Facebook .
Twitter .
Menü
Home  trenner  Themen  trenner  Radioaktivität  trenner  Atommüll  trenner  "Versuchsendlager" Asse
Klappe zu – Asse tot

„Versuchsendlager“ Asse: Schlamperei ungeahnten Ausmaßes

Die Frage, ob ehemalige Salzstöcke als Endlager für radioaktive Abfälle taugen, hat Schacht Asse eindrucksvoll verneint. Tragisch dabei ist nicht die Untauglichkeit des Salzstocks an sich, sondern es sind die Lügen, Schlampereien und Vertuschungen, die das „Versuchsendlager“ jahrzehntelang begleitet haben. Mit der unsachgemäßen Einlagerung des radioaktiven Mülls wurden Fakten geschaffen, die möglicherweise nicht mehr rückholbar sind – im wahrsten Sinne des Wortes. Aus dem Forschungslager ist ein Endlager für radioaktive Abfälle geworden, das niemals und nirgendwo genehmigungsfähig wäre.

Asse Förderturm

© Wusel007 at the German language Wikipedia [GFDL], from Wikimedia Commons

Die Aufregung war groß im Frühsommer 2008. Katastrophale Zustände im „Versuchsendlager für radioaktive Abfälle“ kamen nach und nach ans Licht. Unentwegte Laugenzuflüsse, und das schon seit Jahrzehnten, radioaktiv kontaminierte Sümpfe mit erheblichen Grenzwertüberschreitungen, verrostete Fässer, chaotische Einlagerung, ungenaue und lückenhafte Dokumentation. Der Betreiber, das heutige Helmholtz Zentrum München (HMGU), musste ob der erdrückenden Faktenlage kapitulieren und die Flucht nach vorne antreten. Vergleichsweise schnell und unbürokratisch wurde dem Betreiber und dem übergeordneten Bundesministerium für Forschung und Technik einvernehmlich die Verantwortung entzogen und zum 1.1.2009 auf das Bundesumweltministerium bzw. das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) übertragen. Ebenso die finanzielle Verantwortung, die politische dagegen weisen alle Beteiligten von sich.

Nunmehr ist es Aufgabe des BfS, Schacht Asse sicher zu schließen, und zwar nicht mehr auf Grundlage des bis dahin gültigen laxen Bergrechts, sondern des strengeren Atomrechts. Wieviel Zeit dazu verbleibt, ist unklar. Nachdem die ehemaligen Betreiber ab 2014 den Einsturz befürchteten, wird in einem vom BfS vorgelegten Gutachten damit ca. 2020 gerechnet. Eine in 2008 eingerichtete Arbeitsgruppe „Optionenvergleich“ begann mit der Ermittlung der bestmöglichen Stilllegungsoption. Geprüft werden sollte neben der Rückholung der Fässer auch eine Vollverfüllung mit Beton oder eine Umlagerung der Fässer im Lager selbst.

Ein Buch mit sieben Siegeln

Tatsächlich weiß niemand genau, was sich in den 126.000 Fässern befindet. Die Dokumentation der Einlagerung war schlampig. Es gibt zwar Protokolle, allerdings mit Lücken. Es gab Übertragungsfehler bzw. Abweichungen zwischen den Begleitlisten für die Abfälle und der Datenbank. Wann, in welchem Umfang und in welcher Konzentration die strahlenden Abfälle eingelagert wurden, lässt sich heute nicht mehr verlässlich rekonstruieren. Neun Kilogramm Plutonium sollen laut ehemaligem Betreiber dabei sein, in den Begleitlisten und Kernbrennstoffmeldungen ist eine Summe von ca. 26 kg angegeben.

Vermutlich hätte die Öffentlichkeit nie etwas davon erfahren, wenn nicht im Juni 2008 Informationen über kontaminierte Laugen im Schacht Asse durchsickerten. Der Betreiber gab daraufhin zu, dass in 750 m Tiefe eine mit Cäsium-137 (Cs-137) belastete Flüssigkeit nachgewiesen worden sei. Zunächst hieß es, es handele sich nur um eine geringfügige Belastung mit Cs-137, die Ursache sei unklar. Tage später räumte der Betreiber ein, dass die Cäsium-Konzentration in der Salzlauge die Grenzwerte zum Teil um das 8-fache überschreitet und dass die Lauge neben Cäsium weitere radioaktive Stoffe enthält. So sei auch Strontium, Radium und Plutonium gemessen worden, meldete damals die Tagesschau. Eine Lawine kam ins Rollen.

