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Die Abrüstung der Großmächte führt zur aufrüstung kleiner Atomwaffenstaaten

Atom-Schwarzmarkt floriert

Medienberichte der letzten Monate über Enthüllungen des weltweiten Handels mit Nuklearmaterial hat die Welt aufhorchen lassen und so manch offenes Geheimnis bestätigt: die Existenz einer Reihe von illegalen de facto oder potenziellen Atommächten. Länder wie Indien und Pakistan haben ihren Atommachtstatus längst der Weltöffentlichkeit vor Augen geführt, Israel gilt seit Jahrzehnten als Atomwaffenstaat, was aber von der Regierung nie bestätigt wurde. Andere Länder, wie Nordkorea, Libyen oder Iran haben den Griff zur Bombe über ein verdecktes Nuklearwaffenprogramm eingeleitet. Wie trotz dem Ende der 60er Jahre ausgehandelten Atomwaffensperrvertrag die Entwicklung von Atomwaffen in mehreren Staaten möglich wurde, ist mit der Aufdeckung des pakistanischen Atom-Schwarzmarktes transparenter geworden.

Der Vater der islamischen Bombe

Abdul Qadeer Khan, der „Vater der islamischen Bombe“ und deshalb als pakistanischer Nationalheld gefeiert, hatte in den siebziger Jahren bei der Atomfirma Urenco im holländischen Almelo gearbeitet und mutmaßlich geheime Unterlagen über die Herstellung von hochangereichertem Uran (Blaupausen zum Bau von Zentrifugen) gestohlen, darunter auch eine Liste der Firmen, die Teile für die Atomfabriken bauen konnten. Khan setzte sich damit in seine Heimat ab, um die Bombe zu bauen. In Kahuta nahe der Hauptstadt Islamabad wurde 1976 ein nach ihm benanntes Atomforschungszentrum aufgebaut, vom damaligen Regierungschef Zulfikar Ali Bhutto unterstützt. Als Indien im Mai 1998 vor aller Welt Atomtests durchführte, zog Pakistan dank Khans Hilfe wenige Tage später nach. Die Sprengköpfe für die nukleare Bombe lieferte offenbar das befreundete China, die Trägerraketen wurden von Nordkorea erworben, allem Anschein nach im Tausch gegen Unterlagen und Hochgeschwindigkeits-Zentrifugen, um eine Gas-Ultrazentrifuge (GUZ) zur Urananreicherung zu bauen.
Khan hat inzwischen eingeräumt, in den vergangenen 15 Jahren Iran, Nordkorea und Libyen mit Zeichnungen und Anlagen für den Atombombenbau versorgt zu haben. Angeblich lief die Iran-Hilfe zwischen 1989 und 1991. Lieferungen nach Nordkorea soll es zwischen 1991 und 2000 gegeben haben. Drehscheibe für den Schmuggel war Dubai am Persischen Golf. Kaufleute aus Großbritannien, Sri Lanka, den Niederlanden und auch drei Deutsche stehen im Verdacht, die Lieferungen als Mittelsmänner koordiniert zu haben.
Anfang Februar dieses Jahres wurde Khan seines Ehrenamtes als persönlicher Berater des pakistanischen Präsidenten für nukleare Fragen enthoben, um eine „freie und objektive Untersuchung“ zu ermöglichen. Untersuchungsgegenstand: Wie war es möglich, dass zwischen 1989 und 2000 pakistanische Atomwaffentechnik weiterverbreitet werden konnte?
Obwohl Khan Angelpunkt in diesem Atomskandal ist, wurde er vom pakistanischen Präsidenten Musharraf begnadigt: Khan hatte öffentlich die volle Verantwortung übernommen und die Regierung vom Vorwurf entlastet, den Waffenschmuggel autorisiert zu haben. Stattdessen wurden sieben pakistanische Wissenschaftler quasi als Bauernopfer wegen einer möglichen Weitergabe von Informationen an Iran, Nordkorea und Libyen festgenommen. Allerdings hat Pakistan erklärt, keine internationale Kontrolle seines Atomwaffenprogramms zuzulassen. Die pakistanische Regierung sei aber bereit, die Ergebnisse der eigenen Untersuchung über den Nuklear-Schmuggel der Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA mitzuteilen. Nicht in Frage komme jedoch, dass Waffeninspektoren Zugang in das Land erhielten.

