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Die BürgerInnen aus dem Südtiroler Dorf Mals haben als erste Gemeinde Europas beschlossen, Pestizide in ihrem Ort zu verbieten. Doch die Landesregierung will lokale Pestizidverbote unmöglich machen, indem sie den Gemeinden die Zuständigkeit entzieht.

Fordern Sie jetzt den Südtiroler Landeshauptmann auf, das Malser Pestizidverbot zu unterstützen und zum Vorbild für ganz Südtirol zu machen.

 

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Bildnachweis: Das Aktionslogo im Header ist eine Collage auf Basis von Fotos von Günther Drescher, Südtirol-Bild, und Maria Gapp, Fotografie&Gestaltung.

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Pestizide: Gefahr für Mensch und Natur
Sprühnebel hinter einem Traktor zwischen Obstbäumen

Foto: Simin Zoran / Fotolia

Pestizide gehören zu den großen Problemen der konventionellen Landwirtschaft. Produkte der chemischen Industrie, die in der Landwirtschaft unerwünschte Pflanzen, Insekten, Pilze oder Bodenlebewesen töten sollen, richten große Schäden an. Viele der Wirkstoffe sind auch für Menschen, Säugetiere, Amphibien und/oder Fische gefährlich.

Pestizide

Südtirol, das Apfelland

Südtirol ist das größte Apfelanbaugebiet in Europa. Ungefähr jeder zehnte Apfel in der EU wird in den milden Tälern der Südalpen rund um Bozen, Meran und Brixen geerntet. Mit dem intensiven Apfelanbau geht ein hoher Einsatz von Spritzmitteln einher. Zwischen dem Frühjahr und der Ernte fahren die Traktoren bis zu zweimal pro Woche durch die Baumreihen, um mit der chemischen Keule ein völlig unnatürliches Ökosystem aufrechtzuerhalten.

Anders als Getreidefelder, bei denen nur nach unten gespritzt wird, werden die Apfelplantagen auch noch in zwei Metern Höhe behandelt. Infolgedessen ist Abdrift ein besonders großes Problem. Der Wind in den Tälern treibt Pestizidtröpfchen auf Sportanlagen, in private Gärten, Kinderspielplätze und Schulhöfe. Noch hunderte Meter über der Talsohle des Vinschgaus verschwinden deshalb beispielsweise die Widderchen, kleine Schmetterlinge, die auf Insektengifte besonders empfindlich reagieren.

Weil sich mit intensiven Apfelplantagen gutes Geld verdienen lässt, haben sie sich in ganz Südtirol immer weiter ausgebreitet. Milchviehhaltung und Getreideanbau wurden aus den tieferen Lagen verdrängt. Es entstanden großflächige Monokulturen. Durch den Klimawandel begünstigt breiten sich die Plantagen inzwischen in immer höhere Lagen aus.

Mals, das pestizidfreie Dorf
Das Dorf Mals, Photo: Gaudenz Blaas

Das Dorf Mals, Photo: Gaudenz Blaas

Die Gemeinde Mals liegt am oberen Ende des Vinschgaus, kurz vor dem Reschenpass. Noch vor 15 Jahren war es dort für Apfelanbau zu trocken und eigentlich auch zu kühl. Doch der Klimawandel, Investitionen in Bewässerung und Zuchtfortschritte machen auch hier Apfelplantagen lukrativ.

Gleichzeitig entstand in Mals eine immer größere Opposition gegen Pestizide. Da im Etschtal an den meisten Tagen ein Aufwind herrscht, treiben die Gifte von weiter unten herauf. Die Ausbreitung der Apfelplantagen brachte Eltern, die sich um die Gesundheit ihrer Kinder sorgen, die lokale Umweltschutzgruppe und die traditionelle Landwirtschaft in einem breiten Bündnis zusammen. 2013 beantragten sie eine Volksabstimmung. Nachdem die Südtiroler Behörden es lange verzögert haben, kam es 2014 zum Referendum. Mit 77 Prozent Ja-Stimmen entschieden sich die Malserinnen und Malser für ein absolutes Pestizidverbot in der gesamten Gemeinde.

Doch damit war die Geschichte noch nicht vorbei. Bei der Gemeinderatswahl 2015 wurde ein Gemeinderat gewählt, der das Ergebnis der Volksabstimmung unterstützt. Erst danach wurde eine kommunale Satzung verabschiedet, die das Pestizidverbot auch tatsächlich umsetzt. Doch das juristische Gezerre geht weiter. Die Landesregierung sieht das Referendum als nicht legitim an und der Bauernverband wettert gegen die Einmischung der Demokratie in die Belange der LandbesitzerInnen. Einzelne GrundbesitzerInnen und Obstbaubetriebe aus der Umgebung, die in Mals Grundstücke gepachtet haben, klagen gegen die Regelung. Sie wollen unbedingt konventionelle Apfelplantagen anpflanzen, um damit Geld zu verdienen.

