Facebook .
Twitter .
Menü
Home  trenner  Themen  trenner  Radioaktivität  trenner  Tschernobyl  trenner  Pilze und Wild  trenner  Gesundheitsschäden
Pilze und Wild

Gesundheitsschäden

Wie schadet Radioaktivität der Gesundheit?

Über den Verzehr von belasteten Waldpilzen und Wildfleisch gelangt das dort angereicherte Cäsium und Strontium in unseren Körper. Während der Verdauung nimmt unser Organismus die Radionuklide vollständig oder teilweise auf: Manche Nuklide, so auch das Cäsium, werden vollständig aufgenommen, Strontium zu etwa 30 Prozent. Je nach Radionuklid bleibt die aufgenommene Radioaktivität für eine kürzere oder längere Zeit im Körper des Menschen. Cäsium, bekannt als "Muskelsucher", reichert sich im Körper in allen Organen an, Strontium wird durch seine chemische Ähnlichkeit mit Calcium wie dieses im Knochengewebe angereichert und belastet das Knochenmark. Es bleibt viel länger im Körper als Cäsium und wirkt deshalb bis zu zehnmal gefährlicher.
Da sich für Radioaktivität keine Grenze angeben lässt, unterhalb der sie ungefährlich ist, sollte so wenig wie möglich aufgenommen werden. Radioaktive Strahlen lösen in menschlichen Zellen physikalische, chemische und biologische Effekte aus: Molekülbruchstücke, so genannte freie Radikale, entstehen, die sich zu giftigen Verbindungen zusammenschließen und damit den Zellschaden verstärken. Normalerweise erkennt unser Immunsystem diese atypischen, mutierten Zellen und eliminiert sie. Versagen Reparatur- und Abwehrsystem, z.B. wenn der Organismus geschwächt ist, wird die Veränderung an die folgenden Zellgenerationen weitergegeben. Es kommt zu einem Strahlenschaden, der entweder sofort oder nach längerer Zeit auftritt. Akute Schäden werden ab einer Schwellendosis von etwa 200 Millisievert (mSv) erkennbar. Niedrigere Dosen können zu Spätschäden wie Krebs und Leukämie führen. Wie sich eine radioaktive Belastung von Pilzen auf die menschliche Gesundheit auswirkt, lässt sich berechnen: Cäsium-137 bleibt je nach Person 40 bis 200 Tage im Körper (biologische Halbwertzeit) – berücksichtigt man dies, so führt der Genuss einer Pilzmahlzeit von 500 Gramm mit 3000 Bq/kg Cäsium-137 zur gleichen Belastung wie einmal Röntgen der Lunge (0,02-0,05 mSv). Durch häufigen und üppigen Verzehr hochbelasteter Waldprodukte kann der Grenzwert von 1 mSv Strahlenbelastung pro Jahr (Strahlenschutzverordnung) erreicht werden. Mit jeder zusätzlich aufgenommenen Radioaktivität erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken. Deshalb und auch wegen der hohen Schwermetallbelastung von Pilzen wird von einem regelmäßigen Verzehr abgeraten. Risikogruppen wie Schwangere, stillende Mütter, Kinder und geschwächte Menschen sollten auf unbelastete Zuchtpilze und Beeren aus Kulturanbau zurückgreifen.

Züchtung funktioniert nicht bei allen Pilzen: Pfifferlinge, Steinpilze, Birkenpilze und Maronenröhrlinge können – wie alle Symbionten – nicht in Kulturen gezüchtet werden. Grund dafür ist das bereits erwähnte komplizierte Zusammenspiel mit Bäumen, die die Pilze mit lebenswichtigen Mineralstoffen versorgen. Gezüchtet werden können sog. Saprophyten wie z.B. der Shitakepilz, der gut auf Holz, der Austernpilz, der auf Stroh und der Champignon, der bevorzugt auf Pferdemist wächst.

Grenzwerte für Strahlenbelastung

Die Europäische Union reagierte auf den Unfall von Tschernobyl zunächst mit dem Einfuhrverbot von Agrarerzeugnissen und dann mit Höchstwerten für Nahrungsmittel. Die Höchstwerte sollten die Verbraucher in der Gemeinschaft nur vor radioaktiv kontaminierten Lebensmitteln aus Drittländern schützen. Wegen der frühzeitigen Entwarnung offizieller Stellen und dementsprechend nachlässig gehandhabten Kontrollen gab es in den Jahren 1997 und 1998 wiederholte Fälle von Nichteinhaltung der Höchstwerte, insbesondere bei einigen Pilzarten aus osteuropäischen Ländern. Dies führte damals dazu, dass die Einfuhrbedingungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse ergänzt und für Pilze verschärft wurden. Obgleich die bis heute hohen Kontaminationen, insbesondere von Waldprodukten, bekannt sind, hat es die EU erst im Jahr 2003 geschafft, eine Empfehlung auszusprechen, die auch bei heimischen Produkten die Einhaltung der Höchstwerte fordert. Und dies auch nur, weil sonst mit dem Beitritt einer Reihe "verdächtiger" osteuropäischer Länder zum 1. Mai 2004 hoch belastete Lebensmittel ganz legal EU-weit hätten verkauft werden dürfen. Allerdings können weder an den Grenzen noch innerhalb der einzelnen Mitgliedsländer lückenlose Kontrollen durchgeführt werden. Es finden lediglich Stichproben-Kontrollen statt. Der Höchstwert für die Cäsiumbelastung ist in den Ländern der Europäischen Union auf 600 Bq/kg für Nahrungsmittel und 370 Bq/kg für Milch und Säuglingsnahrung festgelegt. Die Grenzwertregelung gilt bis zum 31. März 2020.

