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18 Jahre nach Tschernobyl

EU-Grenzwerte und radioaktive Belastung von Lebensmitteln

Vor nunmehr 18 Jahren, am 26. April 1986, ereignete sich der Reaktorunfall in Tschernobyl.
Strahlenzeichen

Und auch wir, die wir uns in der weit entfernten BRD in Sicherheit gewähnt hatten, mussten erkennen, dass erstens Atomkraftnutzung gefährlich ist und zweitens Radioaktivität keine Grenzen kennt. Die Europäische Gemeinschaft reagierte ca. zwei Wochen nach Bekanntwerden des Unfalls mit Einfuhrverbot von Agrarerzeugnissen und dann mit Höchstwerten für Nahrungsmittel. Die Höchstwerte sollten die Verbraucher in der Gemeinschaft nur vor radioaktiv kontaminierten Lebensmitteln aus Drittländern schützen. Obgleich die bis heute hohen Kontaminationen, insbesondere bei Waldprodukten bekannt sind, hat es die EU erst jetzt geschafft, eine Empfehlung auszusprechen, die auch bei heimischen Produkten die Einhaltung der Höchstwerte fordert. Und dies auch nur, weil sonst aufgrund des Beitritts einer Reihe „verdächtiger“ osteuropäischer Länder hoch belastete Lebensmittel EU-weit ganz legal verkauft werden könnten.

Bewältigung der Tschernobylfolgen
Wildschweine und ...

Wildschweine und... (© www.naturfoto-schliersmann.de)

Direkt nach dem Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl reagierte die EWG mit der Verordnung 1388/86 vom 12.5.86 (1) und erließ ein vorläufiges Einfuhrverbot von Agrarerzeugnissen aus durch den radioaktiven Niederschlag stark kontaminierten Drittländern. Sie sah sich dazu gezwungen, weil bestimmte Mitgliedstaaten der EWG im Interesse des Verbraucherschutzes entsprechende Einfuhrverbote erlassen oder Kontrollen bei Waren aus den Drittländern des verseuchten Gebiets angeordnet hatten. Die Verordnung war bis zum 31.5.86 gültig.

Abgelöst wurde das Einfuhrverbot von einer Regelung (Verordnung 1707/86 vom 30.5.86 (2)), die die Wiederaufnahme der Einfuhren nach „gemeinsamen Modalitäten“ gestattet. Im Eilverfahren wurden „vorläufige maximale Grenzwerte“ für Gesamtcäsium (Cs-134 und Cs-137) festgelegt, nämlich 370 Bq/kg für Milch und Babynahrung und 600 Bq/kg für alle anderen betroffenen Erzeugnisse. Erklärtes Ziel war es, die Gesundheit der Verbraucher zu schützen, die Einheit des Marktes ohne ungebührende Beeinträchtigung des Handels zwischen den Ländern der Europäischen Gemeinschaft und den betroffenen Drittländern zu erhalten und Verkehrsverlagerungen zu verhindern.

Pfifferlinge

...Pilze sind mancherorts noch stark radioaktiv belastet (© Hacker)

Dieser neuen Verordnung 1707/86 sollte noch eine Vielzahl von Verordnungen folgen, die die Bedingungen für die Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus Drittländern festlegen. Die Tatsache, dass die radioaktive Belastung bestimmter landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus den am stärksten von dem Unfall betroffenen Gebieten die vorgegebenen Höchstwerte weiterhin überschritt, hat die Kommission der Europäischen Gemeinschaft immer wieder veranlasst, die Grenzwertregelungen zu verlängern, zuletzt am 1. April 2000 (9, Umweltnachrichten 87/2000). Während anfangs Verlängerungen von einigen Monaten üblich waren, wurde zuletzt eine Verlängerung um 10 Jahre, also bis zum Jahr 2010 ausgesprochen (3 - 9). Erst langsam wuchs scheinbar die Erkenntnis, dass die radioaktive Belastung von Lebensmitteln in Folge des Unfalls von Tschernobyl kein kurzfristiges sondern ein langfristiges Problem ist.