Statusbericht deckt Mängel auf
Asse-Schild

© tuttidog/Flickr

Die „Vermutung“ des Betreibers, wonach die kontaminierte Salzlauge aus nicht ordnungsgemäß entsorgter Fahrbahndecke stammt, die beim Transportbetrieb während der Einlagerung in den 1970er Jahren kontaminiert wurde, kommt als alleinige Erklärung nicht in Betracht.

Zu diesem Ergebnis kommt der „Status-Bericht“, der nach Bekanntwerden der katastrophalen Zustände im Versuchsendlager Asse vom damaligen Bundesumweltminister Gabriel (SPD) in Auftrag gegeben wurde. Das Ergebnis ist vernichtend: Der Bericht belegt schwerwiegende Defizite beim Betreiber HMGU, bei der Genehmigungsbehörde und bei der Strahlenschutzaufsicht. Der Betreiber ist seit Jahren unsachgemäß und ohne Genehmigung mit radioaktiven Abfällen umgegangen, heißt es dort. Von kaputten und verrosteten Fässern ist die Rede. Von fehlenden Dokumenten und nachträglichen Inventarschätzungen. Von Überschreitungen der maximal zulässigen Strahlung an der Außenseite der „Abschirmbehälter“.

Außerdem wird festgestellt, dass in der Asse viele Jahre mit radioaktiver Lauge ohne die erforderliche strahlenschutzrechtliche Genehmigung umgegangen wurde. Die vom Betreiber praktizierte Behandlung, Umlagerung und Verbringung der Salzlauge in andere Gruben in der Umgebung sei völlig unsachgemäß gewesen. Die Undichtigkeiten des Bergwerks seien nicht erst 1988 bekannt geworden, wie der Betreiber behauptet, sondern bereits vor 1967. Die Einlagerungen seien damals in feuchten Kammern erfolgt. Und schließlich lagerten, entgegen bisherigen Behauptungen, auch Kernbrennstoffe in der Asse. Es sei nicht auszuschließen, dass weitere Abfälle auftauchen, die bisher nicht bekannt sind.

Gestörte Wahrnehmung

Dennoch interpretierte das Helmholtz Zentrum München den Status-Bericht zu seinen Gunsten: Es seien weder materielle Verstöße gegen den Strahlenschutz auf der Schachtanlage noch die Gefährdung von Menschen festgestellt worden. Es werde bestätigt, dass die Einlagerung ordnungsgemäß dokumentiert und das radioaktive Inventar in der Asse richtig berechnet wurde. Es seien keine gravierenden Mängel festgestellt worden.

Dass die Öffentlichkeit über das Auftreten kontaminierter Laugen nie informiert wurde, erklärte der Pressesprecher des Helmholtz-Zentrums, Heinz-Jörg Haury, laut Süddeutscher Zeitung vom 25. Juni 2008 so: „Unsere Strahlenschützer wussten nicht, dass das mitteilenswert ist. Sie hatten kein Gefühl dafür, dass es die Öffentlichkeit interessiert, was mit der radioaktiv verseuchten Lauge in Asse passiert.“ Schmunzeln lässt dagegen ein vermutlich falsch gesetztes Komma in einer Presseerklärung des Helmholtz-Zentrums vom 2. September 2008: „Wenn andere,(Komma!) kompetente Organisationen bereit sind, sich an dieser Aufgabe (die Schließung der Asse, Anm.d.Verf.) zu beteiligen oder gar die Aufgaben zu übernehmen, so begrüßen wir auch dies“.

Mitarbeiterbefragung
Asse Bagger

© Helmholtzzentrum München

Um Aufschluss über Arbeitsweise und Inventar zu bekommen, wurde im Rahmen des Status-Berichts eine Mitarbeiter-Befragung durchgeführt. Ergebnis: Es wurden Fakten genannt, die zumindest der Betriebsleitung nicht bekannt waren, wie z.B. die Einlagerung von flüssigen radioaktiven Abfällen sowie der Zustand der Fässer zu Beginn der Einlagerungszeit. Besonders in den ersten Jahren wurden auch beschädigte Fässer angeliefert, die auf dem Transportweg in den Schächten Flüssigkeit verloren. Die Wege wurden später abgehobelt. Einige Fässer wurden beim Abladen demoliert, ein „Vorkommnis“ im September 1980 berichtet von einem geplatzten Fass. Auch geht aus der Befragung hervor, dass die Fässer zum Teil sehr schnell korrodiert sind. Daraus lässt sich schließen, dass inzwischen zahlreiche weitere Fässer, in denen sich Flüssigkeiten befanden, durchgerostet sind.