Der Schwarzmarkt mit Zentrum in Pakistan

Seit Anfang der 90er Jahre lagen westlichen Geheimdiensten und der IAEA Informationen vor, dass der pakistanische Atomwissenschaftler Khan möglicherweise mit Hilfe von Mittelsmännern einen Schwarzmarkthandel mit nuklearem Know-how und Nukleartechnik betrieb. Bei Sicherstellung von Dokumenten im Irak war 1992 UN-Inspektoren ein Schreiben des irakischen Geheimdienstes von 1990 in die Hände gefallen, das sich auf Khan bezog und die Umrisse des Schwarzmarkthandels beschrieb: Unter „Top secret“ heißt es, dass Khan über einen Mittelsmann dem Irak Hilfe anbietet, ein Projekt zur Urananreicherung aufzubauen und eine Atomwaffe herzustellen. Er könnte Technik aus westeuropäischen Ländern beschaffen über eine Tarnfirma in Dubai, die ihm gehört. Der Irak ging damals auf diese Offerte nicht ein, der Fund des geheimen Dokuments hatte für Khan keinerlei Konsequenzen.
Im Sommer 2002 schließlich legte US-Außenminister Powell der pakistanischen Regierung Satellitenfotos vor, auf denen eine pakistanische Transportmaschine zu sehen war, die in Nordkorea mit Raketenteilen beladen wurde. Eine heiße Spur war vermutet: Nordkoreanische Raketen im Austausch gegen pakistanische Gas-Ultrazentrifugen (GUZ)! Da Khan als Drahtzieher verdächtigt war, bat Powell, Ermittlungen gegen Khan einzuleiten. Dies lehnte Musharraf ab. Immerhin berief er aber eine neue nationale Behörde ein, die strenger über das pakistanische Atomarsenal wachen und den Handel mit Atomteilen unterbinden sollte. Dennoch wurden gemäß Geheimdienstinformationen bis zum Frühsommer 2003 heimlich Teile für GUZ nach Libyen geliefert. Auch stellte sich heraus, dass in den vergangenen Jahren Atomfabriken in Nordkorea, Libyen und in Iran den alten pakistanischen Anlagen stark ähnelten, die Khan seit den siebziger Jahren in Kahuta gebaut hatte.

Was wusste die pakistanische Regierung?

Pakistan hat eine Weitergabe von Technologie an die drei Staaten Nordkorea, Iran und Libyen vehement bestritten, zugleich aber eingeräumt, dass einzelne Wissenschaftler eine undichte Stelle darstellen könnten. Präsident Pervez Musharraf wurde nicht müde zu behaupten, seine Regierung werde sich an die Verpflichtungen zur Nichtverbreitung von Atomwaffen halten. „Wir sind eine verantwortungsvolle Nation und wir werden niemals die Weitergabe von Atomtechnologie erlauben“, so Musharraf. Die Strategie ist klar: Wenn es doch Atom-Kooperationen gab, kamen sie von geldgierigen Wissenschaftlern, die ohne Wissen der Behörden und mit Hilfe von Firmen agierten. Der deutsche Bundesnachrichtendienst BND geht allerdings davon aus, dass pakistanische Atomwissenschaftler Iran oder Nordkorea nur mit Erlaubnis ihrer Regierung besucht haben. Es gilt als ausgeschlossen, dass Khan nicht in etwaige Projekte einbezogen wurde. In jedem Fall wird der Nationalheld nicht zu greifen sein, denn seine Festnahme wäre ein politisches Risiko für den Präsidenten. Dazu ein hochrangiger deutscher Sicherheitsbeamter: „Da werden Kulissen geschoben“. Zumindest im Fall Pakistan sei ein Schmuggel ohne Wissen von Militär und Mitgliedern der Regierung „unvorstellbar“.
Die Entscheidung, Khan juristisch nicht zu verfolgen, dürfte das Militär und die Regierung Pakistans vor peinlichen Enthüllungen bewahren. Khan hatte im Kreuzverhör gestanden, nukleare Technologie weiterverbreitet zu haben, jedoch betont, dass drei Generalstabschefs, unter ihnen General Musharraf selbst, über den Waffenschmuggel informiert gewesen seien. Sogar Militärexperten in Pakistan halten es für ausgeschlossen, dass atomare Waffentechnik ohne Wissen des mächtigen militärischen Geheimdienstes außer Landes geschafft werden konnte.
Verantwortung für das A-Waffenprogramm tragen alle Politiker und Militärs, die während der mehr als drei Jahrzehnte, in denen Khan an der Bombe bastelte, führende Positionen besetzten. Auch Präsident Musharraf selbst. 1994, als das Tauschgeschäft mit Nordkorea stattfand, gehörte er bereits dem Generalstab an. Vier Jahre später stieg er zum Militärchef auf. Mit einem Putsch übernahm Musharraf 1999 die Macht – und der nukleare Waffenschmuggel lief ungebremst weiter.

