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Die Hölle auf Rädern

Tiertransporte

360 Millionen Tiertransporte pro Jahr
Ein Tiertransporter, der eine Böschung herunter gefahren ist

Wenn Tiertransporter in Verkehrsunfälle verstrickt sind, ist das für die Tiere besonders schlimm. Überladung und Zeitdruck erhöhen die Gefahr. © keb_fotografie / Flickr

Wenn man von Tiertransporten spricht, meint man häufig die Fahrt zur Schlachtung. Oft wird jedoch übersehen, dass den meisten Nutztieren der erste schon kurz nach der Geburt bevorsteht. Die industrielle Tierhaltung funktioniert bei Geflügel und Schweinen arbeitsteilig. In Betrieben, die auf Ferkel- oder Kükenproduktion spezialisiert sind, werden sie geboren. Nach kurzer Zeit werden die Jungtiere ohne die Elterntiere in stunden- oder sogar tagelangen Fahrten in spezialisierte Aufzucht- und Mastbetriebe gebracht, die sich oft in anderen Bundesländern oder sogar im Ausland befinden. Wenn sie das Zielgewicht erreicht haben, folgt der Transport zur Schlachtung.

Da kleinere regionale Bauernhöfe bzw. Metzgereien immer stärker durch wenige zentrale, spezialisierte, industrialisierte Tierhaltungsbetriebe bzw. Schlachthöfe verdrängt werden, werden diese Tiertransporte immer häufiger und länger.

Jährlich müssen ca. 360 Millionen Schweine, Rinder, Ziegen und Schafe und vier Milliarden Hühner und Puten in Europa diese Fahrten überstehen - oft ohne Wasser und ohne funktionierende Lüftung auf vollkommen überladenen Transportern. Vor allem im Sommer leiden die Tiere unter den Missständen. Einige sterben sogar während der Transporte – insbesondere bei Schlachtgeflügel wird ein „gewisser Schwund“ meist akzeptiert, weil es billiger ist, als die Bedingungen auf den Transportern zu verbessern.

Fakten und Beispiele aus Deutschland

Aus dem Bericht der Bundesregierung über die Kontrollen der Tiertransporte im Jahr 2013:

  • Bei 23% der kontrollierten Schweinetransporte, 38% der Rindertransporte und 34% der Schaftransporte wurde gegen geltende Vorschriften verstoßen.
  • Immer wieder werden bei Kontrollen nicht transportfähige Tiere, zum Beispiel schwangere Kühe, in den Lastwägen gefunden. Teilweise bringen Mutterkühe ihr Kalb während des Transportes auf die Welt, teilweise ersticken die Föten bei der Schlachtung der Mutter.
  • Bei einer Kontrolle in Berlin wurde bei einem Ferkeltransport die Wasserzufuhr vorsätzlich abgestellt. Außerdem waren acht von zwölf Ventilatoren auf dem vierstöckigen Transporter defekt.
  • Bei einer Kontrolle durch die Autobahnpolizei Winsen im Oktober 2015  wurde bei einem Tiertransporter eine Überladung von 6.000 kg festgestellt.

Doch trotz der offensichtlichen Probleme der Fleischindustrie, sich an die Regeln zu halten, ist die Kontrolldichte niedrig.

Lebendexport: Subventionierte Tierquälerei
Eine Kuh schaut aus einem Tiertransporter

Eine Kuh schaut aus einem Tiertransporter in Süditalien. Das Problem ist international. © Patrik Dschudin / Flickr

Besonders schlimm trifft es die Tiere, die über die EU-Außengrenzen transportiert werden. Hier müssen die Tiere oft tagelang im Transporter warten, bis die Fahrt fortgesetzt werden kann. Ruhe- und Melkzeiten werden kaum eingehalten.

Auch von Deutschland aus werden viele Tiere ins Ausland transportiert. So werden Rinderexporte in die Türkei sogar noch von der EU subventioniert. Häufig wird hier massiv gegen die geltende EU-Verordnung verstoßen. Die Rinder müssen an der Grenze tagelang in den Transportern, die meist in der prallen Sonne stehen, warten, werden weder abgeladen noch mit frischen Einstreu und genug Wasser für diese Hitze versorgt. Oft werden die Tiere beim Verladen mit Tritten, Stöcken oder Elektroschocks misshandelt. Tiere werden krank, eingeklemmt, können nicht mehr aufstehen und sterben teilweise vor Erschöpfung.

Trotz der Verluste lohnt sich für die Industrie der Lebendtransport der Tiere, da die Kühlung des Fleisches in Kühltransportern oder Frachtschiffen viel teurer wäre.

EU-Tierschutzrecht: Mittelmäßig und schlecht kontrolliert

2007 trat die europäische Verordnung zum Schutz der Tiere beim Transport in Kraft, die im Jahr 2009 noch ergänzt wurde. Sie kann jedoch insgesamt nur ungenügend den Schutz der Tiere gewähren.

Nach der Tiertransportverordnung hat ein 100 kg schweres Schwein gerade einmal 0,45 m² Platz und es gibt keine zeitliche Begrenzung der Tiertransporte innerhalb der EU. Innerhalb der einzelnen Staaten gilt eine Acht-Stunden-Begrenzung, die aber durch die vielen Ausnahmeregelungen leicht aufgeweicht werden kann.

Im Jahr 2011 wurde deshalb die Kampagne „8hours“ ins Leben gerufen, die mit 1,1 Millionen Unterschriften die Begrenzung der Transportzeit auch innerhalb der EU auf acht Stunden forderte. 2012 wurden die Unterschriften dem damaligen EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik, John Dalli, übergeben und sogar das Europäische Parlament setzte sich in einer schriftlichen Erklärung für diese Forderung ein. Trotzdem wurde die Verordnung nicht geändert. Die EU-Kommission teilte lediglich mit, dass statt der zeitlichen Begrenzung eine bessere Kontrolle der bestehenden Gesetze erfolgen soll. Leider hat sich dabei jedoch auch wenig getan. Die Kontrolldichte ist immer noch zu gering.

Wir brauchen außerdem beides: Strengere Regeln genauso wie behördliche, effiziente und häufigere Kontrollen, um die Tiere zu schützen. Außerdem müssen einheitliche, hohe Strafen bei Verstößen gegen die Verordnung folgen und nicht nur Verwarnungen.

Und wir brauchen eine radikale Agrarwende. Eine regionale Landwirtschaft mit regionalem Lebensmittelhandwerk wird zwar auch Tiere transportieren müssen, aber weniger und nur über kurze Strecken.

August 2016
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Ackergifte? Nein Danke!

Die Aufkleber zur Kampagne für eine giftfreie Landwirtschaft.

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Ökolandbau - Naturschutz und gesunde Lebensmittel

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Agrarindustrie - welchen Preis zahlt unser Essen?

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