Der Umgang mit der strahlenden Fracht war demnach zuweilen recht leichtfertig. Ab 1974 wurden die Fässer nicht mehr in den Kammern gestapelt. Man ging zur so genannten Versturztechnik über: Mit einem Schaufelradlader wurden die Fässer über eine Böschung in die darunter liegenden Kavernen abgekippt und mit Salz zugeschüttet. Die Böschung wurde weiter nach oben verlegt und die nächste Ladung wurde „verstürzt“: Abkippen und Salz drauf. In Kammer 12 habe man die Fässer mit dem Bagger hineingedrückt und bis unter die Firste geschoben.

Der Befragung zufolge war seit den 1960er Jahren bekannt, dass die Grube nicht trocken ist. Schon damals drangen auf der 750-m-Sohle etwa 700 Liter Laugenzuflüsse pro Tag ein. Dennoch wurde die Asse für die Einrichtung eines Atommüll-Lagers empfohlen. Seit 1988 treten aus dem Deckgebirge täglich 12.000 Liter Salzlauge in die Stollen. Durch den ständigen Wasseraustritt bestand und besteht die Gefahr eines unkontrollierten Absaufens oder Einstürzens der Asse. Das eintretende Wasser wurde von Beginn an teilweise abgefangen und ohne viel Aufhebens in Gruben der Umgebung verbracht, so z.B. ins Salzbergwerk Mariaglück in Höfer, südlich von Celle. Auch heute noch wird salzhaltiges Grundwasser aus der Asse in andere stillgelegte Bergwerke gepumpt werden.

Vor Kammer 12 standen schließlich etwa 80.000 Liter Lauge, die das 8-fache des Grenzwerts enthielt. Die kontaminierten Lösungen wurden nicht erst seit 2005 – wie es bisher geheißen hat – sondern gemäß Recherchen des BfS bereits seit 1988 abgepumpt und in andere, höher gelegene Kammern gebracht – ohne Genehmigung. Um welche Mengen es sich dabei gehandelt hat und wo die radioaktiv kontaminierten Laugen verblieben sind, ist nicht bekannt.

Wer zahlt die Zeche?
Atommülfässe in der Asse

© Helmholtzzentrum München

Inzwischen ist klar, dass mehr als 70 Prozent des radioaktiven Inventars der Asse aus der Wiederaufarbeitung des Forschungszentrums Karlsruhe (FZK) stammt und damit indirekt aus den Atomkraftwerken der vier großen Energiekonzerne RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW, der überwiegende Teil aus Obrigheim. Die Asse hat der Energiewirtschaft tatsächlich bis in die 1980er Jahre hinein als Entsorgungsnachweis für radioaktiven Müll gedient.

Dabei wurden zwischen 1967 bis 1975 keine Gebühren für die Einlagerung der Abfälle erhoben. In dieser Zeit wurde etwa die Hälfte aller Gebinde eingelagert. Ab Dezember 1975 galt dann die „Gebührenregelung für die Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen im Salzbergwerk Asse“. Bis zum Ende der Einlagerung wurden dadurch Einnahmen in Höhe von rund 900.000 Euro erzielt, angesichts der immensen Kosten, die heute jenseits von zwei Milliarden Euro geschätzt werden, ein Tropfen auf den heißen Stein.

Trotzdem scheut sich die Bundesregierung, die Kosten den Verursachern zuzuweisen. Anfang 2009 wurde auf Drängen des Bundesrats beschlossen: „Die Kosten für den Weiterbetrieb und die Stilllegung trägt der Bund“. Die Begründung: Mehr als 30 Jahre nach dem Ende der Einlagerung könnten aus verfassungsrechtlichen Gründen die Energieversorger nicht im Nachhinein für eine Kostenbeteiligung herangezogen werden.

