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Jeden Tag ein Ei - niemand wäre gern ein Huhn

Eierproduktion

Legehennen in Bodenhaltung

Hühner in Bodenhaltung
© branex / Fotolia

Insgesamt leben etwa 48 Millionen Legehennen in Deutschland. Im Durchschnitt legt jede von ihnen 296 Eier pro Jahr.

An der Situation und Entwicklung der Eiernproduktion lässt sich gut zeigen, wie die Politik Einfluss nehmen kann, dass die VerbraucherInnen bereit sind, für Tierschutz und Qualität mehr zu bezahlen und dass die EU Öko-Verordnung an manchen Stellen viel zu lasch ist. Doch vor diesen Überlegungen sollten einige Zahlen stehen, die deutlich machen, wie die Realität in der Legehennenhaltung in Deutschland aussieht. Die Quelle dafür ist das statistische Bundesamt.

Legehennen in Deutschland nach Haltungsformen

Fast 4,5 Millionen Legehennen leben in Käfighaltung. Nach dem Verbot der Legebatterien steht Käfighaltung, die Ziffer 3 auf dem Ei, offiziell für eine Haltung von bis zu 60 Hühnern in einem ausgestalteten Käfig, in dem pro Tier 800cm² Platz ist. Doch auch nachdem das Bundesverfassungsgericht 2010 die Ausnahmeregeln für die klassischen Käfige für grundgesetzwidrig erklärte, gibt es weiterhin Hühner, die in Einzelkäfigen leben und wird es auch bis 2025 geben. Doch auch die "ausgestalteten Käfige" sind völlig inakzeptabel: 800cm² sind nur 30% mehr als ein DIN A4-Blatt. Das Kupieren von Schnäbeln und Medikamente im Futter sind der Normalfall.


Etwa 25 Millionen Legehennen leben in Bodenhaltung. Bodenhaltung, also die Ziffer 2 auf dem Ei, steht für eine Haltungsform, bei der die Hühner in einem großen Stall am Boden gehalten werden. In diesem Stall, der Sitzstangen, Legebereich und Scharrbereich enthält, können sich die Tiere frei bewegen. Auf einen Quadratmeter Stallboden kommen dabei 9 Hühner, das entspricht etwa 1.100cm². 80% der Legehennen in Bodenhaltung leben in Betrieben mit über 30.000 Hennen. Wegen der Enge, der großen Zahl der Tiere, dem engen Kontakt der Tiere untereinander und dem Kontakt zu Exkrementen gilt Bodenhaltung sogar als noch anfälliger für Parasiten und Krankheiten. Das Kupieren von Schnäbeln und Medikamente im Futter sind auch hier der Normalfall.


Etwa 7 Millionen Legehennen leben in Freilandhaltung. Auf ihre Eier wird die Ziffer 1 gestempelt. Die Hühner leben dabei in einem Stall, der nichts anderes ist als die Haltung der Artgenossen in der Bodenhaltung, haben aber tagsüber Auslauf. Die Freifläche muss dabei mindestens 4m² pro Tier betragen. Bei sehr großen Herden nutzen die Hennen von ihrer Freifläche jedoch vor allem die Region um den Stall herum, die in den meisten Fällen tot und verkotet ist.


Nicht ganz 3,5 Millionen Legehennen leben in ökologischer Haltung. Ihre Haltungsbedingungen entsprechen mindestens der EU-Öko-Verordnung und die Eier tragen die Ziffer 0. Die Herdengröße ist auf 3.000 Hennen beschränkt und im Stall kommen höchstens 6 Tiere auf einen Quadratmeter. Dazu kommt ein Auslauf von ebenfalls mindestens 4m² pro Tier. Das Kupieren der Schnäbel ist verboten, ebenso prophylaktische Antibiotikagabe. Das Futter für Bio-Hennen kommt aus dem ökologischen Anbau und wurde ohne den Einsatz von Gift und Gentechnik erzeugt.

Doch eins ist völlig klar: Wer weiß, wie Hühner ticken, weiß auch, dass Herden von 3.000 Hennen nicht artgerecht sind.

