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Energiewende

Renaissance der Kohle

Konzernkohle vs. Erneuerbare

© T.Linack / Fotolia.de

 

Gemäß Bundesnetzagentur gingen im Jahr 2013 so viele Kohlekraftwerke ans Netz wie noch nie in den letzten 20 Jahren. Es handelt sich um neue Steinkohle-Kraftwerke mit einer Rekordleistung von fast 5300 MW. Laut Plan sollen aber nur alte Steinkohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von knapp 1000 MW eingemottet werden. Damit drängen zusätzlich konventionelle Kraftwerkskapazitäten mit einer Leistung von 4300 MW auf einen jetzt schon gesättigten Markt.

Wir erklären, warum die Renaissance der Kohlekraft und nicht der Ausbau der Erneuerbaren der Preistreiber am Strommarkt ist. Ökostrom wird seit dem Jahr 2010 verpflichtend an der Börse vermarktet, und zwar nicht als „grüner“, sondern als konventioneller „Graustrom“ ohne Grünanteil. Damit vergrößert sich quasi das Angebot an konventionellem Strom, und die Strom- und Einkaufspreise an der Börse fallen. Da die Verbraucher mit der EEG-Umlage aber die Differenz zwischen Einspeise- und Börsentarif zahlen müssen, steigt deshalb bei sinkendem Börsenpreis die EEG-Umlage. So finanzieren die privaten Stromkunden immer mehr die niedrigen Strompreise von Großabnehmern und Industrie, die zudem selbst oft noch von der Umlage und den Netzentgelten befreit sind.

Verstopfte Netze, gesättigter Markt...
Kohlekraftwerk

© Dave Massey / Fotolia.de

Die Börsenpreise purzeln, so die landläufige Meinung, weil Wind- und Sonnenkraft zu bestimmten Zeiten viel überschüssigen Strom erzeugen, der nicht gebraucht werde. Im Extremfall (bei viel Wind und Sonne) führe dies zu negativen Strompreisen, wo für die Abnahme des Stroms sogar noch gezahlt wird.

Aber sind wirklich nur Sonne und Wind dafür verantwortlich? Die "AG Energiebilanzen" hat gemeldet, dass die eingespeiste Menge an Photovoltaik- und Windstrom im ersten Halbjahr 2013 erstmals gesunken sei, weil der Ausbau zurückging und es weniger Wind und Sonne gab. Genau in diesem Halbjahr haben die Zeiten mit negativen Strompreisen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 50 Prozent zugenommen. Auch Erdgas erlebte einen Einbruch. Die Atomkraft blieb konstant.

... und trotzdem mehr Kohle

Nur die Stromerzeugung aus Stein- und Braunkohle stieg gegenüber 2012 drastisch an. Ein weiterer Grund für Überschussstrom sind also offensichtlich die unflexiblen Kohlekraftwerke. Sie laufen auch in Zeiten geringer Stromnachfrage beinahe ungebremst und drücken zu viel Strom in die Netze. EE-Anlagen werden dann, weil flexibel, zwangsweise vom Netz getrennt.

Die Betreiber der Anlagen erhalten Entschädigungszahlungen für die Verluste, die ihnen dadurch entstehen. Der Netzbetreiber verrechnet die  Entschädigungszahlungen dann mit der EEG-Umlage. Also bezahlt der Verbraucher in diesem Fall mit der EEG-Umlage den Kohle- und Atomstrom, der das Netz für die Erneuerbaren Energien verstopft.

Stromnetz

©Hero / Fotolia.de

Durch den insgesamt auf 23 Prozent gewachsenen Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien, und auch weil der inländische Verbrauch leicht um 1,6 Prozent gesunken ist, wird in Deutschland weniger konventioneller Strom gebraucht. Aber: Damit ihre Atom- und Kohlekraftwerke weiterlaufen können, verschieben die deutschen Stromerzeuger immer mehr Strom ins Ausland, im Jahr 2012 so viel wie noch nie (23,1 TWh), und im ersten Halbjahr 2013 legte der Exportsaldo gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch einmal um knapp 50 Prozent zu. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) stammen die erneut kräftig gestiegenen Stromexporte allein aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken. Sie produzieren Strom, der für den Inlandsbedarf nicht benötigt wird und sich ungünstig auf die bestehenden Engpässe bei den Übertragungsnetzen auswirkt. Entscheidender Treiber für Exporte ist der aktuelle Preis an der Strombörse. Strom aus abgeschriebenen Großkraftwerken lässt sich bei den in Deutschland aktuell niedrigeren Börsenpreisen im Ausland immer noch Gewinn bringend absetzen.