Bis Oktober 1987 ging man davon aus, dass die Rechtfertigung der vorübergehenden höchstzulässigen Grenzwerte aufgrund von möglichst vollständigen wissenschaftlichen Daten überprüft werden müsse. Davon war später nicht mehr die Rede. Die Grenzwerte blieben bis heute unverändert, da sie sich angeblich als „wirksame gemeinsame Grundlage“ erwiesen haben. Geändert hat sich nur die Liste der Erzeugnisse, auf die die Verordnung Anwendung findet. Denn gewisse landwirtschaftliche Erzeugnisse sind nicht mehr oder nur noch gering radioaktiv belastet. Die aktuelle Liste der Erzeugnisse (10) enthält vor allem alle Arten von Fleisch und Fleischprodukten, Milch und Milchprodukte, sowie bestimmte Gemüse, Früchte, Pilze und Beeren in verschiedenen Zubereitungsformen. Analog zu den Vorgaben für Trockenmilchprodukte gelten jetzt die Höchstwerte auch für sämtliche konzentrierten oder Trockenprodukte auf der Grundlage des für den unmittelbaren Gebrauch rekonstruierten Nahrungsmittels.

In den Jahren 1997 und 1998 gab es wiederholte Fälle von Nichteinhaltung der Höchstwerte, insbesondere bei einigen Pilzarten aus osteuropäischen Ländern. Die festgestellten hohen Belastungen waren ausschlaggebend für die Überlegung, die bisherige Grenzwertregelung bis 2010 beizubehalten. Außerdem führte dies auch dazu, dass die Einfuhrbedingungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse 1999 durch spezielle Bestimmungen (11) ergänzt wurden, und zwar vorrangig und verschärft für Pilze. So wurde eine kleine Zahl von Zollämtern benannt, die allein eine Einfuhr in Länder der europäischen Gemeinschaft freigeben können. Eine Liste von Erzeugnissen wurde festgelegt, bei denen nicht mehr nur gelegentliche Stichproben sondern regelmäßig systematische Probenahmen und Analysen vorzunehmen sind. Dabei handelt es sich ausschließlich um Pilze in verschiedenen Zubereitungsformen, mit Ausnahme von Pilzen, die aus Kulturen stammen.  

Pfifferlinge am Großmarkt. © Hacker

Pfifferlinge am Großmarkt. © Hacker

Im Sommer 1997 konnte das Umweltinstitut München e.V. einen Fall der Nichteinhaltung aufdecken. Regelmäßige Kontrollen von offizieller Seite waren eingestellt worden, da von den Behörden in Bezug auf die Belastung von Lebensmitteln Entwarnung gegeben worden war. Dieser Umstand und die nicht ausreichende Kontrolle an den EU-Außengrenzen wurde offensichtlich ausgenutzt. Bei einer Messreihe des Umweltinstitut München e.V. von Pfifferlingen aus der Münchner Großmarkthalle wurde in zwei Proben eine Belastung von Cäsium-137 von 7.000 bzw. 12.000 Bq/kg Frischmasse nachgewiesen. Ein vorgelegtes Zertifikat bescheinigte die Unbedenklichkeit der Pilze. Damals ergaben behördliche Recherchen, dass ein österreichischer Händler eine vermutlich aus der Ukraine stammende Pilzlieferung umdeklarierte und auf die bayerischen Märkte brachte. Der Vorfall beschäftigte in der Folge verschiedene Instanzen, über das Bundesgesundheitsministerium bis hinauf zur europäischen Kommission (vgl. Umweltnachrichten 75/97). Ein Jahr später (1998) hat der französische Zoll mehrere Tonnen aus Osteuropa stammender und über Österreich eingeführter Pfifferlinge beschlagnahmt, weil sie hoch radioaktiv belastet waren. Gefälschte Papiere hatten beispielsweise einer Ladung aus Bulgarien eine Cäsium-Belastung von 50 Bq/kg bescheinigt; tatsächlich lag die Belastung bei 2.470 Bq/kg. Weitere Messungen bei in Kartons verpackten Pilzen ergaben sogar mehr als 8.000 Bq/kg Frischmasse.

Die in den Verordnungen festgelegten Höchstwerte von 370 und 600 Bq/kg gelten streng nur für die Einfuhr in die EU. In einer Erklärung an den Rat vom 12. 5.1986 haben sich die Mitgliedstaaten allerdings verpflichtet, dieselben Höchstwerte auch beim Handel innerhalb der Gemeinschaft anzuwenden. In der Praxis wurden die Höchstwerte aber auch bei den in einem Mitgliedstaat produzierten und in den Verkehr gebrachten Lebensmitteln entsprechend angewendet. Jedoch wird von unabhängigen Experten auf der Grundlage der Bestimmungen der bundesdeutschen Strahlenschutzverordnung von 1976 geraten, dass die Nahrung von Erwachsenen nur höchstens 30 bis 50 Bq/kg Cäsium-Gesamtaktivität und von Kindern, stillenden und schwangeren Frauen nur 10 bis 20 Bq/kg betragen sollte. Dabei wird entsprechend dem Verhältnis von Strontium-90 und Cäsium-137 im Tschernobyl-Fallout von einem zusätzlichen Anteil von 1 % Sr-90 bezogen auf den Aktivitätsgehalt von Cs-137 in Nahrungsmitteln ausgegangen. Der tatsächliche Strontiumgehalt in der Nahrung kann jedoch auch höher liegen. Deshalb sollte nach Meinung kritischer Experten auch nur Kindernahrung mit bis zu 5 Bq/kg Cäsium-Gesamtaktivität verwendet werden. Dieser Wert wird in der Regel bei der im Handel erhältlichen fertigen Babynahrung eingehalten.