Mein Freund, der Schurkenstaat
Atombombe vom Hiroshima-Typ

Atombombe vom Hiroshima-Typ.
© Dake/Wikimedia Commons

Während die amerikanische Regierung in den vergangenen Jahren ohne ausreichende Belege vor dem angeblich drohenden irakischen Atompilz warnte, vertrieb einer der wichtigsten Partner der USA im Anti-Terror-Krieg die Atomwaffentechnologie und entpuppte sich als „Schurkenstaat“. Die pakistanische Regierung will davon nichts gewusst haben, doch das klingt wenig glaubwürdig. Der Fall zeigt, dass eine Einteilung der Welt in Gut und Böse die Probleme nicht löst. Die Guten von heute können die Bösen von morgen sein.
Machenschaften wie die Tauschgeschäfte mit Nordkorea – Raketen gegen Anlagen zur Urananreicherung – waren der Staatsführung in Islamabad seit jeher dienlich, und die USA schauten darüber jahrzehntelang hinweg, weil sie Pakistan als Verbündeten brauchten in den Afghanistan-Kriegen.

Weitere „Schurkenstaaten“ - Nordkorea

1994 hat Nordkorea im Austausch gegen Energie- und Wirtschaftshilfen zugesichert, sein Atomprogramm einzustellen, dann aber heimlich weiter an Nuklearwaffen gearbeitet. Nachdem die Regierung mit Geheimdienstmaterial über ein Programm zur Urananreicherung konfrontiert worden war, verwies sie im Oktober 2002 die Inspektoren der IAEA des Landes. Seither hatte Nordkorea einen 5-MW-Versuchsreaktor in Yongbyon wieder angefahren und behauptet, die 8000 dort gebrauchten Brennstäbe wiederaufbereitet zu haben. Nordkorea bot einen Stopp seines Atomprogramms an, sollten die USA zu Energielieferungen und anderen Zugeständnissen bereit sein. Eine Überprüfung des nordkoreanischen Atomkomplexes von Yongbyon durch amerikanische Experten ergab, dass Nordkorea waffenfähiges Plutonium oder gar eine Atomwaffe produzieren könne. Offenbar hätten die Nordkoreaner damit die Absicht verfolgt, die Amerikaner mit „ihren nuklearen Fähigkeiten zu beeindrucken“. Eine klare Aussage über das tatsächliche Potenzial Nordkoreas sei derzeit aber nicht möglich. Ob und wie viel Plutonium das Land besitzt, ist Gegenstand heftiger Spekulationen. Anfang 2003 trat Nordkorea aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Dies alles deutet eher auf ein Pokerspiel hin: eine mögliche Verhandlungstaktik, um Unterstützung aus Washington zu erpressen.

- Libyen

Wer weiß, was so alles auf Containerschiffen transportiert wird?
© chrisberic / Fotolia.com

Mit dem Stopp eines deutschen Schiffes mit Atomfracht auf dem Weg nach Libyen im Herbst 2003 wurde ein weiterer Nuklearschmuggelpfad aufgedeckt: Teile für den Bau einer Gas-Ultrazentrifuge wurden in Dubai geladen und gingen auf Kurs nach Tripolis. Angeblich wussten weder Reederei noch Besatzung davon, aus den Frachtpapieren ging die eigentliche Ladung nicht hervor.
El Baradei, Chef der IAEA, gewann als Eindruck nach einer Inspektion in Libyen, dass sich das Atomprogramm zwar noch in einem sehr frühen Stadium befand, aber das Land auf dem Weg war, Atommacht zu werden.
Kurz vor Weihnachten hatte sich der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi bereit erklärt, seine Massenvernichtungsprogramme aufzugeben. Nach monatelangen Verhandlungen mit Washington und London unterzeichnete Gaddafi am 6. Januar den Vertrag über das Verbot von Atomtests. Untersuchungen ergaben, dass Libyen nicht nur Gas-Ultrazentrifugen auf dem Schwarzmarkt erworben hat, sondern auch Pläne zum Bau eines Atomsprengkopfes. Libysche Regierungsvertreter hätten den USA die Pläne ausgehändigt. Die Zeichnungen von Atomsprengköpfen sollen denen ähneln, die China in den 60er Jahren verwendet und dann an Pakistan weitergereicht hat. Nach Erkenntnissen der IAEA war Libyen sogar zur Produktion von waffenfähigem Plutonium in der Lage.
Inzwischen hat Libyen alle bekannten verbliebenen Bestandteile seines Atomwaffenprogramms in die USA verschifft. Zu dem Material gehörten neben Bauteilen von Zentrifugen zur Anreicherung von Uran auch alle Langstreckenraketen des Landes, sowie dazugehörige Abschussrampen.

