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Kohle

Größter Klimakiller

Kohleverstromung gefährdet Klimaziele

© Davis / Fotolia.de

 

Allein die Kohlestromproduktion ist für sage und schreibe ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Das zeigt deutlich, dass Klimaschutz und Kohleausstieg eng miteinander verzahnt sind.

Braunkohle ist mit einem Kohlenstoffdioxidausstoß von 1161 Gramm pro Kilowattstunde der mit Abstand klimaschädlichste Energieträger. Erdgas stößt im Vergleich nur etwa ein Drittel davon aus – 411 Gramm pro Kilowattstunde.

Die durch Subventionen und die fehlende Internalisierung externer Kosten (Umweltschäden, Gesundheitskosten) künstlich verbilligte Kohle verdrängt aber die flexibleren und effizienteren Gaskraftwerke vom Markt. Dabei stoßen diese nicht nur wesentlich weniger Treibhausgase aus. Sie wären auch aufgrund ihrer hohen Dynamik besser geeignet, die schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auszugleichen und so die Energiewende zu fördern. Gas- und Dampfkraftwerke sowie Gasturbinen sind Kohlekraftwerken sowohl im Wirkungsgrad als auch bezüglich schneller Laständerung und Anfahrtszeiten bei einem Kaltstart klar überlegen. Durch den stetig steigenden Stromexport in Nachbarländer verdrängen deutsche Kohlekraftwerke inzwischen sogar Gas- und Wasserkraftwerke im Ausland und konterkarieren so auch dort den Klimaschutz.  

Das Energiekonzept der Bundesregierung sieht vor, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 zu senken. Bis 2011 konnte Deutschland seine CO2-Emissionen bereits um 25 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Seitdem hat sich der Treibhausgasausstoß jedoch wieder erhöht. Schuld daran ist der Anstieg der schmutzigen Stromproduktion aus Kohle. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks räumte daher im Juli 2014 ein, dass das Klimaziel ohne zusätzliche Maßnahmen nicht mehr erreicht werden kann. Geht es weiter wie bisher, wird Deutschland bis zum Jahr 2020 lediglich eine Reduktion von 33 Prozent schaffen.

Damit Deutschland seine Klimaziele nicht verfehlt, muss die Kohleverstromung drastisch sinken. Eine Analyse der Agora Energiewende kommt zu dem Ergebnis, dass die Stromproduktion aus Braunkohle bis 2030 um mindestens 62 Prozent und die Steinkohlestromproduktion um 80 Prozent reduziert werden muss. Auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat sich bereits vor einigen Jahren dafür ausgesprochen, alle Kohlekraftwerke maximal 35 Jahre lang laufen zu lassen. Das würde einem Kohleausstieg bis 2040 gleichkommen. Da Kohlekraftwerke nach 25 Jahren abgeschrieben sind, könnten auch ganz neue Meiler bis dahin vom Netz gehen. Die meisten Kohlekraftwerke könnte man laut Sachverständigenrat aber bereits in den nächsten 15 bis 20 Jahren abschalten. Martin Faulstich, der Vorsitzende des Sachverständigenrats rät der Regierung, schnellstmöglich einen Plan für den Kohleausstieg zu entwerfen und mit Unternehmen und Gewerkschaften abzustimmen.

Instrumente für den Kohleausstieg
Kohlekraftwerk

© Tom Bayer / Fotolia.de

Es gibt bereits einen breiten Konsens darüber, dass ein Ausstieg aus der Kohle im Namen des Klimaschutzes unabdinglich ist. Verschiedene politische Instrumente können dazu beitragen, den Ausstieg zu erreichen:

Reform des europäischen Emissionshandels

Als zentrales Klimaschutzinstrument der EU hat das europäische Emissionshandelssystem bislang versagt. Das liegt vorrangig daran, dass von Anfang an viel zu viele Zertifikate auf den Markt gebracht worden sind und dementsprechend der Preis pro Emissionszertifikat zu niedrig ist, um klimaschädliche Technologien unrentabel zu machen. Noch letztes Jahr wurde die Hälfte der ausgegebenen Zertifikate frei zugeteilt. Aktuell gibt es einen Überschuss von etwa zwei Milliarden Zertifikaten.

Anfang 2014 haben sich die EU-Staaten für ein sogenanntes „Backloading“ entschieden. Dadurch werden 900 Millionen zusätzliche CO2-Zertifikate statt zwischen 2014 und 2016 erst in den Jahren 2019 und 2020 auf den Markt kommen. Ein Preisanstieg von heute fünf Euro auf die notwendigen 25 bis 40 Euro, die den Betrieb von Kohlekraftwerken teurer als den von Gaskraftwerken machen würden, wird dadurch jedoch kurzfristig nicht angeregt. Eine umfassende Reparatur des Emissionshandels ist nötig, damit dieser effektiv den Klimaschutz in Europa fördern kann.