Die unmittelbar bevorstehende Erweiterung der EU hat nun dazu geführt, die Anwendung der bestehenden Verordnung 737/90 über die Höchstwerte der radioaktiven Kontamination von Lebensmitteln durch eine Empfehlung der Kommission 2003/274/Euratom (13) weiter auszudehnen. Die Beitrittsländer müssen derzeit die Höchstwerte nur einhalten, wenn sie Lebensmittel in die Europäische Gemeinschaft ausführen. Nach dem Beitritt zum 1. Mai 2004 würde diese Pflicht entfallen, da diese Länder dann selbst zur EU gehören. Es wird befürchtet, dass noch relativ hoch belastete Lebensmittel produziert und EU-weit verkauft werden könnten. Die Kommission bestätigt, dass die radioaktive Belastung durch Cäsium aus dem Reaktorunfall in Tschernobyl in Wald- und Forstgebieten immer noch eine Rolle spielt und dass in den nächsten Jahrzehnten auch keine merkliche Änderung zu erwarten ist. Wild wachsende Beeren und Speisepilze, Wildfleisch und Fleisch fressende Süßwasserfische in bestimmten Gebieten der EU weisen nach wie vor radioaktive Cäsiumwerte von über 600 Bq/kg auf. Und da essbare, wild vorkommende Erzeugnisse meist nicht über agroindustrielle Nahrungsketten vermarktet werden, könnten so die nationalen Überwachungs- und Kontrollprüfungen unterlaufen werden.

Gemäß der neuen Empfehlung sollen nun die Mitgliedstaaten dafür sorgen, dass die Höchstwerte für Cäsium bei allen Lebensmitteln, also auch den oben genannten, eingehalten werden, dass bei einer möglichen Überschreitung die Bevölkerung über das damit verbundene Gesundheitsrisiko unterrichtet werden soll und dass nachgewiesene Fälle von Überschreitung gemäß Verordnung 178/2002 über das Schnellwarnsystem (12) sowohl der Kommission als auch den anderen Mitgliedstaaten gemeldet und über die gemäß Empfehlung getroffenen Maßnahmen unterrichtet werden. Damit gelten jetzt, 18 Jahre nach Tschernobyl, generell verbindliche Höchstwerte für radioaktives Cäsium in Lebensmitteln, insbesondere von wild vorkommenden Erzeugnissen.

Vorsorge für weitere Unfälle

Für den Fall eines erneuten nuklearen Unfalls oder einer radiologischen Notstandssituation, die zu einer erheblichen Belastung von Nahrungs- und Futtermitteln führen kann, sind für die EU abgeleitete Referenzwerte festgesetzt worden, die dann zur Festlegung von Höchstwerten herangezogen werden können. In der Verordnung 3954/87 (14) sind die Höchstwerte für Milch dreimal so hoch und bei Nahrungsmitteln doppelt so hoch wie in den bisherigen Übergangsregelungen nach dem Unfall von Tschernobyl angesetzt.

In der Folge sind in weiteren Verordnungen (15, 16, 18) auch die Höchstwerte für Babynahrung, Nahrungsmittel geringerer Bedeutung, flüssige Nahrungsmittel und für Futtermittel für den tierischen Verzehr festgelegt worden. Die Höchstwerte für Nahrungsmittel von geringerer Bedeutung (Gewürze, Fette und Öle, Hefe usw.) liegen um das Zehnfache über denjenigen für andere Nahrungsmittel. Mit den festgelegten Werten für Futtermittel soll zur Einhaltung der zulässigen Höchstwerte für Nahrungsmittel beigetragen werden. Davon unberührt bleibt aber die Verpflichtung zu Kontrollen bei Erzeugnissen tierischen Ursprungs.

