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Bedrohung für Bestäuber

Neonicotinoide

Was sind Neonicotinoide?
Honigbiene sammelt Pollen

Insekten: Wichtig für die Bestäubung vieler Pflanzenarten. © Jon Sullivan / wikipedia.org

Neonicotinoide sind die weltweit meist eingesetzten Insektengifte. Ihre Wirkung gegen Insekten ist dramatisch. Sie werden häufig als Beizmittel für Saatgut verwendet, aber auch als Spritzmittel eingesetzt.

Neonicotinoide können bereits in sehr kleinen Mengen Insekten töten oder ihr Nervensystem schädigen. In Pflanzen wirken sie systemisch. Das bedeutet, dass sie von einer Pflanze aufgenommen werden können und sich dann in allen Pflanzenteilen wiederfinden: In den Wurzeln, Blättern, Blüten sowie im Pollen und Nektar und schließlich auch im Wasser, das Pflanzen über ihre Blätter abgeben (Guttationswasser). Alle Tiere, die Blätter der behandelten Pflanze fressen, deren Nektar trinken oder Pollen sammeln, kommen also mit dem Gift in Kontakt.

Zu den Neonicotinoiden gehören:
Imidacloprid, Clothianidin, Thiamethoxam, Thiacloprid, Acetamiprid, Dinotefuran und Nitenpyram

Das besondere an den Neonicotinoiden ist, dass sie auch in kleinsten Mengen wirksam sind. So reicht ein Teelöffel mit 5g Imidacloprid, um 1,25 Milliarden Bienen zu töten.

Es gibt aber auch viele andere Mittel, die gefählich für Nützlinge und die Artenvielfalt sind, aber nicht zu den Neonicotinoiden zählen. Aktuell sind das in Europa zum Beispiel Fipronil (bekannt aus dem Ei-Skandal; als Pestizid in der EU nicht mehr zugelassen), Methiocarb, Cyantraniliprol (neu), Flupyradifuron (neu, erste Zulassungen erfolgt), Chlorpyrifos (inzwischen EU-weit nicht mehr zugelassen) und viele andere. Die neuen Wirkstoffe Sulfoxaflor und Flupyradifuron haben den gleichen Wirkmechanismus wie die Neonicotinoide (erste Zulassungen erfolgt).

Hochgefährlich für Insekten

Die hochgiftigen Neonicotinoide beseitigen nicht nur Schädlinge. Auch Honigbienen und wildlebende Insekten, wie Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge, leiden unter dem Einsatz der Insektengifte.

Kommen Honigbienen mit Neonicotinoiden in Kontakt, so werden ihre Gehirnprozesse gestört. Führt die Aufnahme der Insektengifte nicht sofort zum Tod der Tiere, wird ihre Kommunikation, Lern- und Orientierungsfähigkeit eingeschränkt. Dadurch unternehmen die Honigbienen weniger Sammelflüge, brauchen länger um in den Bienenstock zurückzufinden oder kehren gar nicht mehr heim. Auch die Überwinterungsfähigkeit der Honigbienen leidet unter dem Einfluss von Neonicotinoiden.

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass viele wildlebende Insekten auf Pestizide sogar noch empfindlicher reagieren als Honigbienen. Bei ihnen wurden Störungen des Paarungsverhaltens und der Fortpflanzungsfähigkeit nachgewiesen.

Großes Bienensterben 2008

Als im Rheintal im Frühjahr 2008 in kurzer Zeit über 11.000 Bienenvölker stark geschädigt wurden oder starben, fiel der Verdacht schnell auf die Neonicotinoide. Es konnte bestätigt werden, dass der Abrieb von Maissaatgut, das mit dem Neonicotinoid Clothianidin behandelt worden war, die Ursache für das Massensterben war.

Nach einer viel zu langen Debatte entschied sich die EU 2013 für ein teilweises Verbot von drei der am häufigsten eingesetzten Neonicotinoide: die Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam durften nicht mehr auf blühende Pflanzen gesprüht werden. Die Anwendung auf nicht blühenden Pflanzen bzw. nach der Blüte und die Verwendung als Beizmittel für Futterrüben, Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüsesaaten war jedoch für einige Jahre auch weiterhin erlaubt. Der Einsatz auf Maissaatgut ist 2008 in Deutschland vom Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) verboten worden. Doch trotz dieser Einschränkungen ging der Absatz der hochgiftigen Mittel lange nicht zurück.

Der Lange Weg der Neonicotinoid-Verbote und Zulassung neuer Bienengifte

Weil auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erkannt hat, dass von diesen drei Pestiziden hohe Risiken für Honigbienen ausgehen, sollte der Einsatz dieser Neonicotinoide weiter beschränkt werden. Im April 2018 sprach sich die Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten dafür aus, dass die Gifte nicht mehr im Freien eingesetzt werden dürfen. 

Innerhalb von Gewächshäusern wurde die Verwendung aber weiterhin erlaubt . Gewächshäuser sind jedoch keine komplett geschlossenen Systeme. Zwar verlassen die Pflanzen die Gewächshäuser üblicherweise nicht, doch Insekten finden leicht ihren Weg hinein und sind als Bestäuber auch willkommen. Inzwischen sind die drei Wirkstoffe EU-weit nicht mehr zugelassen. Doch durch sogenannte Notfallzulassungen landen die Gifte auch weiterhin auf unseren Äckern. Derartige Zulassungen werden in Deutschland derzeit für die Behandlung von Zuckerrüben-Saatgut mit Thiamethoxam-haltigen Mitteln erteilt.

Außerdem bleiben viele andere für Honigbienen und wilde Bestäuber hochgiftige Wirkstoffe vom Vorschlag der Kommission ausgenommen. Andere Neonicotinoide wie Acetamiprid können auch weiterhin eingesetzt werden.

Auch sind bereits neue bienengiftige Stoffe (Sulfoxaflor, Flupyradifuron und Cyantraniliprol) auf EU-Ebene zugelassen worden. Erste Genehmigungen für die fertigen Mischungen wurden in einigen Mitgliedstaaten bereits erteilt, darunter auch in Deutschland. Für einen wirksamen Schutz von Honigbienen, wilden Bestäubern und anderen Insekten, sind vollständige Verbote der bereits erlaubten bienengefährlichen Pestizide notwendig, neue bienengefährliche Stoffe dürfen gar nicht erst zugelassen werden.

Weitere Informationen zum Bienen- und Insektensterben und die Gründe finden Sie hier