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Wie die industrielle Landwirtschaft die Artenvielfalt vernichtet

Das große Sterben

Bedrohte Vielfalt
Ein Kiebitz mit Jungtier

Auf der Roten Liste: Kiebitze
© Bahadir Yeniceri

Weltweit gibt es je nach Schätzung zwischen 5.000.000 und 100.000.000 Arten von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Bakterien. Doch höchstens zwei Millionen davon sind wissenschaftlich beschrieben. Da global ein dramatisches Artensterben herrscht, werden viele ausgestorben sein, bevor sie je ein Mensch bewusst wahrgenommen hat.

Die wichtigsten Gründe für den rasanten Verlust von Artenvielfalt sind die Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen, die Vergiftung und Vermüllung der Umwelt, der Klimawandel und die Übernutzung von Ökosystemen wie zum Beispiel der Meere. Die industrielle Landwirtschaft ist der wichtigste Faktor für das Artensterben in Europa und weltweit.

  • Die industrielle Landwirtschaft zerstört Ökosysteme. Nicht nur, wenn Wälder gerodet oder Feuchtgebiete trockengelegt werden, verschwinden Lebensräume. Auch die Düngung von mageren Böden nimmt denen Lebensraum, die darauf spezialisiert sind. Und die Industrialisierung der Landwirtschaft führt zu immer monotoneren Landschaften und sterileren Feldern, in denen kaum wilde Tiere und Pflanzen leben.
  • Die industrielle Landwirtschaft vergiftet die Umwelt. Alleine in Deutschland wurden 2015 rund 48.000 Tonnen Ackergifte auf die Felder und Wiesen ausgebracht. Weltweit waren es über 3.000.000 Tonnen Gifte, die Tiere, Pflanzen und Pilze töten sollen.
  • Die industrielle Landwirtschaft befeuert den Klimawandel. Bei der Düngung und Tierhaltung entsteht viel Methan und Lachgas. Durch die Rodung von Wäldern, Trockenlegung von Mooren und die Degradation von Böden hat die Landwirtschaft einen hohen Anteil am globalen CO2 Ausstoß.

In den letzten Jahren wurde das Sterben insbesondere eines Insekts ganz besonders heiß diskutiert: Die Honigbiene. Sie ist sympathisch, wirtschaftlich bedeutsam und alle kennen sie. Doch das Bienensterben ist ein komplexer Spezialfall, da Imkerinnen und Imker sich um die Bienenvölker kümmern.

Schlimmer trifft es die wilden Verwandten der Honigbiene, die nicht nur von Ackergiften, Futtermangel, dem Klimawandel und Krankheiten dezimiert werden, sondern denen die industriell durchrationalisierte Landwirtschaft auch die Orte zum Nestbau nimmt. Auch die Schmetterlinge verschwinden. Viele sind extrem sensibel gegenüber Pestiziden und sterben schon von winzigen Mengen, die der Wind von Feldern oder aus Obstplantagen weht.

Insekten widerum sind die Nahrungsgrundlage vieler Vögel. Mit den Insekten und den Lebensräumen in und um landwirtschaftlich genutzte Flächen verschwinden auch die Vögel.

Ökosysteme nutzen und schützen
Strukturlose Agrarlandschaft, ein Traktor, Pestizide werden ausgebracht

Eine Agrarlandschaft ohne Struktur, aber mit Pestiziden, bietet wenigen Arten Lebensraum. Photo: ValentinValkov - Fotolia

Wo immer der Mensch lebt und Land- und Fortwirtschaft, Fischerei und Jagd betreibt, greift er in die Natur ein. Der Mensch ist Teil der Natur. Als die Menschen vor Jahrtausenden die Landwirtschaft nach Europa brachten, veränderten sie die Umwelt dauerhaft - sie machten die Landschaft vielfältiger und förderten die Artenvielfalt. Bis vor wenigen Generationen war die Landwirtschaft ein positiver Faktor für die Artenvielfalt.

Erst der Einsatz von Giften aus der chemischen Industrie und synthetischem Dünger kehrte das um. Dazu kam die Anpassung der Landschaft an immer größere Maschinen. Dieser Prozess findet nach wie vor statt und beschleunigt sich sogar noch. Der Pestizideinsatz, die Preise für Land, die Größe der landwirtschaftlichen Betriebe und der Anbau von Energiepflanzen stiegen weltweit an. Auch das Artensterben beschleunigte sich in den letzten Jahrzehnten nochmals massiv.

Doch schon kurz nach den ersten Ansätzen der Industrialisierung der Landwirtschaft gab es eine Gegenbewegung. Vordenkerinnen und Vordenker der ökologischen Landwirtschaft waren überzeugt, dass die Menschen die neuen Erkenntnisse über die Natur nutzen können um mehr und bessere Nahrung zu erzeugen, ohne die Natur zu zerstören. Sie haben recht behalten. Heute arbeiten über 2 Millionen landwirtschaftliche Betriebe weltweit nach den Regeln des ökologischen Landbaus - und es werden immer mehr. 

 

Die 75. Ausgabe unserer Münchner Stadtgespräche ist dem Thema Biodiversität gewidmet. Im Heft finden Sie Artikel über den Klimawandel, alte Nutztierrassen, Biodiversität in der Stadt, Patente auf Leben, eine Genbank und vieles mehr.

Mai 2017
Infomaterial
1 / n

Stummer Frühling
Wie wir das Bienensterben verhindern können

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Ackergifte? Nein Danke!

Die Aufkleber zur Kampagne für eine giftfreie Landwirtschaft.

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