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Abdrift

Regeln ohne Wirkung

Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ist grundsätzlich legal. Allerdings müssen die LandwirtInnen dafür einen Pflanzenschutz-Sachkundenachweis haben und sich an die gute fachliche Praxis halten. Bei Verstößen drohen Bußgelder. In der guten fachlichen Praxis finden sich auch Regeln, die Abdrift verhindern sollen.

Die gute fachliche Praxis

  • Abdrift ist grundsätzlich zu vermeiden. Dies gilt besonders für Abtrift in gefährdete Objekte, Gewässer und besonders schützenswerte Biotope. Zu Wohngebieten, Garten-, Freizeit- und Sportflächen sowie zu Weiden mit Viehaustrieb sind ausreichende Abstände* erforderlich.
  • Spritzeinsätze bei dauerhaften Windgeschwindigkeiten über 5 m/s, dauerhaften Temperaturen über 25 °C oder relativen Luftfeuchten unter 30 % sind zu vermeiden.
  • Eine Fahrgeschwindigkeit bis zu 8 km/h ist zu wählen, da bei einer Fahrgeschwindigkeit von mehr als 8 km/h die Verteilungsprobleme überproportional zunehmen. Höhere Fahrgeschwindigkeiten sind nur vertretbar, wenn durch technische Voraussetzungen die bestimmungsgemäße und sachgerechte Anwendung des Pflanzenschutzmittels sichergestellt ist.
  • Grenzen gefährdete Objekte an die Behandlungsfläche an, hat die Randbehandlung einseitig in die Behandlungsfläche hinein zu erfolgen. („besondere Vorsicht ist in der Nähe von Oberflächengewässern geboten, weil aquatische Lebensgemeinschaften gegenüber bestimmten Pflanzenschutzmittelwirkstoffen sehr empfindlich sind. Landwirtschaftliche und gärtnerische Produkte können infolge Abtrift Rückstände von Pflanzenschutzmitteln aufweisen, die zum Verlust der Vermarktungsfähigkeit führen können, z. B. wenn Flächen des ökologischen Landbaus an konventionell bewirtschaftete Flächen grenzen.“)
  • Neben verlustmindernder Technik in Verbindung mit reduzierter Fahrgeschwindigkeit kann die Abtrift durch eine geringe Spritzhöhe, eine hohe Flüssigkeitsaufwandmenge, die Abschaltung der äußeren Düsen und die Beachtung von Windrichtung und -geschwindigkeit zusätzlich verringert werden.

* Zu den Abständen konkretisiert das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): „Der Mindestabstand zu Umstehenden und Anwohnern darf bei Anwendungen in Flächenkulturen 1 m und bei Anwendungen in Raumkulturen 3 m nicht unterschreiten.“

Schwammig und kaum kontrollierbar
Traktor spritzt Pestizide

Photo: Erich Westendarp, Pixelio

Die unzähligen Fälle von nachgewiesener Abdrift haben gezeigt, dass sich Abdrift, anders als in der guten fachlichen Praxis gefordert, so nicht grundsätzlich vermeiden lässt.

Ein Grund dafür ist, dass die Einhaltung der Regeln kaum kontrollierbar ist. Dazu kommt, dass sich die äußeren Umstände wie Temperatur und Windgeschwindigkeiten ständig ändern können. So kann es beispielsweise sein, dass der Landwirt mit seinem Pestizideinsatz regelkonform bei schwachem Wind anfängt, aber während der Anwendung die Windgeschwindigkeit stark zunimmt und es so zu Abdrift kommt.

Dadurch, dass die Begriffe in der guten fachlichen Praxis dehnbar sind, fehlt eine wirklich verbindliche rechtliche Regelung. Auch die Mindestabstände von einem Meter bei Flächenkulturen sind bei weitem nicht ausreichend. Oberflächengewässer oder Flächen der ökologischen Landwirtschaft werden so nicht ausreichend geschützt und sind von freiwilligen Zugeständnissen der Landwirte abhängig.

Im Oktober 2014 hat das Umweltinstitut München nach dem Umweltinformationsgesetz bei den zuständigen Landesbehörden Anfragen zur Kontrolle der Einhaltung der guten fachlichen Praxis gestellt. Dabei konnten wir herausfinden, dass generell nur wenige Kontrollen stattfinden, die lediglich stichprobenartigen Charakter haben. Regelübertretungen wurden nur selten festgestellt und meist mit einem geringen Bußgeld in dreistelliger Höhe bestraft.

Lösung: Abkehr von Pestiziden

Da sich Pestizidabdrift trotz aller Regeln und technischen Schutzmaßnahmen nicht vermeiden lässt und zudem eine Kontrolle der Einhaltung der Regeln schwierig ist, gibt es nur eine Lösung, welche Abdrift und die damit verbundenen Gefahren grundsätzlich ausschließt: Die Abkehr von Pestiziden. Das Umweltinstitut fordert ein generelles Verbot von Pestiziden und eine Abkehr von der zerstörerischen konventionellen Landwirtschaft.

Der Einsatz von chemisch-synthetischen Spritzmitteln ist nicht alternativlos. Die ökologische Landwirtschaft zeigt, dass Landwirtschaft auch ohne gesundheitsschädigende Mittel möglich ist. Doch nicht nur für Gesundheit und Umwelt ist das die bessere Lösung, sondern auch aus finanzieller Sicht. Denn die billigen konventionellen Lebensmittel sind nur auf den ersten Blick günstig. Die Kosten von Umweltbelastung und –Zerstörung durch Pestizide, die schon heute immens sind, trägt nämlich die Allgemeinheit. Zu jedem Euro, den die Landwirtschaft für Pestizide ausgibt, kommen je nach Berechnung 40 bis 80 Cent gesundheitliche und ökologische Folgekosten.

August 2016
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