Facebook .
Twitter .
Menü
Home  trenner  Themen  trenner  Radioaktivität  trenner  Deutsche Atompolitik
Radioaktivität

Deutsche Atompolitik

Atomei

© Vuxi / Creative Commons

Die „Atoms for Peace“-Kampagne von US Präsident Eisenhower hat 1953 die zivile Nutzung der Atomtechnik eingeläutet.  Zwei Jahre später wurde in Deutschland das Bundesministerium für Atomfragen gegründet. Erster und einziger „Atomminister“ war Franz-Josef Strauß, der sich massiv für den Ausbau der Atomkraft einsetzte. Um Deutschland wissenschaftlich-technisch nicht ins Hintertreffen geraten zu lassen, ließ er sich schon 1955 von der Notwendigkeit eines Forschungsreaktors in Bayern überzeugen. Der FRM I in Garching, das „Atomei“, wurde in den USA bestellt und konnte als erste nukleare Anlage in Deutschland 1957 seinen Betrieb aufnehmen.

Neben einigen weiteren Versuchskraftwerken startete 1961 mit Kahl das erste Atomkraftwerk und 1969 auf demselben Gelände der Heißdampfreaktor Großwelzheim, beide mittlerweile stillgelegt und rückgebaut. Der Bauboom hielt an, bis 1986 Tschernobyl die Risiken der Atomkraft vor Augen führte. Danach brach der Ausbau weltweit ein. Als letzte AKWs gingen in Deutschland Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 in den Jahren 1988/89 ans Netz.

Der größte Plan, eine Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und damit der Zugang zu Atomwaffen-Material, die Strauß als bayerischer Ministerpräsident verfolgte, scheiterte 1988. Massive Proteste und bürgerkriegsähnliche Zustände während des Wackersdorfer Widerstands sowie die Tschernobyl-Katastrophe haben dazu beigetragen.

Kühlturm

© wlad074 / Fotolia.de

Deutschland reagierte auf Tschernobyl erst im Jahr 2000 mit dem Atomausstieg, der als „Atomkonsens“ der Rot-Grünen Bundesregierung zusammen mit den Energiekonzernen besiegelt wurde. Es wurden Reststrommengen vereinbart, die bis zur Abschaltung der Meiler noch erzeugt werden durften. Gleichzeitig wurde die Wiederaufarbeitung der abgebrannten Brennelemente im Ausland verboten. Als Ersatz wurden an allen AKW-Standorten Zwischenlager für die trockene Lagerung der abgebrannten Brennelemente errichtet. Nach einer Betriebszeit von 40 Jahren sollen die Brennelemente in ein dann zur Verfügung stehendes Endlager verbracht werden, so jedenfalls die Idee.  

Nach dem Regierungswechsel hin zu Schwarz-Gelb im Herbst 2010 erfolgte der Ausstieg vom Ausstieg. Die AKW-Betreiber bekamen ein lang ersehntes Geschenk: eine Laufzeitverlängerung für ihre Atomkraftwerke um durchschnittlich 12 Jahre. Als Gegenleistung wurde eine zur Finanzierung der Energiewende zu zahlende Brennstoffsteuer festgelegt. Das Neubauverbot blieb bestehen.

Fukushima

© Thomas Becker / Fotolia.de

Doch die Freude währte nicht lange. Die Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 führte zu einem Gesinnungswandel von Kanzlerin Merkel, völlig überraschend wurde die Laufzeitverlängerung zurückgenommen und die Kriterien für den erneuten Atomausstieg neu festgelegt, diesmal zwar parteiübergreifend, aber ohne Einwilligung der Betreiber. Die sieben ältesten Atomkraftwerke und der Pannenreaktor Krümmel mussten sofort vom Netz gehen.

Die Atomkonzerne klagten daraufhin auf Schadenersatz, sie beklagen die immensen Verluste der plötzlichen und unerwarteten Stilllegungen. Anstatt bereits nach dem ersten Atomausstieg im Jahr 2000 ihren Kraftwerkpark umzustellen und auf erneuerbare Energien zu setzen, hielten sie an der Atomkraft fest. Ihr falsches Geschäftsmodell führte zu nicht ausgelasteten Großkraftwerken und niedrigen Erlösen, die Energiewende nahmen die Bürger selbst in die Hand. Es war ein Fehler darauf zu bauen, dass die erneuerbaren Energien über ein Nischendasein mit einem kleinen Prozent-Anteil bei der Stromerzeugung nie hinaus kommen werden. Ebenso war es eine Fehlentscheidung, in den Bau so vieler neuer Kohlekraftwerke zu investieren, die heute nicht mehr  gebraucht werden. Die derzeitige Misere ist selbst verschuldet.  

Derzeit  stehen allerdings auch für die Erneuerbaren die Zeichen auf Sturm. Sie werden von der Politik massiv ausgebremst – zugunsten von Kohle- und Atomstrom. Ein Wiedererstarken dieser klimaschädlichen und riskanten Stromerzeugung darf es aber nicht geben.

Stand: März 2014
Infomaterial
1 / n

Strahlende Zukunft?
Schrottmeiler, Neubauprojekte und Subventionen: Ein Überblick über die Atomkraft in Europa

Download (PDF, 356 kB)

Flyer bestellen

Hand in Hand -
Die zivile Atomstromproduktion liefert wichtige Elemente für den Waffenbau.

Download (PDF, 314 kB)

Flyer bestellen

Krebs durch AKW
Das Krebs- und Leukämierisiko nimmt mit der Nähe zu Atomkraftwerken signifikant zu.

Download (PDF, 329 kB)

Flyer bestellen

Giftige Geschäfte fürs AKW
Wer die Atomkraft als „saubere Energieerzeugung“ anpreist, blendet den Pfad von Uranabbau bis hin zur Endlagerung des Atommülls aus.

Download (PDF, 308 kB)

Flyer bestellen

Der atomare Müllberg
Nirgendwo auf der Welt gibt es ein betriebsbereites Endlager für hochradioaktive Abfälle.

Download (PDF, 693 kB)

Flyer bestellen

Unterstützen Sie uns!