Das Malser Beispiel ist einmalig. Es könnte zum Leuchtturm werden und weitere Gemeinden anregen, sich zu pestizidfreien Kommunen zu erklären. Dazu muss das Projekt aber ein Erfolg werden und darf nicht am Widerstand der Südtiroler Landespolitik scheitern.

Die Landesregierung bremst
Arno Kompatscher

Arno Kompatscher ist seit 2015 Landeshauptmann von Südtirol. Photo: Dragan Tatic, Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres

Die Diskussion um Pestizide, die die Malser Bürgerinitiative in ganz Südtirol und darüber hinaus ausgelöst hat, bringt immer mehr jüngere Bauern und Bäuerinnen zum Umdenken: In den Jahren 2015 und 2016 wurden insgesamt 300ha Apfelplantagen auf Bio-Anbau umgestellt, was einem Anstieg um 60% entspricht. Die Südtiroler Landesregierung in Bozen könnte sich hinter die Malser Entscheidung stellen und das „Wunder von Mals“ als großes Vorbild für die Tourismuswerbung verwenden. Denn die Auswirkungen der Pestizide in den Apfelplantagen werden langfristig den Ruf der Region als beliebtes Tourismus-Ziel schädigen.

Doch die Landesregierung um Landeshauptmann Kompatscher von der konservativen Südtiroler Volkspartei ist der Apfellobby eng verbunden. Mit einem neuen Gesetz aus dem Jahr 2016 zieht die Landesregierung Kompetenzen im Bereich Pestizide an sich und beschränkt die Möglichkeiten der Kommunen. Sie möchte nicht, dass Kommunen sich zu pestizidfreien Gemeinden erklären.

Dass es auch anders geht, beweist die Nachbarregion Trentino. Dort hat die Landesregierung die Rechte der Kommunen gestärkt, als die Gemeinde Vallarsa sich das Ziel gesetzt hat, komplett auf Bio-Landwirtschaft umzustellen.

Mit unserer Online-Aktion wollen wir Druck auf die Landesregierung ausüben, Mals nicht auszubremsen, sondern zu unterstützen.

Bildnachweis: Das Aktionslogo im Header ist eine Collage auf Basis von Fotos von Günther Drescher, Südtirol-Bild, und Maria Gapp, Fotografie&Gestaltung.

Das Wunder von Mals

Das Wunder von Mals

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Infomaterial
1 / n

Ackergifte? Nein Danke!

Die Aufkleber zur Kampagne für eine giftfreie Landwirtschaft.

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Ackergifte? Bei Euch piept's wohl!

Aufkleber gegen Artenschwund durch Pestizide.

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Faltblatt zu Glyphosat

Das meistbenutzte Pestizid der Welt

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Faltblatt Pestizide

Welche Gefahren von Pesitziden für Mensch und Umwelt ausgehen, erfahren Sie in diesem Flyer.

Download (PDF, 1.0 MB)

Stummer Frühling

Wie wir das Bienensterben verhindern können

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Update 16.5.2018: Eilantrag gegen die Pestizidverordnung

Mit dem Inkrafttreten der Verordnung geht die juristische Auseinandersetzung in eine neue Runde. Im Auftrag von LandwirtInnen, die in Mals Obstplantagen haben, klagt der Bauernbunds-Anwalt Arthur Frei gegen die Pestizidverordnung. Die insgesamt 38 Personen, die klagen, sind nicht alles Malser BürgerInnen, sondern haben zum Teil dort Grund gepachtet.

Am 16. Mai entschied das Verwaltungericht in Bozen, die Verordnung bis zum 12. Juni außer Kraft zu setzen. Bei der Verhandlung am 12. Juni soll entschieden werden, ob sie während der juristischen Auseinandersetzung weiter gilt. Alleine die Verhandlungen in Bozen können jahrelang dauern. Die nächste Instanz ist bereits der Staatsrat in Rom.

Update 1.4.2018: Ende der Übergangsfristen

Die Übergangsfristen in der Malser Pestizidverordnung sind zu Ende. Ab heute gilt sie vollumfänglich und es darf nicht mehr gespritzt werden. Den Originaltext der Verordnung finden Sie unter diesem Link.

Update September 2017

Das Buch "Das Wunder von Mals" ist erschienen. Es beschreibt die Auseinandersetzung um Pestizide in Südtirol und die Aktivitäten in Mals aus der Sicht eines teilnehmenden Beobachters: Autor Alexander Schiebel lebte während der Recherche über zwei Jahre selbst in Mals und half bei der Verbreitung der Malser Geschichte und Aktivitäten in den neuen Medien.

 

 

 

Update August 2017: Mit Schutzanzügen auf dem Fahrrad

Die Malserinnen und Malser lassen nicht locker. Weil nichts vorwärts geht, organisieren Sie eine Aktion am Fahrradweg, der die Etsch entlang durch die Obstplantagen führt und machen sportorientierte TouristInnen auf die Pestizid-Problematik aufmerksam.

Update Juli 2017: Treffen zwischen AktivistInnen und Landeshauptmann

Aus gut informierter Quelle haben wir erfahren, dass AktivistInnen aus Mals Landeshauptmann Kompatscher in einem Brief um einen Termin gebeten haben. Voraussichtlich werden sie im Herbst nach Bozen fahren, um sich mit ihm zu treffen.