Da nicht zu erwarten ist, dass der Emissionshandel im Zeithorizont bis 2020 seine gewünschte Wirkung entfalten kann, sind aktuell weitere Maßnahmen in der Diskussion, die auf nationaler Ebene eingeführt werden könnten:

CO2-Mindestpreis

Um den Emissionshandel zu stärken, könnten die EU-Staaten, aber auch einzelne nationale Regierungen einen CO2-Mindestpreis festlegen. Großbritannien hat mit dem Carbon Price Floor (CPF) bereits im Jahr 2013 einen solchen Mindestpreis gesetzt. Dabei wird eine zusätzliche Steuer auf CO2-Emissionen im Stromsektor erhoben. Für das Haushaltsjahr 2013/2014 beträgt der CO2-Mindestpreis etwa 20 Euro, bis 2020 kann er auf maximal 23 Euro steigen. Für Deutschland haben Bündnis 90/Die Grünen in einem Gesetzesentwurf für ein Klimaschutzgesetz vorgeschlagen, einen Mindestpreis mit Hilfe einer zusätzlichen Verbrauchsteuer auf den Erwerb von CO2-Emissionszertifikaten einzuführen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung zweifelt jedoch an, ob dieser Preis eine Höhe erreichen würde, bei der ein Brennstoffwechsel von Kohle zu Gas stattfindet.

Kohlebagger

© Davido / Fotolia.de

Mindestwirkungsgrade und Flexibilitätsanforderungen

Die Bundestagsfraktion der Grünen scheiterte im Jahr 2009 mit einem Gesetzesentwurf zur Einführung eines Mindestwirkungsgrades. Würde man in Deutschland einen Mindestwirkungsgrad von über 40 Prozent auch für Bestandsanlagen einführen, wären mehr als zehn Gigawatt Braunkohlekapazitäten betroffen. Unter die Flexibilität eines Kraftwerks fallen Kriterien wie die Möglichkeit der kurzfristigen Änderung der Erzeugung und die Anfahrdauer. Auch hier könnte man Mindestanforderungen einführen, die den Betrieb von Kohlemeilern einschränken würden. Beide Regelungen würden allerdings zum Teil auch Gaskraftwerke betreffen, gibt das DIW in einer Analyse zu bedenken. So haben zwar kombinierte Gasturbinen- und Dampfkraftwerke (GuD-Kraftwerke) einen höheren Wirkungsgrad als reine Gasturbinenkraftwerke, sind aber weniger flexibel.

Gesetzlich festgelegter Kohleausstieg

Möglich wäre auch ein Kohleausstiegsgesetz, das konkrete Restemissionsmengen oder Reststrommengen festlegt und damit einen konkreten Fahrplan für das Auslaufen der Kohlekraft vorgibt. Ein solches Gesetz wäre politisch zwar schwer durchsetzbar, könnte aber im Sinne eines Kohleausstiegsplans, wie ihn der Sachverständigenrat für Umweltfragen vorschlägt, mit allen beteiligten Akteuren verhandelt und im Konsens beschlossen werden.

CO2-Grenzwerte

CO2-Emissionsgrenzwerte sind gesetzlich festgeschriebene Obergrenzen für Emissionen von Anlagen zur Energieumwandlung. Es gibt bereits internationale Erfahrungen mit dieser Maßnahme, so in Kanada, einigen Staaten der USA und seit Dezember 2013 in Großbritannien. Eine solche Regelung ist europarechtlich zulässig und könnte auch in Deutschland eingeführt werden, sofern die „Sperrklausel“ im Bundes-Immissionsschutzgesetz gestrichen würde.

Die meisten CO2-Emissionsgrenzwerte orientieren sich am CO2-Ausstoß von Gas- und Dampfkraftwerken und liegt damit bei 400-500 g/kWh im Jahr. Zum Vergleich: Der Kohlenstoffdioxidausstoß von Stein- und Braunkohlekraftwerken liegt im Mittel bei 900 bzw. 1160 g/kWh jährlich.

Die Einführung solcher Grenzwerte für neue fossile Kraftwerke könnte den Neubau von Kohlekraftwerken effektiv verhindern, so das Fazit des Institute for Advanced Sustainability Studies Potsdam. Auch könnten die Emissionen von amortisierten Bestandsanlagen durch Jahresemissionsgrenzwerte reduziert werden, ohne die Betreiber zu zwingen, die Kraftwerke sofort stillzulegen. Nachrüstungen bestehender Kohlekraftwerke, die deren Lebensdauer bis in die 2030er oder 2040er Jahre verlängern würden, wären auf diese Weise unwirtschaftlich. Es ist zudem einfach, die Einhaltung der Grenzwerte zu kontrollieren, da die Kraftwerksemissionen von der Deutschen Emissionshandelsstelle erfasst werden.  

Stand: August 2014
Infomaterial
1 / n

Wie die Kohlekraft Mensch und Umwelt schadet
Die gefährliche Renaissance der Kohle

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