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Bienen

Bestäuben gegen den Welthunger

Mehr Bienen = Mehr Ernte
Biene fliegt Rapsblüte an

© Uschi Dreiucker / pixelio.de

Rund zwei Milliarden Menschen leben von Kleinlandwirtschaft. Die Welternährungsorganisation (FAO) geht davon aus, dass sich die Ernähungssicherheit dieser Menschen mit einem optimierten "Bestäubungsmanagement" deutlich verbessern ließe. Wenn Kleinbauern und -bäuerinnen verstärkt Bienen halten und aktiv Lebensräume für andere Bestäuber erhalten und schaffen, können sie mehr ernten. Die aktuelle Forschung betont nicht nur die Gefahren des Insektensterbens für die Menschen, sondern auch die Chancen, die ein Paradigmenwechsel bringt.

Rund 70 Prozent der wichtigsten Nutzpflanzen weltweit werden von Bienen bestäubt. In Europa sind es sogar 84 Prozent. Wo neben Honigbienen zusätzlich wilde Bienen an der Bestäubung beteiligt sind, kann mehr geerntet werden als wenn sich die Landwirtschaft ausschließlich auf die Honigbiene verlässt. Tomaten zum Beispiel werden deutlich effektiver von Hummeln bestäubt als von Honigbienen. Eine verbesserte Bestäubung durch eine größere Insektenvielfalt führt nicht nur zu höherem Ertrag, sondern bei einigen Früchten wie etwa Erdbeeren, auch zu höherer Qualität. Wo dagegen kaum oder gar keine Bestäubung durch Insekten stattfindet, kommt es zu massiven Ernetausfällen.

Ein neues Bewusstsein für Bestäubung

Dem Thema Bestäubung wurde in der Wissenschaft und der landwirtschaftlichen Praxis bis vor Kurzem kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Die Leistung der Honigbienen für die Landwirtschaft galt als positiver Nebeneffekt der Honigproduktion. Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge waren einfach da. Nur wenigen kam in den Sinn, Bestäubung wie Düngung oder Bewässerung als einen Teil der Pflanzenproduktion zu betrachten.

Parallel zur Debatte um das Bienensterben entwickelte sich jedoch in den letzten Jahren ein neues Bewusstsein für die Bestäubung. So untersuchte die FAO in einem Forschungsprojekt 344 Felder in Afrika, Lateinamerika und Asien. Die ForscherInnen zählten Besuche von bestäubenden Insekten während der Blüte der Pflanzen. Das Ergebnis ist überraschend deutlich: Auf Feldern, die kleiner als zwei Hektar sind, könnte der Ertrag im Mittel um 24 Prozent gesteigert werden, wenn konkrete Maßnahmen ergriffen wurden, um mehr Bestäuber auf die Felder zu locken.

Eine Chance für die Hungernden

Etwa die Hälfte aller Lebensmittel der Welt werden auf Betrieben produziert, die weniger als zwei Hektar Land bewirtschaften. Diese Kleinbauern und -bäuerinnen gehören zu den Menschen, die am häufigsten von Hunger betroffen sind. Der Schlüssel für die Bekämpfung des Hungers in der Welt liegt darin, ihre Möglichkeiten zu verbessern, Lebensmittel zu produzieren.

Insekten könnten eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Hunger spielen. Kleinbauern und -bäuerinnen brauchen nicht viel Kapital, um mit der Imkerei zu beginnen und um andere Bestäuber gezielt auf ihre Felder zu locken. Solche Maßnahmen sind weder mit großen Folgekosten verbunden noch machen sie die Menschen von Konzernen oder Regierungen abhängig. Der Ertrag von Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten wird erhöht, ohne die Umwelt zu belasten. Zusätzlich liefern Bienen Honig.

Bienenhaltung und Bestäubungsmanagement sind natürlich nicht die alleinige Lösung für den Hunger auf der Welt. Doch verglichen mit den Märchen der "Grünen Revolution", die uns weiß machen wollen, dass nur große Maschinen, Gentechnik und Chemikalien ausreichend Essen für alle aus dem Land pressen können, haben sie große Vorteile: Sie liegen näher an der Lebensrealität derer, die Lebensmittel produzieren und haben keine nachteiligen Nebenwirkungen für Gesundheit und Umwelt.

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