Hoffen wir, dass bei dem Gespräch etwas Handfestes herauskommt.

Update 25.4.2017: Aktionstag in Mals

Am 23.4. waren wir mit dem Bus in Mals. Zusammen mit den aktiven BürgerInnen aus Mals und ein paar UmweltschützerInnen, die aus anderen Teilen Südtirols angereist waren, haben wir bei einer Kundgebung und mit einer Menschenkette unsere Forderungen ausgedrückt, wurden vom Koch des Biohotel Panorama bekocht und haben Fähnchen mit den Namen der UnterstützerInnen unserer Aktion im Ort aufgehängt. Mehr dazu finden Sie im Abschnitt "Aktionstag", unserer Pressemitteilung und der aktuellen Meldung.

Update 15.4.2017: Antwort von Landeshauptmann Kompatscher

Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher hat uns inzwischen auf unseren offenen Brief (siehe unten) geantwortet. In seiner Antwort sagt er nach wie vor nicht direkt, was er von der Idee einer pestizidfreien Gemeinde hält und verhält sich auch nicht zur veränderten Gesetzeslage in Südtirol seit 2016. Er wirft uns aber erneut vor, die Zuständigkeiten nicht verstanden zu haben. Zudem schreibt er, dass er sich nicht mit uns treffen möchte, bietet aber VertreterInnen der Gemeinde Mals und Südtiroler Umweltschutzgruppen ein Gespräch an.

Wir werden als nächstes mit unseren Verbündeten in Südtirol besprechen, ob Sie dieses Angebot annehmen wollen.

Download: Die Antwort von Landeshauptmann Arno Kompatscher auf unseren offenen Brief

Lesen Sie hier den Brief von Herrn Kompatscher

Update 29.03.2017: Der Landeshauptmann meldet sich zu Wort

Gestern hat sich der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher erstmals zu unserer Aktion geäußert. Per E-Mail schickte er allen bisherigen Aktionsteilnehmern seine Sicht der Dinge. In seiner Nachricht wift er uns vor, die Informationen auf unserer Website seien „in weiten Teilen falsch bzw. durch extreme Vereinfachungen gekennzeichnet“.

Gegen diesen Vorwurf verwehren wir uns ausdrücklich. Herrn Kompatscher geht es insbesondere um die Frage der Zulässigkeit der Malser Abstimmung. Nach seiner Meinung hätten die Malser von Anfang an gar nicht über ein lokales Pestizidverbot entscheiden dürfen. Doch tatsächlich war die Abstimmung vom italienischen Innenministerium genehmigt worden. Erst durch ein neues Gesetz (Artikel 7) hat die Landesregierung den Gemeinden die Zuständigkeit entzogen.

Ob das Malser Pestizidverbot Bestand hat, ist aktuell Gegenstand eines laufenden Rechtsverfahrens. Den Ausgang kann auch der Landeshauptmann nicht vorab wissen.

Wir fordern Herrn Kompatscher auf, seine Defensivhaltung aufzugeben und laden ihn stattdessen ein, mit uns und VertreterInnen aus Mals ein Gespräch darüber zu führen, wie der Malser Weg fortgesetzt und zum Vorbild für ganz Südtirol werden kann.

Mit einem offenen Brief haben wir auf die Vorwürfe des Landeshauptmanns geantwortet:

Lesen Sie unseren Brief hier

Was Alexander Schiebel, der Autor des "Wunder von Mals", vom Schreiben des Landeshauptmanns hält, erzählt er in diesem Video:

Video-Antwort von Alexander Schiebel auf das Schreiben des Landeshauptmanns

Update 28.3.2017: Unsere Aktion in der Südtiroler Presse

Mit einer Pressemitteilung auf Deutsch und Italienisch informieren wir die Südtiroler Presse über das große Interesse an unserer Aktion. Zahlreiche Südtiroler Medien berichten anschließend - teils kontrovers - über die Solidarität für Mals aus Deutschland, online nachzulesen zum Beispiel bei

Mails für Mals, Missbraucht München Mals?, Pestizid-Ping-Pong (salto.bz)

Zigtausend Protest-Mails an den Landeshauptmann (unsertirol24.com)

Pestizidreduktion: Umweltinstitut lädt Kompatscher zum Dialog (suedtirolnews.it)

Pestizidfreies Mals: 14.000 Protest-Mails an Kompatscher, Pestizide: Ziemlich beste Brieffeinde (stol.it)

Unterstützen Sie uns!

Filmprojekt: Das Wunder von Mals

Der Filmemacher Alexander Schiebel ist in Mals, um die Geschichte der Gemeinde, die sich per Volksabstimmung zur pestizidfreien Gemeinde erklärt hat, aufzuzeichnen. Wir unterstützen den Dokumentarfilm „Das Wunder von Mals“ und helfen dem Ort, den Kampf gegen die Industrielobby zu gewinnen.