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Brustkrebs-Früherkennung

Mammographie-Reihenuntersuchung - ja oder nein?

Die Debatte um die Einführung des Mammographie-Screenings ist nicht neu.

Mitte der siebziger Jahre wurde sie in Westdeutschland schon einmal heftig geführt, als man bei allen Frauen ab 30 Jahren die Brust mit mobilen Röntgengeräten untersuchen wollte. Heute sind die Strahlendosen bei der Mammographie wesentlich niedriger, sie konnten auf ca. ein Zehntel gesenkt werden. Auch die Erkenntnis, dass das Screening bei jungen Frauen zu vermeiden sei, hat sich durchgesetzt. Erneut gefordert wird ein Screening-Programm für Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr, die sich alle zwei Jahre einer Röntgen-Mammographie als Brustkrebs-Früherkennungsmethode unterziehen sollen.

Aus diesem Anlass hat das Bundesamt für Strahlenschutz im April diesen Jahres zu einem Fachgespräch zum Thema „Brustkrebs-Früherkennung“ eingeladen, an dem auch das Umweltinstitut München e.V. teilgenommen hat. Dabei kristallisierte sich folgendes heraus: Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse weder über die Wirkung von schwacher Röntgenstrahlung, wie sie bei der Mammographie eingesetzt wird, noch über die Aussagekraft der epidemiologischen Studien aus den Ländern, in denen ein Mammographie-Screening eingeführt ist.

Mikrokalk (kleine Tumore)

Mikrokalk (kleine Tumore)

Das Fachgespräch war kurzfristig angesetzt worden, da der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags am 20. März 2002 einstimmig den von den Fraktionen der Regierungskoalition eingebrachten Antrag „Brustkrebs – Mehr Qualität bei Früherkennung , Versorgung und Forschung – Für ein Mammographie-Screening nach europäischen Leitlinien“ (Bundestag-Drucksache 14/6453) zur Einführung flächendeckender Röntgen-Reihenuntersuchungen beschlossen hat. Die Bundesregierung wird darin aufgefordert, „darauf hin zu wirken, dass die Spitzenverbände der Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung ab dem Jahr 2003 ein flächendeckendes Screening-Programm für Frauen nach den europäischen Leitlinien durch zertifizierte Mammographie-Einrichtungen einführen.“

Andernfalls solle der Bundestag das Mammographie-Screening per Gesetz beschließen. Man verspricht sich eine Senkung der Sterblichkeit an Brustkrebs um 20 bis 30 Prozent. Vorausgegangen war eine Bundestagsanhörung, bei der sich Vertreterinnen der Koalition Brustkrebs, einem Zusammenschluss verschiedener Frauengruppen und Initiativen gegen Brustkrebs, vehement für die Einführung eines nationalen Screeningprogramms stark gemacht hatten.

Bundesgesundheitsministerin favorisiert Screening

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt begründet den eingebrachten Antrag mit Studien, die den Nutzen eines Mammographie-Screenings belegen würden. Die bisher praktizierte „graue“ Mammographie soll in ein Screening überführt werden, das die Vorgaben der europäischen Leitlinien zur Qualität dieses Röntgenverfahrens umsetzt. Sie erwarte sich davon, dass die Zahl der falsch positiven und falsch negativen Diagnosen auf einem niedrigeren Niveau gehalten werden könne. Die gegenwärtig vorliegenden Fakten gestatteten eine klare Antwort, so dass „nur noch zu handeln“ sei.

Ergebnisse über den Nutzen aus den Mammographie-Modellregionen in Bremen, Wiesbaden und der Region Weser-Ems will sie nicht abwarten. Von dort will sie nur erfahren, „wie die Qualitätssicherung erfolgen kann und wie es gelingt, die Frauen zum Mitmachen zu motivieren“.

Bereits im Vorfeld der Entscheidung hatte die Bundesärztekammer Berlin auf die Nachteile des Screenings hingewiesen und ihre Kritik auch nach der Beschlussfassung im Gesundheitsausschuss bekräftigt. Durch das Screening würden sowohl Ängste als auch falsche Hoffnungen geschürt. Welche gesundheitlichen Schäden durch die Röntgenstrahlung oder durch die psychische Belastung der Frauen entstehen, sei bisher nicht untersucht worden. Um bei einer Frau den Tod durch Brustkrebs zu verhindern, müssten 1000 Frauen zehn Jahre lang jedes zweite Jahr zum Röntgen der Brust. In dieser Zeit würde bei ca. 250 Frauen fälschlicherweise ein Verdacht auf Brustkrebs geäußert, der in seiner Konsequenz weitere zum Teil belastende Untersuchungen nach sich ziehe.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das die Aufgabe hat, die Politik in Fragen des Strahlenschutzes zu beraten, hat sich in die Debatte über das Brustkrebs-Screening eingeschaltet und am 23. April 2002 ein Fachgespräch zum Thema Brustkrebs-Früherkennung durchgeführt. Ziel war es, die klinischen, strahlenbiologischen, epidemiologischen und organisatorischen Erkenntnisse, die mit der geplanten flächendeckenden Einführung von Brustkrebs-Früherkennungsmaßnahmen mittels Röntgen-Mammographie von Bedeutung sind, unter Einbeziehung der betroffenen Frauen darzustellen und abzuwägen. Vom BfS wurde dabei nachdrücklich eingefordert, dass der Nutzen des vorgeschlagenen Screenings das Risiko überwiegen müsse.

aus unserer Mitgliederzeitschrift Umweltnachrichten Ausgabe: 96 / August 2002

Genetische Prädisposition

Es gibt eine Reihe von Genen, deren Mutationen das Entstehen von Krebs begünstigen bzw. zum Krebs führen. Wenn die mutierten Gene vererbt werden, hat der Träger der Gene ein erhöhtes Risiko an Krebs zu erkranken. Damit eine genetisch vorbelastete Zelle zu einer Krebszelle wird, sind jedoch zusätzliche Veränderungen an den Genen notwendig. Es bedarf bestimmter Auslöser, damit die Zelle instabil wird und entartet.

Etwa 5 Prozent der an Brustkrebs erkrankten Frauen tragen eine familiär bedingte Prädisposition für Krebs (im wesentlichen Heterozygotie des BRCA1- bzw. BRCA2-Gens). Das sind pro Jahr 2000 bis 2500 Frauen, die aufgrund dieser individuellen Vorbelastung in Deutschland neu erkranken.

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