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Einwendung gegen Ausbau der Urananreicherungsanlage Gronau

Erweiterung mit Atomausstieg nicht vereinbar

Gegen das geplante Vorhaben der Urenco Deutschland GmbH, die bestehende Urananreicherungsanlage in Gronau (UAG) auszubauen, hat das Umweltinstitut München e. V. Einspruch erhoben.
Die Urananreicherungsanlage Gronau mit dem geplanten Ausbau (hellbraun). Quelle: Urenco Deutschland GmbH

Die Urananreicherungsanlage Gronau mit dem geplanten Ausbau (hellbraun). Quelle: Urenco Deutschland GmbH

Im nordrhein-westfälischen Gronau, nahe der niederländischen Grenze, wird Uran angereichert, das zur Brennstoffversorgung von Atomkraftwerken dient. Gemäß Antrag soll die Kapazität der Anlage um das zweieinhalbfache erhöht werden, obwohl der im Jahr 1997 zuletzt genehmigte Ausbau noch nicht einmal abgeschlossen ist.

Historie

Im März 1970 unterzeichneten Deutschland, die Niederlande und Großbritannien den „Vertrag von Almelo“, der die Grundlage für eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung und dem industriellen Einsatz des Zentrifugenverfahrens zur Urananreicherung bildete. 1971 gründeten British Nuclear Fuels plc (BNFL), Ultra-Centrifuge Nederland N.V. (UCN) und die deutsche Uranit GmbH zu gleichen Anteilen Urenco Ltd für die Vermarktung der Produktion ihrer Zentrifugenanlagen. Mitte der 70er Jahre wurden an den Standorten Almelo in den Niederlanden und Capenhurst in Großbritannien die ersten Urananreicherungsanlagen errichtet. Die deutsche Urananreicherungsanlage in Gronau ging 1985 in Betrieb, nachdem 1978 die Entscheidung für Gronau als Standort in Deutschland für die dritte Anreicherungsanlage der Urenco ausgewählt wurde. Die Anlage wurde damals bereits für eine Kapazität von 5000 Tonnen Urantrennarbeit pro Jahr (t UTA/a) ausgelegt, erreichte aber 1998 zunächst eine Kapazität von 1000 t UTA/a. Aufgrund einer Erweiterungsgenehmigung aus dem Jahr 1997 wird die Anlage derzeit ausgebaut und soll bis zum Jahr 2004 mit einer Kapazität von 1800 t UTA/a abgeschlossen werden. Derzeit leistet sie ca. 1400 t UTA/a.

Notwendigkeit des Ausbaus nicht gegeben

Die Antragstellung zum „Endausbau“ der Urananreicherungsanlage erfolgte im September 1998, also bereits ein Jahr nach der Erweiterungsgenehmigung, geändert und ergänzt im April 2001 und im Dezember 2002. Eine Dringlichkeit der Erweiterung der Anlage ist nicht zu ersehen, zumal der Ausbau der letzten Genehmigung von 1997 noch nicht einmal abgeschlossen ist. Gemäß jetzigem Antrag soll die Kapazität der Anlage auf 4500 t UTA/a mehr als verdoppelt werden, vom derzeitigen Stand aus gesehen sogar auf das mehr als dreifache. Mit dieser Menge könnten 37 bis 38 Atomkraftwerke mit einer elektrischen Nettoleistung von 1300 Megawatt pro Jahr versorgt werden. Dies entspricht einem großen AKW wie z.B. Brokdorf. (Zum Vergleich: In Deutschland sind derzeit 19 AKWs am Netz.)

Die Notwendigkeit des jetzt beantragten Ausbaus der UAG auf eine Kapazität von 4500 t UTA/a ist nicht nachvollziehbar, zumal erwähnt ist, dass auch die beiden anderen Standorte der Firma Urenco, Almelo und Capenhurst, ausgebaut werden. In der Kurzbeschreibung des Endausbaus wird erwähnt, dass „der Weltmarkt auf absehbare Zeit nicht wachsen wird”, an anderer Stelle wird gesagt, dass die Kapazität „aufgrund der Auftragslage“ erweitert werden „muss“. Nicht nur Deutschland hat sich gesetzlich dazu verpflichtet, die Stromproduktion mittels Atomkraft auslaufen zu lassen, auch andere europäische Länder haben den Atomausstieg erklärt oder die Atomenergienutzung gar nicht erst begonnen. Ein erhöhter Bedarf nach Brennstoff für Atomkraftwerke ist europaweit nicht erkennbar. Außerdem würde eine Kapazitätserhöhung der Urananreicherungsanlage aus einem Land, das den Atomausstieg explizit erklärt und gesetzlich verankert hat, das völlig falsche Signal setzen.

Mehrfach wird als Argument für die Erweiterung die Brütertechnologie herangezogen und als „neue technologische Entwicklung“ dargestellt. Stand von Wissenschaft und Technik ist aber, dass die Brütertechnologie weltweit an Bedeutung verliert. Deutschland hat sich mit der Aufgabe des Projekts Kalkar von dieser Technologie verabschiedet, auch Frankreich hat den Meiler Phénix aus dem Programm genommen.

Widersprüchliche Angaben

Die Angaben im Sicherheitsbericht sind zum Teil widersprüchlich. Der gravierendste Widerspruch zeugt von der Unseriosität der Antragsteller: Einerseits wird ein Unfallszenario skizziert, das Schädigungen bis hin zur Todesfolge verursachen kann, andererseits wird erwähnt, dass nicht nur im bestimmungsgemäßen Betrieb, sondern auch bei allen Störfällen keine Schädigungen von Menschen außerhalb der Anlage möglich sind.

Anlage auch militärisch nutzbar

Eine Urananreicherungsanlage ist eine so genannte „dual-use“ Anlage. D.h., sie kann sowohl für zivile Zwecke zur Herstellung von Atomreaktor-Brennstoff mit niedrig angereichertem Uran, als auch für militärische Zwecke zur Herstellung von Atomwaffen mit hoch angereichertem Uran eingesetzt werden. Damit stellt die Anlage ein grundsätzliches Sicherheitsrisiko dar und kann auch als mögliche terroristische Zielscheibe nicht ausgeschlossen werden, schon gar nicht seit den Attentaten des 11. September 2001.

So stellt z.B. das Uranoxidlager ein großes Gefahrenpotenzial dar: Bei Vollbelegung können dort bis zu 50.000 Tonnen Uranoxid, vierfach gestapelt, gelagert werden. Eine Freisetzung von Radioaktivität nach einem Unfall kann hier nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere ist mit den Freilagerstätten von so genannten Feed (Uran-Ausgangsmaterial für den Anreicherungsprozess, in Form von Uranhexafluorid UF6) und Tails (durch den Anreicherungsprozess erzeugtes Material) die Gefahr, dass aufgrund eines gezielten Terroranschlages oder eines Flugzeugabsturzes durch Aufprall und/oder einem möglichen, lang anhaltenden Kerosinbrand die Behälter bersten, gegeben. Vermutlich im Sommer oder Herbst dieses Jahres wird der im atomrechtlichen Verfahren vorgesehene Erörterungstermin stattfinden. Über den weiteren Verlauf werden wir Sie in den Umweltnachrichten informieren.

Aus unserer Mitgliederzeitschrift Umweltnachrichten, Heft 98 / Mai 2003

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