Die Werte für flüssige Nahrungsmittel sind gemäß EU-Vorgabe unter Berücksichtigung des Verbrauchs von Leitungswasser zu berechnen. Für die Trinkwasserversorgungssysteme sollten nach dem Ermessen der Behörden der Mitgliedstaaten im Falle eines nuklearen Unfalls dann die gleichen Werte gelten.
An dieser Stelle sei auf die EU-Trinkwasserrichtlinie 98/83/EG vom 3.11.1998 (19) hingewiesen, die bis zum 25.12.2000 in nationales Recht umzusetzen war. Die EU-Richtlinie gibt erstmals für Trinkwasser für den menschlichen Gebrauch folgende Parameterwerte für Radioaktivität vor: 100 Bq/l allein für Tritium und 0,1 mSv/Jahr Gesamtdosis ohne Tritium, Kalium-40, Radon und Radonzerfallsprodukte.

Diese Definition legt nahe, dass die Gesamtdosis von 0,1 mSv/Jahr unter Berücksichtigung der Ausnahmen für natürliche und künstliche Radioisotope gleichermaßen gilt (vgl. Umweltnachrichten 87/2000). Aber im Falle eines nuklearen Unfalls oder einer anderen radiologischen Notstandssituation wird diese Regelung für Trinkwasser nicht mehr gelten. Ein zulässiger Wert von 1000 Bq/l wird dann eine radioaktive Belastung des Trinkwassers durch Cäsium im Bereich des 100fachen Parameterwerts möglich machen.

Die festgelegten Höchstwerte gelten für den Verbrauch in der Gemeinschaft. Für die Ausfuhr von Nahrungsmitteln wurde eine besondere Verordnung 2219/89 (17) verabschiedet. Danach dürfen Nahrungs- und Futtermittel, deren radioaktive Kontamination die Höchstwerte überschreitet, nicht ausgeführt werden. Im Falle eines nuklearen Unfalls sei es nicht vertretbar, Erzeugnisse zur Ausfuhr in Drittländer zuzulassen, wenn diese Erzeugnisse die innerhalb der Gemeinschaft geltenden Höchstwerte überschreiten.

Kontrolle belasteter Lebensmittel seit Tschernobyl

Das Umweltinstitut München e.V. verfolgt seit nunmehr 18 Jahren den Verlauf der radioaktiven Belastung von Lebensmitteln. Als Messgerät steht ein hochwertiges Gammaspektrometer (Germanium-Detektor) zur Verfügung. Während direkt nach Tschernobyl die Belastung von Milch und Milchprodukten sowie von Babynahrung eine große Rolle gespielt hat, konzentriert sich heute die Aufmerksamkeit im Wesentlichen auf Waldprodukte. Gerade in den vergleichsweise hoch belasteten Gebieten Südbayerns erregt das Thema “radioaktive Belastung durch Tschernobyl” während der Pilzsaison stets die Gemüter.

Die höchsten Belastungen treten in den Landkreisen Berchtesgaden, Garmisch-Partenkirchen und Augsburg auf. Der von uns gemessene Spitzenwert des Jahres 2002 für Cäsium bei Maronenröhrlingen aus dem Münchner Umland lag bei 1.700 Bq/kg Frischmasse. Die Bundesanstalt für Fleischforschung in Kulmbach meldete 1999 Spitzenwerte bei Schwarzwild aus Staatsforsten von 65.000 Bq/kg. Nur jedes dritte untersuchte Tier wies eine Belastung unter 600 Bq/kg Cäsium auf. Bei Rehen war etwa jedes fünfte Tier mit über 600 Bq/kg Cäsium belastet. Der Cäsiumgehalt im Fleisch der Rehe stagniert seit 1996, während der Gehalt im Fleisch von Wildschweinen weiterhin leicht ansteigt. Zurückzuführen ist dies auf die unterschiedliche Art der Nahrungssuche.

In mineralischen Böden ist das deponierte Cäsium gut an die Tonminerale gebunden und kann nur in sehr geringem Umfang von Pflanzen aufgenommen werden. Deshalb waren beispielsweise Wiesenchampignons nur direkt nach dem Unfall von Tschernobyl (1986) stark radioaktiv belastet. Dagegen ist das Cäsium im Ökosystem Wald nicht gebunden sondern im humosen Boden für die Pflanzen frei verfügbar. Auch nahm die radioaktive Belastung des Waldbodens in den ersten Jahren nach Tschernobyl noch zu, weil erst nach und nach durch Laub- und Nadelfall die in den Baumkronen ausgefilterte Radioaktivität eingetragen wurde. Der Verlauf der Radioaktivität in Waldprodukten (Pflanzen) entspricht in etwa der Abnahme des Cäsiums durch radioaktiven Zerfall.