- Israel

Seit Ende der 60er Jahre gilt Israel als Atomwaffenstaat, obwohl die Regierung dies bis heute weder bestätigt aber auch nie dementiert hat. Bereits kurz nach der Staatsgründung 1948 widmete sich Israel der Entwicklung von Atomwaffen. Dahinter stand – und steht bis heute – die Überzeugung, dass nach dem Holocaust alle Maßnahmen gerechtfertigt seien, um das Überleben von Israels Juden zu sichern. Offenbar wurden hier aufgrund historischer Verantwortung Maßstäbe weniger restriktiv angesetzt als gegenüber anderen Staaten.
Das Schweigen der Regierung wird damit begründet, dass durch ein Eingeständnis des Atomwaffenbesitzes auch Israels Feinde aufrüsten würden. Inoffiziell argumentiert Israel, die Waffen würden nur zur Verteidigung eingesetzt.Im Irak-Krieg hat Israel mit atomaren Vergeltungsschlägen gedroht, sollte Saddam Hussein Israel erneut angreifen.

- Iran

Die USA werfen Iran vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Die Beweise für den Griff nach der Bombe sind erdrückend: 1) Iran hat zielstrebig an einer atomaren Infrastruktur einschließlich der Uran-Anreicherung gebaut, wie sie für die Entwicklung von Atomwaffen gebraucht wird, 2) überzeugt die Argumentation des erdölreichen Landes nicht, es wolle die Nuklearkraft nur zur Stromgewinnung, 3) hat Teheran die internationalen Atomkontrolleure zwei Jahrzehnte lang systematisch getäuscht und belogen. Inzwischen hat Iran den Kauf von nuklearen Bauteilen von Mittelsmännern bestätigt. Auf internationalen Druck hin will Iran nun das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterschreiben, das verschärfte Kontrollen in den Atomanlagen vorsieht. Nach IAEA-Angaben hat Iran auch kleine Mengen Plutonium als Teil eines verdeckten Atomprogramms hergestellt.
Neuere Hinweise deuten an, dass Iran offenbar intensiver am Bau von Nuklearwaffen geforscht hat, als es die Regierung bislang zugegeben hat. Nach Ermittlungen der IAEA soll Polonium hergestellt worden sein, das eine Kettenreaktion auslösen kann. Damit sind ein weiteres Mal Zweifel an der Glaubwürdigkeit der iranischen Behörden entstanden.
Das Projekt Urananreicherung wurde zwar auf Druck der IAEA im November 2003 eingestellt bzw. „vorübergehend ausgesetzt“. Nun hat Iran angekündigt, die Urananreicherung nach Beendigung des Konflikts mit der IAEA wieder aufzunehmen.

- Saudi Arabien

Auf der Käuferseite von Nuklearmaterial werden weiter vor allem arabische Staaten verdächtigt. Weitgehend gesichert ist eine Beteiligung von Saudi Arabien, das das pakistanische Atom-Programm „zu einem nicht unerheblichen Teil finanziert hat“. Es wird geargwöhnt, dass die Saudis eine Option auf die Bombe erhalten haben, „wenn sie das Verlangen danach verspüren“. Im Fall des Falles müsse Riad sich erst gar nicht mühsam die einzelnen Komponenten für ein eigenes Nuklearprogramm zusammen suchen. „Die Saudis hätten genügend Geld, um fertige Atomwaffen zu kaufen“, so Oliver Thränert, Chef der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.
Als Optionen würden von der saudi-arabischen Regierung drei Möglichkeiten geprüft: 1) Beschaffung eigener Atomwaffen, 2) ein Bündnis mit einer Atommacht, 3) die Aushandlung eines regionalen Abkommens über eine atomwaffenfreie Zone im Nahen Osten.
Als weitere „Verdächtige“ gelten Syrien, wobei der Informationsstand hier sehr unklar ist; Ägypten strebe angeblich für den Fall nach Nuklearwaffen, dass Iran solche erlangt; und schließlich Algerien, das „einmal einen merkwürdigen Forschungsreaktor betrieben habe, von dem man nicht wusste, welchem Zweck er diente“, so Thränert.