Das Umweltinstitut München e.V. und andere unabhängige Experten raten zu strengeren Grenzwerten: 30 bis 50 Bq/kg bei Nahrung für Erwachsene und 10 bis 20 Bq/kg für Kinder, stillende und schwangere Frauen, bei Babynahrung bis 5 Bq/kg Cäsium-Aktivität. Während des Wachstums teilen sich die Zellen häufiger, für die Reparatur einer geschädigten Zelle bleibt oft nicht genügend Zeit.

Kontrollen notwendig

Geschlossener Stoffkreislauf des Waldes und die Belastungspfade über Pflanze und Tier bis zum Menschen.

Bei einer routinemäßigen Stichprobenahme von Pilzen auf Münchner Märkten kam das Umweltinstitut München e.V. im Sommer 1997 einem Betrug auf die Spur: Die untersuchten Pilze stammten gemäß ihrer Deklarierung überwiegend aus Ländern, die in der Regel verglichen mit unseren heimischen Pilzen niedrige radioaktive Belastungen aufweisen. Unter den gemessenen Pilzproben waren zwei Ausreißer: Pfifferlinge, deren Herkunft mit Makedonien angegeben war, wiesen etwa 7000 Bq/kg Frischmasse Cäsium-137 auf und Pfifferlinge, die angeblich aus Ungarn stammten, waren gar mit mehr als 10.000 Bq/kg belastet. Da für Pilze mit Werten über 600 Bq/kg Cäsium-137 Importverbot in die Europäische Union bestand, hätte diese Ware nicht in den Verkehr gebracht werden dürfen. Von der Münchner Zollfahndung über das Bundesgesundheitsministerium bis hin zur Europäischen Kommission waren die Behörden mit diesem Fall beschäftigt. Die Recherchen ergaben schließlich, dass die angeblich makedonischen Pilze von einem österreichischen Zwischenhändler umdeklariert und u.a. auf den Münchner Markt gebracht worden waren. Diese und vermutlich auch die als ungarisch deklarierten Pfifferlinge mit 10.000 Bq/kg stammten mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Ukraine.

Tschernobyl noch nicht gegessen

Auch wenn offizielle Stellen immer wieder Entwarnung geben: Noch heute finden sich erhebliche radioaktive Belastungen in Waldpilzen und Wild. In den Jahren 2003 und 2004 erklärte das bayerische Umweltministerium, dass "Schwammerl im Freistaat ... grundsätzlich unbedenklich genießbar" seien, denn die Cäsium-Belastung von Steinpilzen und Pfifferlingen liege "seit Jahren unter 100 Bq/kg Frischmasse". Bei genauerer Betrachtung der Ministeriums-Messlisten kann man erkennen, dass zwar der Mittelwert der untersuchten Pfifferlinge und Steinpilze unter 100 Bq/kg liegt, Spitzenwerte aber durchaus noch einige Hundert Bq/kg aufweisen können. Maronen, die laut Ministerium "Cäsium-Werte in der Nähe des EU-Einfuhrgrenzwerts" haben, weisen in deren Messlisten Höchstwerte von über 2000 Bq/kg auf und liegen damit deutlich über dem Grenzwert.

Wir messen unabhängig und kontinuierlich - auch für Sie!
Auswertung Messungen

Aufgrund der Erfahrungen ist es weiterhin wichtig, dass unabhängige Kontrollmöglichkeiten erhalten bleiben. Als einer der größten bayerischen überparteilichen Umweltschutzvereine in Bayern gewährleisten wir unabhängige Forschung, Beurteilung und Information. In der Zeit von August bis Oktober messen wir Ihre gesammelten Pilze, Waldbeeren oder Wild auf den Radioaktivitätsgehalt. Dazu benötigen wir je Sorte 250 g Frischmasse, feuchtigkeitsdicht verpackt. Bitte Pilzsorte, Fundort und -datum angeben. Die gemessenen Werte können Sie nach ca. einer Woche telefonisch erfragen.

Infomaterial
1 / n

Strahlende Zukunft?
Schrottmeiler, Neubauprojekte und Subventionen: Ein Überblick über die Atomkraft in Europa

Download (PDF, 356 kB)

Flyer bestellen

Hand in Hand -
Die zivile Atomstromproduktion liefert wichtige Elemente für den Waffenbau.

Download (PDF, 314 kB)

Flyer bestellen

Krebs durch AKW
Das Krebs- und Leukämierisiko nimmt mit der Nähe zu Atomkraftwerken signifikant zu.

Download (PDF, 329 kB)

Flyer bestellen

Giftige Geschäfte fürs AKW
Wer die Atomkraft als „saubere Energieerzeugung“ anpreist, blendet den Pfad von Uranabbau bis hin zur Endlagerung des Atommülls aus.

Download (PDF, 308 kB)

Flyer bestellen

Der atomare Müllberg
Nirgendwo auf der Welt gibt es ein betriebsbereites Endlager für hochradioaktive Abfälle.

Download (PDF, 693 kB)

Flyer bestellen

Unterstützen Sie uns!