Allerdings werden die Aktivitätsgehalte auch in dem Maße, wie das Cäsium hier in tiefere Bodenschichten verlagert wird, ab- oder auch zunehmen je nach dem, aus welchen Bodenschichten die Pflanzen bevorzugt ihre Nährstoffe beziehen.
Nicht alle Pflanzen nehmen radioaktives Cäsium in gleicher Weise auf.

Messungen des Umweltinstitut München e.V. bestätigen, dass bei Pilzen Maronenröhrlinge und Semmelstoppelpilze die größten Cäsiumsammler sind (Abb.1), also die höchsten Belastungen aufweisen. Die Belastung von Steinpilzen und Pfifferlingen liegt vergleichsweise um etwa einen Faktor 10 tiefer (Abb. 2). Bei den Wildbeeren sind vor allem Heidelbeeren, Preiselbeeren und Moosbeeren höher belastet (Abb. 3). Die Gesamtsituation wird sich auch in den kommenden Jahren nicht wesentlich ändern (vgl. Umweltnachrichten 67/96 und 91/2001).

Cäsium-Belastung von Maronenröhrlingen von 1986-2003 in Bayern
Abb. 1: Cäsium-Belastung von Maronenröhrlingen von 1986 - 2003 in Bayern (Jahresdurchschnittswerte in Bq/kg Frischmasse), Messungen des Umweltinstitut München e.V.

Abb. 1: Cäsium-Belastung von Maronenröhrlingen von 1986 - 2003 in Bayern (Jahresdurchschnittswerte in Bq/kg Frischmasse), Messungen des Umweltinstitut München e.V.

Cäsium-Belastung von Steinpilzen von 1986-2002 in Bayern
Abb. 2: Cäsium-Belastung von Steinpilzen von 1986 - 2002 in Bayern, Messungen des Umweltinstitut München e.V.

Abb. 2: Cäsium-Belastung von Steinpilzen von 1986 - 2002 in Bayern (Jahresdurchschnittswerte in Bq/kg Frischmasse), Messungen des Umweltinstitut München e.V.

Cäsium-Belastung von Wildbeeren aus Bayern von 1986-2002
Abb. 3: Cäsium-Belastung von Wildbeeren von 1986 - 2002 in Bayern, Messungen des Umweltinstitut München e.V.

Abb. 3: Cäsium-Belastung von Wildbeeren von 1986 - 2002 in Bayern (Jahresdurchschnittswerte in Bq/kg Frischmasse), Messungen des Umweltinstitut München e.V.

Zu Abb. 2 und 3: Wegen des heißen Sommers und der langen Hitzeperiode in 2003 waren leider nur wenig Pilz-Proben verfügbar. Die geringe Anzahl der untersuchten Steinpilz- und Wildbeer-Proben lässt eine statistische Aussage nicht zu.

Obgleich die hohen Kontaminationen wild vorkommender Erzeugnisse seit langem bekannt sind, hat die EU es erst in 2003, also 17 Jahre nach Tschernobyl, geschafft, eine Empfehlung auszusprechen, die auch bei diesen heimischen Erzeugnissen die Einhaltung der festgelegten Höchstwerte einfordert. Und das auch nur, weil aufgrund des Beitritts einer Reihe „verdächtiger“ osteuropäischer Länder hoch belastete Lebensmittel EU-weit ungehindert verkauft werden könnten. So hoch belastete Pilze oder belastetes Wild, wie es in Süddeutschland jährlich gesammelt, geschossen und verzehrt wird, hätten Drittländer nicht in die EU einführen können. Die EU-Grenzwerte galten streng nur für den Import in die Gemeinschaft. Die neue Empfehlung, so überfällig sie war, löst jedoch noch nicht das Problem der eingeschränkten Überwachungsmöglichkeiten. Amtliche Überwachungs- und Kontrollprüfungen können, wie die Kommission selbst bemerkt, unterlaufen werden. Um unnötige Belastungen des Verbrauchers in den stark kontaminierten Gebieten zu vermeiden, sind in Deutschland zumindest Vereinbarungen mit Jagdverbänden (Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz) abgeschlossen worden (20). Danach sind die Jäger gehalten, erlegte Tiere auszumessen. Bei Überschreitung des Grenzwerts erhalten sie eine Entschädigung. Für die kleineren Privatjagden und auch für die unzähligen halbprofessionellen und privaten Schwammerlsucher gibt es nichts entsprechendes. Und Messstellen, an die sich der Verbraucher unbürokratisch und ohne hohe Kosten wenden kann, sind äußerst rar.

aus unserer Mitgliederzeitschrift Umweltnachrichten, Ausgabe 99 / April 2004

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