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Pilze und Wild

Waldboden - Tiere - Pflanzen

Verteilung im Boden

Böden bestehen aus organischen und mineralischen Bestandteilen sowie aus wechselnden Anteilen Wasser und Luft. Frisch abgelagerte Radionuklide befinden sich – soweit nicht von Pflanzen abgefangen – auf der Oberfläche und werden durch Niederschläge allmählich in tiefere Schichten gespült. In einem ungestörten Boden beträgt die Eindringtiefe einige Zentimeter. Von ihrer Beschaffenheit und den chemischphysikalischen Eigenschaften der Radionuklide hängt ab, wie tief die Radioaktivität wandert. In mineralischen Böden sind die Cäsiumionen fest an Tonminerale gebunden. Deshalb wandert in tonhaltigen Böden Cäsium-137 langsamer als in tonarmen. In Böden mit hohem organischem Anteil ist die mikrobiologische Aktivität für die Bindung verantwortlich. Vor allem das weit verbreitete Mycel der Pilze speichert und transportiert die Ionen. Im allgemeinen wandern Radionuklide in Böden sehr langsam – und Radiocäsium besonders langsam. Die Abnahme der Belastung ist also nicht so sehr durch Verlagerungsprozesse bedingt, sondern durch den radioaktiven Zerfall des Cäsiums, zunächst vor allem dem des Cäsium-134.

Besonderheit Waldboden

Das Verhalten von Radiocäsium in Waldböden unterscheidet sich grundlegend von dem in Wiesen- und Ackerböden. In Ackerböden fehlt die organische Auflageschicht des Waldes. Dort deponierte Radionuklide werden durch mechanische Bearbeitung wie Pflügen in den Oberboden eingemischt. Der hohe Gehalt an Ton und Mineralstoffen führt zu einer zunehmenden Bindung des radioaktiven Cäsiums an Tonmineralien: Es ist so für Pflanzen nicht verfügbar und kann von daher nicht in unsere Nahrung gelangen.
Der unbearbeitete Waldboden speichert dagegen Cäsium-137. Der größte Teil bleibt in der Humusauflage und kann von Pflanzen und Pilzen gut aufgenommen werden. Die organische Auflageschicht besteht aus herabgefallenen Fichtennadeln, Laub, Ästen und Zapfen in verschiedenen Zersetzungsstadien. Diese meist mehrere Zentimeter dicke Schicht bedeckt den Mineralboden. Der Wald bildet einen geschlossenen Stoffkreislauf: Die durch Zersetzung frei gewordenen Nährstoffe werden gleich wieder über die Wurzeln aufgenommen.

Eine besondere Rolle spielen Nadelbäume: Wegen ihrer dichten Oberfläche wirken sie wie großflächige Filter und halten vermehrt radioaktive Partikel aus der Atmosphäre zurück. Durch den Abwurf des jeweils ältesten Nadeljahrgangs, von Zweigen, Zapfen etc. wird dem Boden im Lauf der Jahre zusätzliche Radioaktivität zugeführt. Dieser "verzögerte" Fallout führte dazu, dass in den Jahren nach der Tschernobyl- Katastrophe der Anteil an radioaktivem Cäsium im Waldboden sogar noch angestiegen ist.

Vom Boden in die Pflanze

Der Übergang von Radionukliden auf Pflanzen erfolgt entweder direkt aus der Luft oder vom Boden über die Wurzeln. Aktuell führt nur noch der Transfer vom Boden zur Pflanze zu einer radioaktiven Belastung von Nahrungsmitteln, insbesondere von wild wachsenden Produkten. Die Aufnahme von Radionukliden wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Welcher Anteil des im Boden vorhandenen Cäsiums und Strontiums den Pflanzenwurzeln in der Bodenlösung zur Verfügung steht, hängt ab von Bodenstruktur und -porosität, pH-Wert, Konzentration chemisch ähnlicher Stoffe, Bodenfeuchtigkeit und von der Aktivität der Mikroorganismen. Strontium wird in calciumarmen Böden mit geringem organischen Anteil gut von Wurzeln aufgenommen, Cäsium dagegen in organischen, leicht sauren Böden mit geringem Gehalt an Ton und Mineralstoffen. Diese Beschaffenheit ist für Wald- und Hochmoorböden, meist auch für alpine Weidewiesen und Tundren typisch. Die von den Wurzeln aufgenommenen Ionen werden in der Pflanze weitertransportiert und in verschiedenen Pflanzenteilen, beispielsweise in den Früchten, unterschiedlich stark angesammelt. Dieser Vorgang hängt nicht nur vom Nuklid und der Pflanzenart ab, sondern auch von zeitlich variierenden Faktoren, wie Klima und Reifegrad.

