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Tickende Zeitbombe:

Uran im Dünger

Gift

© Zebaztian / Fotolia.com

In landwirtschaftlich genutzten Gebieten können bestimmte Stoffe, wie Nitrat, Phosphor oder Pestizide durch Abschwemmung oder Auswaschung ins Grundwasser oder in Oberflächengewässer gelangen. Überschreitet die Konzentration eines solchen Stoffes im Trinkwasser den festgelegten Höchstwert, dann muss möglichst schnell Abhilfe geschaffen werden. Brunnen müssen vom Netz genommen und die Versorgung mit sauberem Trinkwasser muss organisiert werden. Schon vor 30 Jahren wurde vor verunreinigtem Trinkwasser gewarnt. Danach ging es um das krebserzeugende Nitrat. Eine unkontrollierte Ausbringung von Stickstoff-Dünger auf Ackerböden, Kleingärten usw. hatte vielerorts zu einer erhöhten Nitratbelastung von Wasser geführt. Kommunen waren gezwungen, Tanks mit sauberem Wasser für Kleinkinder und Säuglinge zur Verfügung zu stellen. Nitrat ist in Wasser gut löslich. Wird es aus dem Boden ausgewaschen, dann gelangt es mit Verzögerung ins Grund- und Trinkwasser.

Mit dem Erlass der Düngeverordnung von 1996 waren erhöhte Nitratgehalte im Trinkwasser kein Problem mehr. Heute muss davor gewarnt werden, dass der 2011 eingeführte Grenzwert von 10 µg Uran pro Liter Trinkwasser nicht mehr eingehalten werden kann. Schuld daran ist der fortwährende Einsatz von Mineraldünger in der Landwirtschaft, im Gartenbau, auf Grünflächen oder in Schrebergärten. Phosphathaltige Düngemittel und auch gekaufte Blumenerde können zum Teil erhebliche Mengen an giftigem Uran enthalten. Das Umweltbundesamt in Österreich macht darauf aufmerksam, dass der Urangehalt in Blumenerde den Richtwert für Normalgehalte in Böden von 2 mg Uran pro kg Trockenmasse in Einzelfällen übersteigen kann. So wie es aussieht, wurden aus dem Nitratskandal vor 30 Jahre keine nachhaltigen Lehren gezogen. Selbst stickstoffhaltiger Dünger wird wieder vermehrt ausgebracht, so dass das Umweltbundesamt vor erhöhten Nitrat-Konzentrationen im Grundwasser warnt.

Strahlender Dünger
Kein Trinkwasser

© Torsten Henning / Wikimedia Commons

Dünger soll den Nährstoffverlust durch Austrag und Ernteentzug im Boden ausgleichen. Das sind in erster Linie die für das Pflanzenwachstum notwendigen Hauptnährstoffe (Stickstoff, Phosphor, Kalium) und dann noch verschiedene sekundäre Nährstoffe. Düngemittel enthalten aber auch eine Reihe giftiger Substanzen, wie z.B. Cadmium, Blei, Arsen oder Uranisotope.

Regelmäßige Düngung kann folglich zu einer zunehmenden toxischen Belastung der Böden führen. Die Giftstoffe können auch ins Grund- und Oberflächenwasser und durch Einlagerung in Pflanzen in die Nahrungskette des Menschen gelangen. Das Schwermetall Uran ist in erster Linie ein toxisches Element, das insbesondere schwere Nierenschäden aber auch Lungeninfektion oder Herzschwäche hervorrufen und das Erbgut schädigen kann. Uran kann sich auch im Gewebe und in den Knochen anreichern und durch ionisierende Strahlung Krebs und Leukämie verursachen. Die unvermeidbaren radioaktiven Zerfallsprodukte des Urans erhöhen noch das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Wie viel Uran sich in mineralischem Phosphatdünger befindet, hängt ab vom Urangehalt der Phosphatlagerstätte und von der Aufschlussmethode. Im Mittel sind es 283 mg Uran pro kg im Phosphat der Mineraldüngemittel./1/ Vom Umweltbundesamt wird ein Urangehalt von 50 mg Uran/kg Phosphat im Düngemittel empfohlen, und eine Kennzeichnungspflicht ab 20 mg Uran/kg Phosphat.

Seit den 1950er Jahren hat der Umfang der landwirtschaftlichen Düngung kontinuierlich zugenommen. Insgesamt 100 Tonnen Uran pro Jahr landen auf deutschen Böden. Laut Bundesforschungsamt für Landwirtschaft (Julius Kühn-Institut) beträgt der Uraneintrag in den Boden bei ausschließlicher Verwendung von Mineraldünger mittlerweile 10 bis 22 g Uran pro Hektar jährlich, im Mittel 15,5 g Uran pro Hektar. Damit nimmt auch die Menge an Uran zu, die in die Umwelt gelangt.

