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Pilze und Wild

Schadstoffbelastung des Waldes

Schadstoffbelastung des Waldes

Die Belastung des Waldes mit Schadstoffen geriet in den 1970er Jahren zunehmend ins Blickfeld. Schwefel, Ozon, Stickstoffverbindungen und andere Schadstoffe aus Industrie, Straßenverkehr und Landwirtschaft schädigen die Bäume bis zum Absterben. Neben der direkten Wirkung von Schwefel- und Stickstoffverbindungen als Schadgase gelangen diese Verbindungen aus der Luft über sauren Regen oder andere Ablagerungsprozesse in den Waldboden. Die Waldkrone wirkt wie ein großer Filter für Luftschadstoffe, die dann über Blatt- oder Nadelfall in die obere Bodenschicht gelangen.
Da die Pilze im Wald ihre Nährstoffe im Wesentlichen aus der oberen Bodenschicht beziehen, sind auch sie von der Schadstoffbelastung betroffen. Waldpilze sind bereits Mitte des letzten Jahrhunderts wegen ihres hohen Schwermetallgehaltes in Verruf geraten. Besonders Pilze in der Nähe von Industriegebieten oder stark befahrenen Straßen nehmen oft Schwermetalle wie Blei, Quecksilber oder Kadmium auf.

Radioaktive Bodenbelastung und Tschernobyl-Fallout

Die oberirdischen Atomwaffenversuche in den 1950er und -60er Jahren haben weltweit erste nennenswerte radioaktive Belastungen verursacht. Als am 26. April 1986 ein Reaktor im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl explodierte, war der größte anzunehmende Unfall (GAU) passiert. Die dort freigesetzte Radioaktivität wurde teilweise mit dem Wind davongetragen. Heftige Gewitter wuschen die Radionuklide aus der Atmosphäre aus und verfrachteten sie auf die Erde, wo sie sich in Böden und Pflanzen anreicherten.
In Deutschland war vor allem Südbayern betroffen. Je nach Verteilung der Regenschauer kam es zu unterschiedlichen Bodenbelastungen: Schon fünfzig Meter können hier eine Rolle spielen. Während es beim Unfall von Tschernobyl zu einer einmaligen radioaktiven Freisetzung über wenige Tage kam, wurden die Radionuklide während der oberirdischen Atomwaffenversuche weltweit über mehrere Jahre verteilt.

Bayern ist besonders belastet
Belsatung Deutschland

Südbayern ist durch Tschernobyl besonders hoch belastet.

Mit einem ausgeprägten Ostwind erreichte die radioaktive Wolke Ende April 1986 Bayern und regnete dort ab. Dies führte am 1. Mai in München zu Spitzenwerten der Gammadosisleistung von 1100 Nanogray pro Stunde (nGy/h) gegenüber üblicherweise etwa 70 bis 80 nGy/h.

Als so genanntes Leitnuklid für die anderen Radionuklide dient Cäsium, da es leicht nachweisbar ist. Cäsium -134 und -137 sind künstliche Spaltprodukte, die in der Natur nicht vorkommen. Die mittlere Kontamination der Böden in ganz Bayern mit Gesamt-Cäsium betrug im Mai 1986 20.300 Becquerel pro Quadratmeter (Bq/ m2). Die Werte reichten von unter der Nachweisgrenze bis über 173.000 Bq/ m2. Heute beträgt die mittlere Cäsium- Aktivität der Böden in Südbayern noch etwa 15.000 Bq/m2, wobei ein Anteil von knapp 20 Prozent auf die radioaktive Vorbelastung infolge der oberirdischen Atomwaffenversuche zurückgeht. Da der Gehalt von Cäsium-134 im Tschernobyl-Fallout bekannt war, konnten nach dem 1. Mai 1986 die jeweiligen Anteile der Kontamination aus Tschernobyl und den Atomwaffenversuchen bestimmt werden.
Der weltweit erste GAU führte sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Behörden zu erheblicher Verwirrung. Die Rat- und Hilflosigkeit und die gezielte Des- bzw. Nichtinformationspolitik der zuständigen Stellen verunsicherte die Bevölkerung noch mehr.

Das Umweltinstitut München e.V. wurde unmittelbar nach der Tschernobylkatastrophe gegründet. Wir untersuchten Lebensmittel auf ihren Radioaktivitätsgehalt und stellten die Messergebnisse zusammen mit Handlungsempfehlungen den Medien und der Bevölkerung zur Verfügung. Bis heute messen und veröffentlichen wir radioaktive Belastungen von Lebensmitteln.

Was bis heute geblieben ist: Cäsium und Strontium

Radionuklide mit Halbwertzeiten von Sekunden, Minuten oder Stunden waren innerhalb kurzer Zeit zerfallen. Auch Jod-131 trägt wegen seiner Halbwertzeit von acht Tagen schon lange nicht mehr zur Gesamtaktivität bei: Nach acht Tagen war die Hälfte des ursprünglich vorhandenen Potenzials zerfallen, nach weiteren acht Tagen vom Rest wieder die Hälfte usw. Nach zehn Halbwertzeiten bleibt von der Anfangsmenge rund ein Tausendstel übrig. So war Jod-131 nach 80 Tagen, im Juli 1986, fast vollständig verschwunden. Geblieben sind die längerlebigen Radionuklide Cäsium und Strontium. Der Anteil von Cäsium-134 nahm wegen der kürzeren Halbwertzeit von ca. zwei Jahren rascher ab, so dass es heute praktisch keine Rolle mehr spielt. Für die nach wie vor lang anhaltende radioaktive Belastung ist in erster Linie Cäsium-137 mit einer Halbwertzeit von rund 30 Jahren verantwortlich. Cäsium-137 wird also auch zukünftig noch über viele Jahre in Boden und Pflanzen zu finden sein. Strontium-90, mit einer Halbwertzeit von 28,5 Jahren, wurde beim Tschernobyl-Unfall mit einem Anteil von rund einem Prozent bezogen auf Cäsium-137 freigesetzt.

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