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Gentechnik

Neue Manipulations-Methoden

Neue Methoden der Genmanipulation: Verbogene Gesetze
Gernot Krautberger, fotolia, Schere, DNA, Frau

© Gernot Krautberger / fotolia.com

Der Gentechnik-Maschinerie ist es in den letzten Jahren gelungen eine Vielzahl neuer Methoden hervorzubringen, um direkt in das Erbgut von Tieren und Pflanzen einzugreifen. Geht es nach Megakonzernen wie Monsanto, Bayer CropScience, Syngenta und Co. so sollen derart hergestellte Tiere und Pflanzen künftig nicht als genmanipulierte Organismen gelten. Sie drängen darauf, dass die Gentechnik-Gesetzgebung zu ihren Gunsten zurechtgebogen wird. Und die Politik spielt mit. Das könnte es den Konzernen ermöglichen, uns doch noch genmanipulierte Lebensmittel unterzujubeln.

Würden die neuen Methoden klar als Gentechnik gelten, müssten derart produzierte Lebensmittel auch gekennzeichnet werden. In Europa wären solche Produkte damit praktisch unverkäuflich, da die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher Gentechnik in der Landwirtschaft ablehnt.

Die neuen Risikotechnologien

Die neuen Technologien haben teils zungenbrecherische Namen wie „Zinkfingernukleasen“ oder „RNA-abhängige DNA-Methylierung“. Dahinter stecken hoch komplexe Vorgänge, die im Detail von Wissenschaftlern noch gar nicht verstanden werden. Sie sollen dazu dienen, einzelne oder auch mehrere Gene im Zielorganismus zu verändern, neue Gene darin einzuschleusen oder abzuschalten. 

Ungefähr 20 molekularbiologische Verfahren werden zu den neuen Manipulations-Methoden gezählt.

Die Wichtigsten auf einen Blick:
In der EU herrscht das Vorsorgeprinzip

Die von Gentechnik-Konzernen, industriefreundlichen Politikern und Behörden verbreitete Meinung, die entstandenen Veränderungen des Genoms seien von chemischen, radioaktiven oder natürlichen Mutationen nicht zu unterscheiden, wird von ihnen als Argument genutzt, warum diese Technologien keine Gentechnik seien. Das widerspricht sowohl dem Vorsorgeprinzip, als auch dem Prozess-orientierten Ansatz der Europäischen Union. Bei dem Prozess-orientierten Ansatz kommt es darauf an, wie das Produkt hergestellt wurde und nicht, ob die angewendete Technik im Endprodukt nachweisbar ist. Gentechnik bleibt Gentechnik – egal ob alt oder neu. Wenn wissenschaftlich nicht eindeutig bewiesen werden kann, dass ein Produkt sicher für Mensch, Tier und Umwelt ist, kann es in der EU aus Vorsorgegründen verboten werden. Bei den neuen Gentechnologien muss das Vorsorgeprinzip gelten und eingehalten werden!

Risiken und Nebenwirkungen

Genauso wie ältere Gentechnologien bergen auch die neuen gentechnologischen Verfahren unvorhersehbare Risiken. Die Folgen des Inverkehrbringens von Saatgut, Lebens- und Futtermitteln, die mit Hilfe dieser Technologien hergestellt wurden, sind unabsehbar.

Einige dieser Methoden bieten die Möglichkeit, noch gravierender in das Genom einzugreifen, als es die bisherigen Gentechnik-Methoden können. Zum Beispiel wurden von einem chinesischen Forscherteam mit Hilfe von Crispr-Cas9 in lebenden Mäusen ganze Chromosomen "gelöscht". Dabei sind die komplexen Zusammenhänge in Pflanzen und Tieren bis heute unverstanden. Derartige Eingriffe ins Erbgut können ungeahnte Folgen haben für diese Lebewesen, wie auch ihre Nachkommen.

Beim Einsatz der neuen Gentechnologien kann es auch zu ungewollten Nebeneffekten kommen. Und das an verschiedensten Stufen während des Herstellungsprozesses. Veränderungen des Erbguts sind also auch an ungeplanter Stelle im Genom möglich. Dies kann zum Beispiel die Funktion von nicht-Ziel-Genen beeinflussen oder im Falle ganzer Chromosomen auch andere andere nicht-Ziel Chromosomen zerstören.

Eine Kontamination von Umwelt, Saatgut, Futter- und Lebensmitteln kann nicht verhindert werden, wie viele Beispiele weltweit belegen. Die Gentech-Konzerne Monsanto, Bayer und Co. lassen sich die neuen Methoden natürlich auch patentieren. Damit bringen sie Bauern in ihre Abhängigkeit, diktieren die Saatgutpreise und monopolisieren den Saatgutmarkt. Auch würdigen sie Lebewesen damit zu ihrem persönlichen Eigentum herab.

Mehr zu Risiken und Nebenwirkungen der Gentechnik lesen Sie hier.

Und was ist mit Ethik?

Was in der Debatte über die neuen Gentechniken oft gänzlich ausgelassen wird, sind deren Folgen aus ethischer Sicht. Denn was unsere Gesellschaft auch bedenken muss, ist das (Tier-)Leid, welches mit den neu entstandenen Eigenschaften zusammen hängt. Bei der Tier- und Pflanzenzucht geht es um Lebewesen, für die wir Verantwortung tragen, wenn wir sie halten und züchten. Es ist deshalb dringend von Nöten, die Veränderung tierischer DNA und die Folgen für die entstandenen Tiere und auch deren Nachkommen aus ethischer Sicht zu betrachten.

Rechtlicher Status quo

Auf europäischer und deutscher Ebene findet momentan eine Bewertung der neuen Technologien auf Grundlage der EU-Richtlinien 2001/18/EG und 2009/41/EG sowie des GenTG statt. Die zuständigen Organe – die Europäische Kommission und das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft – müssen sich noch rechtlich bindend äußern. Aus Stellungnahmen untergeordneter Gremien, wird ersichtlich, wie sich die Behörden die Gesetzte einfach so zurechtbiegen, wie sie es gerne hätten. Der Prozess-orientierte Ansatz zur Definition von Gentechnik, der bisher in der EU gilt, droht aufgeweicht zu werden.

Mehr zu Gesetzen und Verordnungen der Gentechnik lesen Sie hier.

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