Wanderung ins Trinkwasser
Fluss

© Bredehorn.J / pixelio

Das Uran im Phosphatdünger liegt in einer leicht löslichen und sehr mobilen Form vor. Mit dem Regenwasser gelangen Phosphat und Uran in den Boden. Nur ein geringer Teil des ausgebrachten Urans wird aus der Bodenlösung heraus von den Pflanzen aufgenommen und so dem Boden entzogen. Der größere Teil verbleibt im Boden und kann entweder über Erosion und Auswaschung ebenfalls das System verlassen oder im Boden temporär fixiert werden. Dabei spielt die Bindung des Urans an Tonminerale oder organische Substanzen eine besondere Rolle. Etwa 90 Prozent des Urans werden so von der Bodenmatrix zurückgehalten. Die restlichen 10 Prozent des gelösten Urans wandern durch die Bodenhorizonte in die Tiefe und können ins Grundwasser gelangen. In dem Fall ist mit einer Belastung des Trinkwassers mit Uran zu rechnen, insbesondere dann, wenn das Trinkwasser oberflächennah gewonnen wird, z.B. aus Oberflächengewässern und oberflächennahen Grundwässern. Auch der Austrag von Uran durch Erosion in einen Vorfluter kann zur Trinkwasserbelastung beitragen.

Bereits 1985 wurde festgestellt, dass ein Zusammenhang zwischen Phosphatdüngung und erhöhten Urangehalten in Oberflächenwässern, speziell im Sickerwasser von Entwässerungsgräben, besteht. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe konnte mit der Neuauflage des geochemischen Atlas (2006) diesen Zusammenhang bestätigen und aufzeigen, dass sich die Regionen mit Uranbelastungen im Trinkwasser gegenüber 1985 regional noch ausgeweitet haben. Mittlerweile werden eine Million Menschen in Deutschland mit Wasser versorgt, das mehr als die erlaubten 10 µg Uran pro Liter enthält/2/.

Die heute gemessenen Uranwerte sind nur die Spitze eines Eisberges, denn das durch die langjährige intensive Phosphatdüngung eingebrachte Uran kommt erst verzögert in den nächsten Jahrzehnten im Grundwasser an.

Boden und Wasser schützen

Die Verunreinigung von Grund- und Trinkwasser mit Uran und die Anreicherung von Uran in der Nahrungskette kann nur vermindert werden, wenn auch die Uranfrachten in die Böden reduziert werden. Eine Alternative ist die Verwendung von organischem Dünger. Dieser ist zwar nicht frei von Uran, enthält aber 10 mal weniger als Mineraldünger.

Die Düngemittelindustrie weigert sich das Uran abzutrennen, obwohl technisch möglich. Bei der Düngemittelherstellung kann das Uran zwar nicht vollständig abgetrennt, aber doch durch verschiedene Extraktionsverfahren reduziert werden. Obgleich das mit finanziellem Aufwand verbunden ist, wird die Abtrennung beispielsweise in Israel durchgeführt.

Bisher gibt es keine Kennzeichnungspflicht für Mineraldünger und auch keinen Uran-Grenzwert. Beides ist längst überfällig und muss gesetzlich geregelt werden. Wenn die Urangehalte in den Düngemitteln auf der Verpackung ausgezeichnet würden, dann könnte jeder Bauer oder Kleingärtner selbst entscheiden, welchen Dünger er ausbringt. Die Festsetzung von Höchstwerten für den Urangehalt in Düngemitteln und in Böden, so wie sie für andere Spurenelemente bereits existieren, ist ein weiteres "Muss" und könnte sich an dem Richtwert des Umweltbundesamts von 50 mg Uran/kg Phosphat im Dünger orientieren. Jeder Bürger hat aber auch das Recht, den Urangehalt im Trinkwasser von seinem örtlichen Wasserversorger zu erfahren. Für die Ernährung von Säuglingen, Kleinkindern und Schwangeren sollte nur eine Konzentration von höchstens 2 µg/l toleriert werden.

/1/ Deutscher Bundestag Drucksache 17/6019 vom 31.5.2011, Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage von Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ZU Uranbelastung von Böden und Grundwasser durch uranhaltige Phosphatdüngemittel
/2/ ZDF, WISO vom 19.3.2012

Stand: März 2012
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