Belastung Pilze

Maronenröhrlinge sind im Vergleich zu Steinpilzen wesentlich höher belastet (Jahresmittelwerte 1998). Messungen: Umweltinstitut München e.V.

Es gibt ausgesprochene Cäsiumsammler wie den Maronenröhrling oder Semmelstoppelpilz und Arten wie den Schirmling oder Champignon, die Cäsium nur in geringen Mengen aufnehmen. Die am häufigsten gesammelten Speisepilze wie Pfifferling und Steinpilz nehmen eine mittlere Position ein. Überzeugende Erklärungen für die Unterschiede innerhalb einer Gattung oder Familie gibt es bisher nicht. Im Mittel reichern Mykorrhiza- Pilze (Symbionten) wie z.B. Röhrenpilze mehr Cäsium an als saprophytisch lebende Pilze wie z.B. Morcheln, und diese mehr als parasitisch lebende Pilze wie z.B. Hallimasch. Neben Pilzen, bei denen man die höchsten Cäsium- Kontaminationen findet, können auch andere Pflanzen des Waldes, wie Heidelbeeren, Preiselbeeren, Moosbeeren, Moose, Flechten, Farne oder Sauerklee, sehr viel Cäsium anreichern. Bäume sind aufgrund ihres hohen Alters und ihrer großen Biomasse langlebige Cäsium-Speicher im Ökosystem Wald. Sie weisen allerdings vergleichsweise niedrige Cäsium-137-Konzentrationen auf. Die Aufnahme von Cäsium-137 lässt sich recht gut in den frischen Maiaustrieben der Fichten nachweisen.

Belastung von Wild
Wildschweine

Wildlebende Wildschweine können hoch radioaktiv belastet sein.

Wildtiere können große Mengen an Cäsium entsprechend der Verteilung des chemisch ähnlichen Kaliums im Organismus bzw. in der Muskulatur anreichern. Strontium lagert sich wie Calcium in Knochen ein und kommt deshalb im Fleisch nicht vor. Viele Waldpflanzen, die Nahrung wild lebender Tiere sind, beziehen ihre Nährstoffe aus der oberflächennahen Bodenschicht mit den höchsten Cäsiumkonzentrationen.

Je nach Jahreszeit nehmen Wildtiere mit dem wechselnden Angebot an Nahrung – Pilze, Beeren, Heidekraut u.a. – unterschiedliche Mengen an Cäsium auf: Das Minimum liegt im Frühjahr, das Maximum im Herbst, von Ende September bis zum Beginn des Schneefalls. Im Sommer und Herbst wird Cäsium vermehrt aufgenommen, im Winter und Frühjahr wird es überwiegend ausgeschieden. Wegen der Fütterungen durch Förster und Jäger nehmen die Tiere in der kalten Jahreszeit hauptsächlich unbelastete Nahrung auf. Bedingt durch das unterschiedliche Fressverhalten schwankt die radioaktive Belastung von Wildfleisch sehr. Tiere, die immer im Wald bleiben, weisen höhere Konzentrationen auf als solche, die auch Pflanzen von Wiesen und Feldern fressen. Freilebende Wildschweine sind von allen Waldtieren mit Abstand am höchsten belastet. Zurückzuführen ist dies auf ihre Vorliebe, in der oberen Waldbodenschicht nach Leckerbissen wie Wurzeln oder Hirschtrüffel zu wühlen, die stark mit Cäsium belastet sind. Gemäß Bundesamt für Strahlenschutz wurde bei Wildschweinen aus dem Bayerischen Wald im Jahr 2004 eine mittlere Strahlenbelastung von 6700 Bq/kg gemessen. Der Spitzenwert der vergangenen Jahre betrug etwa 70.000 Bq/kg, mehr als das Hundertfache des EU-Grenzwerts für Lebensmittel von 600 Bq/kg.

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