Auch Deutschland involviert

Deutschland gilt zwar nicht als „Schurkenstaat“, hat aber doch einen gewissen Anteil am illegalen Handel mit Atomwaffenmaterial. So hat Deutschland beispielsweise Israel die Waffenplattform zum Abschuss atomar bestückter Flugkörper geliefert. Andere Länder wie Ägypten oder Taiwan hätten diese U-Boote sicher nicht bekommen, selbst bei der Türkei hätte es Diskussionen gegeben.
Die in Iran und Libyen entdeckten Anlagen zum Bau von Atomwaffen kamen zwar aus Pakistan, aber das Design ist deutsch. Beide Länder setzten auf die GUZ-Technik, wie sie in den 50er und 60er Jahren von dem deutschen Ingenieur Gernot Zippe (s. Kasten) entwickelt worden ist.
Laut IAEA sollen Firmen, Geschäftsleute und Mittelsmänner aus acht Ländern in den Skandal um die Weitergabe von pakistanischer Atomtechnologie an Iran, Libyen und Nordkorea verwickelt sein. Mindestens sechs Deutsche waren an Beschaffungen für das pakistanische Nuklearprogramm beteiligt. Drei von ihnen tauchten angeblich auch im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm als angebliche Mittelsmänner Khans auf. Zwei Männer aus Deutschland sollen den Pakistanern Technologie geliefert oder dies versucht haben. Einer davon hat im November 2003 ein Alpha-Gamma-Spektrometriesystem an eine pakistanische Firma geliefert. Außerdem hat er beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle beantragt, vier Kalibrierquellen nach Pakistan liefern zu dürfen. Die Ermittler halten es für möglich, dass die Technik in beiden Fällen dem pakistanischen Atomprogramm dienen sollte. Als zweiter Mann wurde 1998 ein schwäbischer Geschäftsmann verurteilt: Er hatte Komponenten für GUZ geliefert. Die Ware hatte er unter anderem als Kugelschreiberhülsen deklariert.

Selbst IAEA fordert Kurswechsel

Auch der Chef der IAEA, El-Baradei, sieht ein Ansteigen der nuklearen Weiterverbreitung. Irgendwann werden Kernwaffenmaterial und -technik, wenn nicht gar eigentliche Kernwaffen, unweigerlich Terroristen in die Hände fallen: „Wenn wir den Kurs nicht wechseln, riskieren wir die Selbstzerstörung.“
Die IAEA räumt ein, dass der Kampf gegen die Bombe schwer zu gewinnen ist: „Solange es fünf Atommächte (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) gibt, die nicht unbedingt ihren Abrüstungsverpflichtungen nachkommen, solange ist es schwierig, ein wirkungsvolles System durchzusetzen“, so El-Baradei. Die Gefahr eines Atomkrieges war „noch nie so groß wie heute“. „Da werden in dem einen Land Pläne gezeichnet, in einem anderen Zentrifugen produziert, die über einen dritten Staat verschifft werden – an einen unklaren Endabnehmer. Beteiligt sind geschäftstüchtige Nuklearexperten, skrupellose Firmen, womöglich auch Staatsorgane. Offensichtlich haben die internationalen Exportkontrollen in den letzten Jahren völlig versagt“. Die von den USA derzeit entwickelten „Mini-Nukes“ könnten zudem die Hemmschwelle für einen nuklearen Vernichtungsschlag senken.
Mit Bau der Atom-Miniwaffen verstoßen die USA genauso gegen den Geist des Abrüstungsversprechens. Ebenso mit ihrer Weigerung, den nuklearen Teststoppvertrag zu ratifizieren. Die Katze beißt sich hier in den Schwanz: Amerika begründet die Mini-Atomwaffen mit der Existenz von Nuklearprogrammen in den „Schurkenstaaten“, diese wiederum begründen ihre Programme mit der Neuauflage von Atomwaffen in den USA, da sie dadurch ihre Existenz bedroht sehen.
Die Zeit des kalten Krieges, mit einer mehrfachen Overkill-Kapazität in Ost und West, ist zwar vorbei. Das Arsenal der Großmächte wird langsam verkleinert, aber sicherer ist die Welt deshalb nicht geworden. Im Gegenteil: Seit aus dem gewaltigen Reservoir der ehemaligen Sowjetunion Nuklearmaterial illegal abgezweigt und ein florierender Schwarzmarkt damit eingeführt wurde, hat das Problem der Proliferation an Brisanz zugenommen. Letztlich führt die Abrüstung der Großmächte über die Proliferation, den illegalen Handel und der Weiterverbreitung von Atomwaffenmaterial, zur heimlichen Aufrüstung kleinerer Staaten.

Quellen: SZ, taz.

Umweltnachrichten, Ausgabe 99 / April 2004
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