Selbstverschuldete Krise
Kohlekraftwerk

© david@engel.ac / Fotolia.de

Dennoch sind die sinkenden Preise an der Börse der Energiewirtschaft ein Dorn im Auge. Die Energieversorger mussten bei der Präsentation der Quartalszahlen im Sommer 2013 sinkende Gewinne verkünden (auch wenn diese noch immer im hohen Milliardenbereich liegen), denn das sinkende Preissignal am Spotmarkt, wo der EEG-Strom vermarktet wird, wirkt sich auch immer deutlicher auf den Terminmarkt für Grundlaststrom aus. Das konventionelle Kraftwerksgeschäft steckt nach Angaben der Versorger in einer Krise, ihr Betrieb rechne sich nicht mehr angesichts des ungebrochenen Solarbooms und des sinkenden Börsenstrompreises. Aber laut AG Energiebilanzen ging im ersten Halbjahr 2013 die Ökostromproduktion zurück und der Kohlestrom erlebte einen Boom. Unbestritten ist allerdings, dass sinkende Börsenpreise den Gewinn schmälern und dass viele neue Kraftwerke auf einem gesättigten Markt und bei sinkender Stromnachfrage zu einer geringeren Auslastung einiger Anlagen führen. Waren es erst nur die teureren Gaskraftwerke, die sich nicht mehr rentieren, so sollen sich inzwischen angeblich auch viele Braun- und Steinkohlekraftwerke und sogar Atommeiler nicht mehr rechnen. RWE droht mit der Stilllegung von 7000 MW Kraftwerksleistung und E.ON will sogar 11.000 MW vom Netz nehmen. Dabei haben sich die Stromversorger das Problem selbst zuzuschreiben. Schließlich haben sie die Vermarktung des EEG-Stroms an der Börse gefordert. Auf Druck des Verbands der Energiewirtschaft BDEW hat die schwarz-gelbe Bundesregierung in 2010 den Ausgleichsmechanismus für EEG-Strom an der Börse eingeführt. Die Strompreise sind seitdem überproportional gefallen. Dumm gelaufen.  

Historischer Preisverfall an der Börse

An der Leipziger Strombörse EEX ist 2013 der Preis für die Jahreslieferung von Grundlaststrom für das Jahr 2019 unter 4 Cent gefallen. Damit waren alle Terminmarktkontrakte zur Lieferung von Grundlaststrom zwischen 2014 und 2019 unter der 4-Cent-Marke. Der Preis für Grundlaststrom in 2014 beträgt 3,661 Cent/kWh; am Spotmarkt, wo Spitzenlaststrom gehandelt wird, liegt der Preis bei 4,699 Cent/kWh (jeweils Stand 31.7.2013). Das sind historisch günstige Preise, wie sie zuletzt im Jahr 2005 üblich waren. Die hocheffizienten und vergleichsweise klimafreundlichen Gaskraftwerke werden von dem durch zu niedrige CO2-Zertifikatpreise begünstigten Kohleboom und von sinkenden Börsenstrompreisen aus dem Markt gedrängt.

Ebenso wird das EEG-Umlagekonto tiefer ins Minus gedrückt, wenn zusätzliche Kohle-Strommengen auf den Markt kommen und den Preisverfall an der Börse beschleunigen. Es weist trotz Anhebung der EEG-Umlage 2013 und gleichzeitig starker Drosselung des Zubaus von EE-Anlagen derzeit einen Fehlbetrag aus. Insgesamt sind rund 1,7 Mrd. Euro mehr an die Anlagenbetreiber ausgezahlt worden, als über die Umlage eingenommen wurde (Stand 9.7.2013). Dies ist zwar in den Sommermonaten üblich und sollte sich im Herbst wieder ausgleichen. Wenn nicht, ist 2014 ebenso wie in 2013 eine Ausgleichszahlung fällig.

Bei einem Nachgeben der Börsenpreise um 0,54 Cent/kWh, so wie es im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres der Fall war, würden hochgerechnet auf das Jahr laut Prognose der Netzbetreiber am Ende 730 Mio. Euro fehlen. Sollten die Preise im Jahresdurchschnitt um 1 Cent/kWh abnehmen, dann würden schon 1,35 Mrd. Euro fehlen. Das Rechenbeispiel zeigt, wie stark der Börsen-Strompreis das EEG-Umlagenkonto und damit die EEG-Umlage beeinflusst.

Stand: Februar 2014
Infomaterial
1 / n

Wie die Kohlekraft Mensch und Umwelt schadet
Die gefährliche Renaissance der Kohle

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