Also zahlt die Zeche mal wieder der Steuerzahler? Der damalige Bundesumweltminister Gabriel wollte die Energiekonzerne anfangs für die Sanierung der Asse zur Kasse zu bitten, nämlich mit Einführung einer Brennelementesteuer. Diese wurde dann 2012 von der schwarz-gelben Regierung im Gegenzug zur Laufzeitverlängerung der AKWs tatsächlich beschlossen. Aber wegen der Rücknahme der Laufzeitverlängerung und dem parteiübergreifenden Atomausstieg nach der Katastrophe von Fukushima 2011 klagten die Atomkonzerne gegen die Brennstoffsteuer. Im Juni 2017 ordnete das Bundesverfassungsgericht die Rückzahlung der Steuergelder an die Atomkonzerne an. Auch durch den Atommüll-Fonds, in den die Atomkonzerne knapp 24 Milliarden Euro für die Zwischen- und Endlagerung von Atommüll einzahlen, werden die Kosten für die Asse-Sanierung nicht abgedeckt. Die Sanierungskosten liegen somit wieder beim Staat. Schon 2012 schrieb das BfS in seinem Mitteilungsblatt „Asse Einblicke“, zur Frage, wer die "mehrere Milliarden Euro" bezahlt: "Nach dem bisherigen Erkenntnisstand (…) wird dies die öffentliche Hand - also der Steuerzahler - sein". Daran hat sich auch bislang nichts geändert.

Überraschungen ohne Ende

Bis heute kamen immer neue Überraschungsmeldungen aus der Asse. Ein Vorläufer der heutigen BayWa bat die Betreiber um Aufnahme ihres Giftmülls, dem gerne nachgekommen wurde. Im Herbst 1967 kamen erstmals anstelle radioaktiven Mülls Fässer mit Pestiziden in die Asse. Dies geht aus dem „Bericht zum chemischen und chemotoxischen Inventar“ aus dem Jahr 2004 hervor, der jetzt erst publik wurde. Demnach lagern in der Asse auch 497 kg Arsen und ein gutes Dutzend Fässer mit einzementierten radioaktiv kontaminierten Tierkadavern aus dem Kernforschungszentrum Jülich. Ob sie aus Tierversuchen stammen, ist noch nicht geklärt. Wenige Tage später kam gleich die nächste Hiobsbotschaft, nämlich dass auch die Bundeswehr missliebige Abfälle in der Asse versenkt hat. Laut BfS sind in 236 Fässern u.a. Armaturen und Kompasse mit radiumhaltigen Leuchtziffern, kontaminiertes Papier oder Mikrowellenröhren eingelagert worden. Im Herbst 2009 schockierte dann die Meldung, dass auch Asche von menschlichen Leichenteilen in der Asse lagert. Sie stamme von zwei Technikern, die 1975 bei einem Unfall im AKW Gundremmingen ums Leben kamen. Wir dürfen gespannt sein, was aus der Asse noch zutage kommt.

Im Mai 2009 tauchte eine Liste auf, die Störfälle beim Einlagern der Fässer beschreibt. Die Liste wurde offenbar eiligst kurz vor Abgabe der Verantwortlichkeit vom alten Betreiber, dem Helmholtz Zentrum, im Dezember 2008 erstellt. Rund 200 Störfälle aus den Jahren 1968 bis 1980 werden dort aufgelistet, überwiegend Kontaminationen aufgrund auslaufender Flüssigkeiten. Dabei hieß es immer, dass es nie Störfälle gegeben hätte.

Klappe zu – Asse tot

Der Betreiber wollte die Asse möglichst schnell schließen. Aus heutiger Sicht verständlich, sollte doch das tatsächlich eingelagerte Inventar niemals an die Öffentlichkeit kommen. Es war vorgesehen, die Schachtanlage per Flutung mit einer Magnesiumchlorid-Lösung ein für allemal zu schließen. Dies ist eine im Bergbau durchaus gängige Methode, nicht aber in Atommüll-Endlagern. Die salzige Flüssigkeit würde die Fässer mit der Zeit auflösen und Radioaktivität ins Grundwasser gelangen. Außerdem wäre eine Rückholbarkeit der radioaktiven Abfälle damit ausgeschlossen gewesen. Diese Pläne sind mit dem Übergang der Verantwortlichkeit auf das BMU vom Tisch.

Ende 2009 lag das Ergebnis der Arbeitsgruppe „Optionenvergleich“ vor: Favorisiert wird die vollständige Rückholung der Abfälle, trotz einer Reihe von Unwägbarkeiten. Unklarheit besteht nicht nur über den Zustand der Fässer, sondern auch über das Schadstoffpotenzial des eingelagerten Inventars sowie die Höhe der möglichen Strahlenbelastung für das Personal. Ein weiterer gefährdender Faktor ist der prekäre Zustand der Grube, eine Einsturzgefahr durch weitere Lösungseintritte ist nicht auszuschließen. Eile ist also geboten. Als Zeitrahmen für eine Rückholung wurden zunächst rund zehn Jahre angenommen, heute spricht das BfS von 30 bis 40 Jahren. Deshalb wurde beschlossen, neben der präferierten Rückholung auch die Option „Vollverfüllung“ weiter zu verfolgen. Dies ist jedoch die zweitbeste Lösung, da ein Langzeitsicherheitsnachweis – also die Sicherheit für nachfolgende Generationen – nicht gegeben werden kann.

