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Glyphosat

Test: Glyphosatrückstände in deutschem Bier

Diese Biere haben wir auf Glyphosat testen lassen. In jeder untersuchten Flasche wurden wir fündig. © Samuel Schlagintweit

Die Etiketten der deutschen Bierbrauer lassen höchste Qualität erwarten: „Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot“, so das Versprechen. 2016 feiert das Reinheitsgebot sein 500-jähriges Jubiläum. Doch wie rein ist das deutsche Bier wirklich?

Um dem nachzugehen, haben wir die 14 meistgetrunkenen Biere der beliebtesten Biermarken Deutschlands von einem Labor auf Rückstände des Unkrautvernichters Glyphosat testen lassen.

Hier finden Sie unsere Untersuchung mit den einzelnen Testergebnissen (pdf-Format)

Das Ergebnis
Wasserglas

© Andreas Levers / Flickr

Glyphosat, das am häufigsten eingesetzte Ackergift in Deutschland, wurde in allen getesteten Bieren nachgewiesen. Die gefundenen Werte lagen zwischen 0,46 Mikrogramm pro Liter (µg/l) und 29,74 µg/l, im Extremfall also fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 µg/l.

Was bedeuten die erhobenen Werte?

In absoluten Zahlen sind die gemessenen Glyphosat-Mengen klein. Dennoch sind die Testergebnisse besorgniserregend: Glyphosat wird von der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als erbgutschädigend und "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" eingestuft. Der Stoff steht zudem unter Verdacht, hormonell wirksam zu sein. Bei krebserregenden und hormonwirksamen Stoffen gibt es keine Untergrenze, unter der sie sicher sind. Sie können selbst in kleinsten Mengen eine gesundheitsschädigende Wirkung entfalten.

Die Tatsache, dass wir bei allen Proben fündig wurden, legt zudem nahe, dass auch andere Biersorten und Biermarken bzw. Brauereien von einer Belastung mit Glyphosat betroffen sein können. Auch in Getreide und Backwaren wurde der Stoff bereits nachgewiesen. Dies ist ein weiterer Indikator dafür, dass der verbreitete Einsatz von Glyphosat letztlich dazu führt, dass das Pestizid über die Nahrung wieder bei uns Menschen landet.

Schädlich erst ab 1000 Litern?
Labor, Bier

© Fotolia

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) äußerte sich im Fernsehen zu unseren Untersuchungsergebnissen: Im ARD Morgenmagazin ließ er sich zu der Bemerkung hinreißen, man müsse schon 1000 Liter Bier am Tag trinken, damit die von uns gefundenen Glyphosat-Werte gesundheitsschädlich seien. Diese Behauptung wurde im Laufe des Tages von vielen Medien aufgenommen. Einige Kommentatoren in der Presse warfen uns seither „Panikmache“ vor.

Worauf stützt sich die Aussage des Ministers und was ist davon zu halten?

Schmidt beruft sich bei seiner Aussage auf das ihm unterstehende Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Dieses hatte die von uns gemessenen Höchstwerte an Glyphosat im Bier mit dem so genannten ADI-Wert verglichen. ADI steht für „Acceptable Daily Intake“, also die Menge eines Stoffes, die man pro Tag aufnehmen kann, ohne gesundheitliche Schäden davon zu tragen. Ein Erwachsener müsse nach Rechnung des BfR demnach mindestens 1000 Liter des am höchsten belasteten Bieres trinken, um den ADI zu überschreiten. „Das schaffen selbst wir Bayern nicht“, so Minister Schmidt dazu in der ARD.

Also alles halb so wild?

Die Argumentation des BfR und unseres Landwirtschaftsministers basiert auf der Einschätzung, Glyphosat wäre nicht krebserregend. Denn nur dann lässt sich eine sichere Aufnahmemenge überhaupt bestimmen. Für krebserregende Stoffe gibt es keine Untergrenze, ab der sie unschädlich sind. Diese Position vertritt auch das BfR – allerdings nur bei anderen problematischen Stoffen, denn beim Glyphosat will das BfR keine Krebsgefahr sehen.

Doch diese Einschätzung des BfR ist hoch umstritten: Das Bundesinstitut widerspricht damit der WHO, die den Stoff für „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ hält. Für seine Bewertung von Glyphosat ist das BfR von Seiten der unabhängigen Wissenschaft heftig kritisiert worden. So heißt es in einer Erklärung renommierter WissenschaftlerInnen: „Wir haben diese beiden unterschiedlichen Urteile über die krebserregende Wirkung von Glyphosat bei Menschen untersucht und kommen zu dem Ergebnis, dass das Urteil der Arbeitsgruppe der IARC bei weitem glaubwürdiger ist. [...] Im Gegensatz dazu ist das Urteil des BfR nicht glaubwürdig, weil es sich nicht auf Beweise stützt und nicht in einem offenen und transparenten Vorgehen zu Stande gekommen ist.“

Einige ForscherInnen gehen in ihrer Kritik am BfR sogar noch weiter. Sie werfen dem BfR die „vorsätzliche Fälschung von Studieninhalten“ vor, wie in diesem Beitrag des ARD-Magazins "Fakt". Von der Industrie durchgeführte Studien mit Mäusen, die angeblich Entwarnung geben, zeigten in Wirklichkeit sehr wohl eine Krebsgefahr, wenn man die üblichen Methoden zur statistischen Auswertung heranziehen würde. Das BfR habe sich dagegen auf die statistische Auswertung der industrieeigenen Studien verlassen.

Glyphosat raus aus dem Bier!

Die Deutschen konsumieren im Durchschnitt 107 Liter Bier pro Jahr. Durch unsere Untersuchung wissen wir: Sie nehmen damit unbewusst auch Glyphosat zu sich. Das passt nicht zu dem Image von Reinheit und Natürlichkeit, für das deutsches Bier weltweit steht.

Deshalb sind die Brauereien gefragt: Sie müssen klären, wie Glyphosat ins Bier gelangen konnte und in Zukunft sicherstellen, dass ihre Produkte frei von Pestizidrückständen sind.

Das Umweltinstitut startete deshalb eine Online-Aktion, mit der sich VerbraucherInnen direkt an die Hersteller der getesteten Biere wenden können.

März 2016
Untersuchung herunterladen
1 / n

Hier können Sie die Untersuchungsergebnisse herunterladen

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Infomaterial
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