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Atomunfall in Fukushima

Japan senkt Grenzwerte für Radioaktivität in Lebensmitteln

April 2012:
Milch

© Lupo / pixelio

Ein Jahr nach der Atomkatastrophe in Fukushima senkt Japan die Grenzwerte für Radioaktivität in Lebensmitteln. Die neue Regelung trat am 1. April 2012 in Kraft und gilt vorläufig bis zum 31. Oktober 2012. Wir informierten darüber in unserer Pressemitteilung am 30. März 2012 . Inzwischen hat die EU nachgezogen und mit der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 284/2012 die Grenzwerte für die Einfuhr von japanischen Lebensmitteln entsprechend gesenkt.

Demnach gelten ab 1. April Höchstwerte für japanische Milch und Babynahrung von 50 Becquerel Gesamt-Cäsium pro Kilogramm (Bq/kg) statt bislang 200 Bq/kg, für Trinkwasser 10 Bq/l statt vorher 200 Bq/l und für alle anderen Lebensmittel 100 Bq/kg statt zuvor 500 Bq/kg – mit einigen Ausnahmen wie z.B. Soja und Reis. Bei Reis und Reisprodukten gilt eine Übergangsfrist bis Ende September, so dass der bisherige Wert von 500 Bq/kg bleibt und erst mit der Ernte nach dem Stichtag auf 100 Bq/kg gesenkt wird. Bei Soja und Sojaprodukten bleibt die alte Höchstgrenze von 500 Bq/kg ohne Befristung.

Für Jodisotope wurden die Grenzwerte Ende Dezember 2011 aufgehoben, da Jod-131 aufgrund der kurzen Halbwertszeit von 8 Tagen inzwischen zerfallen ist. Da es laut EU nur sehr begrenzte oder gar keine Emissionen von Strontium-90, Plutonium-239 und Americium-241 gab, in den letzten Monaten keine Radioaktivität mehr freigesetzt wurde und auch keine weitere Freisetzung erwartet wird, fallen auch diese Grenzwerte in der neuen Verordnung weg.

Zeitgleich mit den Lebensmitteln wurden auch die Höchstgrenzen für Futtermittel gesenkt. Anfangs gab es für alle Tiere nur zwei Werte – 500 Bq/kg für Gesamt-Cäsium und 2000 Bq/kg für Jod-Isotope. Analog zu den Lebensmitteln wurde der Grenzwert für Jod gestrichen. Es bleiben Futtermittel-Höchstwerte für Gesamt-Cäsium, die aber je nach Tiergattung differieren: für Kühe und Pferde 100 Bq/kg, für Schweine 80 Bq/kg, für Geflügel 160 Bq/kg und für Fische 40 Bq/kg.

Durchführungsverordnung (EU) 2016/6 der Kommission vom 5. Januar 2016.

Die aktuellen Tabellen finden Sie im Anhang I der Durchführungsverordnung

Damit genießen die japanischen Tiere einen besseren Schutz als EuropäerInnen: Seit 1986 gelten in der EU Gesamt-Cäsium-Grenzwerte für Säuglingsnahrung, Milch und Milchprodukte von 370 Bq/kg und für alle anderen Nahrungsmittel von 600 Bq/kg. Die so genannten Tschernobyl-Grenzwerte sind damit nicht nur deutlich höher als die japanischen, sie sind auch höher als die Grenzwerte in der Ukraine oder in Weißrussland. Gemüse z.B. darf in der Ukraine nur mit maximal 40 Becquerel Cäsium pro Kilogramm belastet sein, in Weißrussland mit 100 Bq/kg. Bei uns dagegen dürfen solche Lebensmittel – ausgenommen der japanischen – bis zu einer Belastung von 600 Bq/kg in den Handel kommen.

Es ist höchste Zeit, dass die viel zu hohen Tschernobyl-Grenzwerte drastisch gesenkt werden. Eine Harmonisierung der EU-Werte ist allein schon deshalb unabdingbar, damit nicht verstrahlte Lebensmittel aus zum Teil noch hoch belasteten Regionen bei uns in den Handel kommen, die in den Ursprungsländern nicht verkauft werden dürfen!

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Japan
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