Aktuell laufen die Arbeiten zur Erkundung der Einlagerungskammern 7 und 12. Dabei werden die Kammern geöffnet und ausgewählte Gebinde auf ihren Zustand und Inhalt geprüft werden. Die geborgenen Fässer sollen zunächst vor Ort oberirdisch zwischengelagert, neu verpackt und später dann nach Schacht Konrad verbracht werden.

Gesundheitsmonitoring

Auch die Staatsanwaltschaft ist aktiv geworden: Geprüft werden Fälle von mehreren an Krebs erkrankten ehemaligen Mitarbeitern des Atommülllagers Asse, die bei den Berufsgenossenschaften Anträge auf Anerkennung als Berufserkrankung stellten. Das BfS startete Anfang 2009 ein „Gesundheitsmonitoring Asse“ für sämtliche MitarbeiterInnen, die von 1967 bis 2008 in der Asse beschäftigt waren, um die individuelle Strahlenbelastung abzuschätzen und ein damit verbundenes Erkrankungsrisiko zu bewerten. Es sei nicht auszuschließen, dass es in Einzelfällen zu einer erhöhten Belastung gekommen sei.

Das Ergebnis des Monitorings liegt seit Februar 2012 vor. Ergebnis: "Die individuelle Strahlenbelastung durch die Tätigkeit in der Asse war zu gering, als dass nach dem Stand der Wissenschaft dadurch nachweisbar Krebserkrankungen ausgelöst werden konnten." Allerdings sei nach wie vor nicht auszuschließen, dass es bei einigen Beschäftigten, die das Angebot der individuellen Auswertung nicht genutzt haben, zu höheren, nicht dokumentierten Belastungen gekommen sei.

Endlager – wo bist du?
Asse-Gedenkstein

© stadtkatze/Flickr

Asse hat eindrucksvoll bewiesen, dass ein Endlager für die sichere Verwahrung von radioaktivem Müll in weite Ferne gerückt ist. Das muss nun auch das endgültige AUS für Gorleben sein, da es – wie die Asse – ebenfalls ein Salzstock ist. Selbst wenn Gorleben ein noch intakter Salzstock ist, er hat Kontakt zum Grundwasser und kein geschlossenes Deckgebirge. Das sollte Hinweis genug sein, dass Gorleben als Endlagerstandort, wo hochradioaktiver Müll für eine Million Jahre sicher verwahrt werden soll, ungeeignet ist.

Mai 2012 (aktualisiert: November 2017)
Historie der Asse
Vom Kaliabbau zum Atommülllager
Asse-Einfahrt

© stadtkatze/Flickr

1899 wird bei Wolfenbüttel in Niedersachsen der Schacht Asse zum Zweck des Kaliabbaus abgeteuft. Ab 1916 wird auch Steinsalz gewonnen, bis im März 1964 der Salzabbau aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt wird. 1965 übernimmt die Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF, das heutige Helmholtz Zentrum München) das ehemalige Salzbergwerk, um im Auftrag der Bundesregierung die Einlagerung von radioaktivem Müll zu untersuchen.

Das Versuchsendlager Asse II wird 1967 als weltweit erstes unterirdisches Atomlager eröffnet. Es ist als Forschungsprojekt konzipiert und untersteht deshalb dem Bundesforschungsministerium (BMBF). Von 1967 bis Ende 1978 werden im Schacht Asse knapp 126.000 Fässer mit radioaktivem Müll eingelagert, zu Versuchszwecken wie es heißt. Dies entspricht etwa 89.000 Tonnen Atommüll. Der überwiegende Teil der Fässer (124.494 Gebinde) soll schwach radioaktiven Müll und nur etwas mehr als ein Prozent (1293 Gebinde) mittelradioaktiven Müll enthalten. Hochradioaktiver Müll ist laut Angaben der Betreiber nicht eingelagert worden.