Wie Politik und VerbraucherInnen etwas verändert haben

Die Legehennenhaltung ist ein gutes Beispiel, wie politische Veränderungen und ein verändertes Verbraucherverhalten tatsächlich etwas bewirken können. Auf der Grafik des statistischen Bundesamts oben sieht man sehr deutlich, wie die Zahl der Legehennen in Käfighaltung bis 2009 drastisch absinkt und parellel die Zahl der Legehennen in Bodenhaltung stark ansteigt. Der Grund dafür: Ab dem 1.1.2010 griff das Verbot der Käfighaltung in Deutschland, ab 2012 in der ganzen EU. Doch Ausnahmen und sogenannte "ausgestaltete Käfige" sind noch bis 2025 zulässig.

Damit die VerbraucherInnen beim Einkauf entscheiden können, welche Form der Tierhaltung sie wollen, müssen sie wissen, aus welcher Haltungsform die Produkte stammen. Die einfache, klare und verpflichtende Kennzeichnung von Eiern mit den Ziffern 0 - 3 gibt es seit 2004 und ist ein großer Erfolg. Seitdem steigt der Konsum von Eiern aus ökologischer Landwirtschaft und Freilandhaltung stetig an. Bei den frischen Eiern findet sich in den Supermärkten kaum mehr ein Ei mit der Ziffer 3, das aus Käfighaltung stammt. Das Beispiel beweist: Die VerbraucherInnen sind bereit, für bessere Bedingungen in der Tierhaltung und bessere Produkte mehr zu bezahlen.

Doch trotz dieser Erfolge gibt es noch viel zu tun. Der durch Ausnahmen verzögerte Niedergang der Käfighaltung wird vor allem durch eine Zunahme der Bodenhaltung kompensiert. Das ist besser, aber immer noch sehr schlecht.

Was fehlt

Als BürgerInnen können wir bei Wahlen und Abstimmungen Einfluss nehmen, demonstrieren gehen und Druck auf die Politik machen, indem wir uns engagieren. Als VerbraucherInnen können wir beim Einkauf zu Produkten aus der ökologischen Haltung greifen und insgesamt weniger tierische Produkte konsumieren. Ein paar Beispiele, was als nächstes zu tun wäre:

  • Die Kennzeichnungspflicht muss auch bei Eiern gelten, die in verarbeiteten Produkten stecken. Dann werden Verbraucherinnen und Verbraucher auch dort die Käfighaltung aus dem Markt drängen.
  • Eier, Milch und Fleisch, die mit Einsatz genmanipulierter Futtermittel produziert wurden, müssen gekennzeichnet werden.
  • Bei der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft muss der ganze Betrieb umgestellt werden. Drei Ställe mit jeweils 3.000 Bio-Hennen und daneben ein paar Zehntausend konventionelle - das lädt zu Fehlern ein und begünstigt Betrug. Außerdem ist die Obergrenze für eine Herde viel zu hoch.
  • Das Kupieren von Schnäbeln ist de facto verboten - doch Ausnahmen sind die Regel. Das Verbot muss durchgesetzt werden.
  • Die präventive Vergabe von Antibiotika über das Futter gehört verboten.
  • ...

Schritt für Schritt könnte damit die Eierproduktion verbessert werden. Doch das Ziel ist weit entfernt. Denn wir wollen nicht nur eine Versorgung mit 100% Bio-Eiern, sondern auch eine kleinteilige Struktur mit kleinen Herden. Zur Zeit aber leben nur 2% aller Legehennen in Betrieben mit unter 5.000 Stallplätzen und über die Hälfte in Betrieben mit über 100.000 Plätzen.

Richtig gute Eier

Wer selbst Hühner hält, kann sich für eine alte Rasse entscheiden, zum Beispiel eine Apenzeller Spitzhaube.

Doch es gibt auch schon die Betriebe, die den Weg in die Zukunft weisen. Eine sehr schöne, neue Entwicklung sind zum Beispiel mobile Hühnerställe, die den Hühnern immer frische Nahrung ermöglichen, ohne den Boden zu überlasten.

Wer schon jetzt richtig gut produzierte Eier will, kann in seiner Region nach Bio-Höfen suchen, die sich in den Stall schauen lassen. Wer sich in einem Projekt der solidarischen Landwirtschaft engagiert, bekommt noch direkteren Draht zur Produktion.

Und auf dem Land ist es nicht einmal schwer, seine eigenen Hühner selbst zu halten.

Dezember 2015
Downloads & Infos
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Ackergifte? Nein Danke!

Die Aufkleber zur Kampagne für eine giftfreie Landwirtschaft.

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Ökolandbau - Naturschutz und gesunde Lebensmittel

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Agrarindustrie - welchen Preis zahlt unser Essen?

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