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Nitrat und Antibiotika aus der Tierhaltung

Verschmutztes Grundwasser

Die Massentierhaltung gefährdet unser Trinkwasser
Bauer fährt Gülle aus

© hjschneider / Fotolia

Zwei Drittel des Trinkwassers in Deutschland wird aus dem Grundwasser gewonnen. Doch durch die intensive Landwirtschaft ist dieses häufig mit Nitrat und Arzneimittelrückständen belastet. So bringt die industrielle Tierhaltung die Qualität und Sicherheit unseres wichtigsten Lebensmittels in Gefahr.

Weniger als ein Drittel unseres Wassers ist nicht mit Nitrat belastet

In Deutschland misst das Umweltbundesamt an 723 Messstellen regelmäßig die Grundwasserqualität. Nur 29 Prozent der Messstellen liefern Wasser ohne Nitrat, weitere 22 Prozent sind geringfügig belastet. Die andere Hälfte der Messstellen liefert problematische Werte – 14 Prozent liegen sogar deutlich über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Daraus kann kein Trinkwasser mehr gewonnen werden, denn Nitrat kann im Körper zu krebserregenden Nitrosaminen umgewandelt werden. Bei Kleinkindern führt es zusätzlich zur lebensgefährlichen Blausucht, bei welcher der Sauerstofftransport im Blut gestört wird.

Den größten Anteil an der Nitratbelastung des Wassers hat die industrielle Landwirtschaft. Der Grund dafür ist der hohe Stickstoffüberschuß von durchschnittlich 96 kg pro Hektar auf deutschen Äckern: In Regionen, in denen viele Tiere gehalten werden, werden über Eiweißfuttermittel sehr viele Nährstoffe importiert. In der Massentierhaltung entsteht so viel Gülle an einem Ort, dass sie nicht sinnvoll auf den eigenen Feldern ausgebracht werden kann. Den gleichen Effekt gibt es rund um große Biogasanlagen. Das "Futter" wird von weit her angeliefert, Gülle oder Gärreste weit zu transportieren lohnt sich jedoch nicht.

Stickstoff aus Düngern, Gülle und Gärresten wird von Mikroorganismen im Boden zu Nitrat umgewandelt. Was nicht von den Pflanzen aufgenommen werden kann, wird vom Regen ausgewaschen. So landet es im Grundwasser oder in Flüssen, Seen und Meeren.

Wo zu viele Tiere gehalten werden, ist das Wasser besonders häufig belastet
Wasserglas

© Niko Kunze / Flickr

Besonders häufig überschritten werden Nitrat-Grenzwerte im Wasser in den Gegenden, in denen die Tierdichte besonders hoch ist: In Niedersachsen, in Teilen von Nordrhein-Westfalen, in Thüringen und in Niederbayern. Auch der Zustand der Ostsee ist besorgniserregend: Das Meer tauscht nur wenig Wasser mit den Ozeanen aus und die Flüsse bringen seit Jahrzehnten zu viele Nährstoffe aus der Landwirtschaft mit.

Das Problem ist seit Jahren bekannt und die Bundesrepublik wäre nach europäischen Richtlinien verpflichtet, es zu lösen. In Deutschland enthält das Grundwasser mehr Nitrat als in allen anderen europäischen Ländern – mit Ausnahme von Malta, das als winziger Inselstaat in einer Sondersituation ist.

Arzneimittel im Grundwasser

Mit den Ausscheidungen der Tiere gelangen auch Reste von Tierarzneimitteln aus den Ställen in die Umwelt. Viele Arzneimittel werden im Körper der Tiere nicht abgebaut und Reste der Wirkstoffe oder wirksame Abbauprodukte finden sich in der Gülle. Sie belasten vor allem Böden und Oberflächengewässer. Vor allem Antibiotika und Mittel gegen Parasiten sind hier gefährlich, weil sie im Boden und Gewässern Mikroorganismen, Insekten, Spinnentiere und andere kleine Lebewesen töten, die zu den Ökosystemen dazu gehören. Die Verbreitung dieser Wirkstoffe in geringen Mengen in der Umwelt kann zudem die Bildung von Resistenzen bei Mikroorganismen beschleunigen. Ein weiteres großes Problem sind hormonell wirksame Stoffe, die die Fruchtbarkeit und Gesundheit auch bei größeren Lebewesen wie Fischen und Amphibien stören.

Aus dem Boden und Oberflächengewässern können die Wirkstoffe auch in das Grundwasser kommen, das für die Gewinnung von Trinkwasser für uns Menschen genutzt wird. Sie herauszufiltern ist bisher nicht möglich.

Insgesamt ist dieses Problem bisher kaum erforscht und geregelt. Mögliche Auswirkungen auf die Umwelt spielen zwar eine Rolle bei der Zulassung von Tierarzneimitteln in der EU. Doch es gibt keine Kontrollen, ob die Wirkstoffe in der Umwelt auftauchen, wenn ein Mittel auf dem Markt ist. Grenzwerte für die Belastung von Grundwasser oder Oberflächengewässern fehlen ebenfalls. Dementsprechend gibt es auch nur sehr spärliche Daten darüber, wie groß das Problem tatsächlich ist.

Die Münchner Stadtgespräche 71 beschäftigen sich intensiv mit dem Thema Wasser. Darin finden Sie unter anderem einen Artikel über Nitrat im Grundwasser, Microplastik im Wasser, den Klimawandel, Privatisierungen und vieles mehr.

Lesen Sie hier, wieso in der industriellen Tierhaltung so viele Medikamente eingesetzt werden und welche Folgen das hat.

Lesen Sie hier, wie die industrielle Tierhaltung in Europa nicht nur unsere Umwelt verschmutzt, sondern auch in Südamerika fürchterliche Auswirkungen hat.

Oktober 2015
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