Pläne für hochradioaktiven Müll

Tatsächlich gab es Pläne für die Einlagerung hochradioaktiver Abfälle aus Jülich. Im März 1976 erhielt die GSF als Betreiberin der Asse von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) sogar die Genehmigung zur Einlagerung von insgesamt 100.000 kugelförmigen Brennelementen aus dem Versuchsreaktor AVR Jülich. Zur Einlagerung kam es aber nicht mehr. Auf Druck der Bevölkerung lehnte Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) im Mai 1978 das behördeninterne Genehmigungsverfahren ebenso wie die geplante Einlagerung hochaktiver Abfälle in die Asse ab und bestand auf einem ordentlichen Planfeststellungsverfahren. Was sich schließlich erübrigte, da nach Auslaufen der Einlagerungsgenehmigung Ende 1978 Asse nur noch für Versuche genutzt werden sollte, die Erkenntnisse für den Betrieb in Gorleben lieferten.

Ende der 1980er Jahre wurden Planungen von Einlagerungsversuchen hochradioaktiver Abfälle aus den USA bekannt. Im März 1991 stellte die Betreiberin GSF einen Antrag nach §9 Atomgesetz für die Genehmigung eines HAW-Versuchs (Highly Active Waste). Hochradioaktive Gebinde aus der Atomanlage Hanford (USA) sollten versuchsweise in Asse gelagert werden. Aber auch daraus wurde nichts: Im Februar 1992 zog die GSF ihren Antrag für den HAW-Versuch wieder zurück.

Rechtliche Grundlagen
Asse-protest

© Jokerine (formely...)/Flickr

Die in Asse lagernden schwach- und mittelradioaktiven Abfälle sind aufgrund von Umgangsgenehmigungen zunächst des Bergamtes Wolfenbüttel und später des Bergamtes Goslar gemäß der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) von 1965 eingelagert worden. Da ein Teil der Abfälle in geringen Mengen Kernbrennstoffe enthielt, erfolgten die Einlagerungen zusätzlich auf der Grundlage von Aufbewahrungsgenehmigungen der damals zuständigen Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.

Alle Einlagerungsgenehmigungen waren zeitlich befristet, die letzte endete am 31.12.1978. Die Befristungen bezogen sich stets auf die jeweils zum Einsatz kommenden Einlagerungstechniken, nicht auf den Verbleib der Abfälle. Zwischen allen Beteiligten bestand Einvernehmen, dass der eingelagerte Müll auf Dauer in der Asse verbleiben sollte. Dies war rechtlich möglich, weil Umgangsgenehmigungen nach der alten StrlSchV auch die Beseitigung der Abfälle einschlossen.

Im rechtlichen Sinn ist Asse bis heute kein Endlager, sondern ein Forschungsobjekt, in dem die Tauglichkeit von Salzstöcken für die Endlagerung hochradioaktiven Mülls erprobt werden sollte. Faktisch handelt es sich aber um ein Endlager, da eine Rückholbarkeit des radioaktiven Mülls nie vorgesehen war und praktisch auch – wenn überhaupt – nur schwer durchzuführen ist.

Dennoch ist dies die präferierte Option des inzwischen verantwortlichen Bundesamt für Strahlenschutz. Die Arbeiten hierzu sind in Gang. Aufgrund vieler Unwägbarkeiten für eine sichere Rückholung der Abfälle wird aber parallel die zweitbeste Variante verfolgt, eine Vollverfüllung der Grube mit Beton. Letztlich ist es ein Wettlauf mit der Zeit, ob die Rückholung der zum Teil schon durchgerosteten Fässer unter den gegebenen schwierigen Bedingungen gelingen wird.

Mai 2009 (aktualisiert: November 2017)
Infomaterial
1 / n

Strahlende Zukunft?
Schrottmeiler, Neubauprojekte und Subventionen: Ein Überblick über die Atomkraft in Europa

Download (PDF, 356 kB)

Flyer bestellen

Hand in Hand -
Die zivile Atomstromproduktion liefert wichtige Elemente für den Waffenbau.

Download (PDF, 314 kB)

Flyer bestellen

Krebs durch AKW
Das Krebs- und Leukämierisiko nimmt mit der Nähe zu Atomkraftwerken signifikant zu.

Download (PDF, 329 kB)

Flyer bestellen

Giftige Geschäfte fürs AKW
Wer die Atomkraft als „saubere Energieerzeugung“ anpreist, blendet den Pfad von Uranabbau bis hin zur Endlagerung des Atommülls aus.

Download (PDF, 308 kB)

Flyer bestellen

Der atomare Müllberg
Nirgendwo auf der Welt gibt es ein betriebsbereites Endlager für hochradioaktive Abfälle.

Download (PDF, 693 kB)

Flyer bestellen

Unterstützen Sie uns!