe.

Mit Gift und Gentechnik
Ein Flugzeug verspritzt Glyphosat auf ein Feld

© Chayar Comunicación

Eiweißfuttermittel für den europäischen Markt werden in Südamerika auf riesigen Flächen in agrarindustriellen Strukturen angebaut. In den wichtigsten Soja-Erzeugerländern, wie den USA, Brasilien und Argentinien, sind ca. 90% des angebauten Sojas genmanipuliert.

Die häufigste gentechnische Veränderung ist eine Resistenz gegen bestimmte Pflanzenvernichtungsmittel wie z.B. Glyphosat (Handelsname u.a. RoundUp) oder Glufosinat (enthalten z.B. in Basta). Diese Mittel werden in sehr großen Mengen eingesetzt. Brasilien ist heute das Land, mit dem höchsten Pestizideinsatz weltweit. Selbst das Spritzen mit Flugzeugen ist nicht ungewöhnlich. Die zunehmende Resistenz von Insekten und Unkräuter gegen die Gifte führen zu immer höhrem Einsatz und Kombinationen von verschiedenen Giften in einer sogenannten Formulierung.

Der hohe Einsatz der Ackergifte hat für die Menschen und die Natur in den Sojaanbaugebieten verherende Auswirkungen. Sie leiden unter Atemwegs- und Hautbeschwerden, Krebs, Fehlgeburten. Umweltbedingte Fehlbildungen bei Neugeborenen sind sehr viel häufiger als in anderen Gegenden der Welt. Ökosysteme werden großflächig zerstört, Boden und Wasser verschmutzt und die Existenzen von Bauern und Bäuerinnen auf angrenzenden Flächen zerstört.

Dumping mit Fleischresten und Milchpulver

Die meisten VerbraucherInnen in Europa essen, wenn sie Fleisch essen, nur wenige Teile der Tiere, wie z.B. Hühnerbrüste oder Steaks und Lenden von Schwein und Rind. Doch die 3,2 Millionen Rinder, 58,4 Millionen Schweine und fast 700 Millionen Hühner, Puten und Enten, die im Jahr 2012 alleine in Deutschland geschlachtet wurden, hatten alle auch Füße, Köpfe, Hälse und Innereien.

Ein Teil dieses restlichen Fleisches landet auf den Märkten in Westafrika. Für die betriebswirtschaftliche Kalkulation der Fleischindustrie ist das jedoch eher ein Teil der Abfallentsorgung - die VerbraucherInnen in Europa, Russland oder China bezahlen das ganze Tier. Die europäischen Fleischreste sind auf den afrikanischen Märkten deshalb unschlagbar billig. Die europäischen Fleischexporte nehmen so den Bauern und Bäuerinnen in afrikanischen Staaten eine Einkommensmöglichkeit und fügen der Landwirtschaft vor Ort großen Schaden zu.

Unterstützt wird dies durch die Handelspolitik der EU-Kommission, die mit afrikanischen Staaten sogenannte Wirtschaftspartnerschaftsabkommen aushandelt. Auch in der Milchwirtschaft setzen EU-Kommission, Bundesregierung und Bauernverband auf den Export. Mit ähnlichen Folgen: Wenn subventioniertes Milchpulver aus der EU in manchen afrikanischen Staaten billiger ist als Milch aus der lokalen Produktion, zerstört das vor Ort Landwirtschaft und Lebensmittelhandwerk.

Weitergehende Informationen:

Eiweißfuttermittel werden aus Amerika importiert, die Regierung setzt auf Fleisch- und Milchexporte nach Russland und China und Reste landen in Afrika. Bei uns bleibt: Gülle.

Lesen Sie hier, wie Nährstoffe und Medikamentenreste in der Gülle unser Grundwasser verschmutzen.

Oktober 2015
Downloads & Infos
1 / n

Ackergifte? Nein Danke!

Die Aufkleber zur Kampagne für eine giftfreie Landwirtschaft.

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Aufkleber bestellen

Ökolandbau - Naturschutz und gesunde Lebensmittel

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Agrarindustrie - welchen Preis zahlt unser Essen?

Ausgabe 68 der Münchner Stadtgespräche

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