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Glyphosat

Vorerntespritzung von Getreide

Pestizid-Einsatz auf Getreidefeldern kurz vor der Ernte
Sikkation

© emjay smith / Fotolia.de

In Deutschland werden rund 6000 Tonnen Glyphosat hauptsächlich in der Landwirtschaft, aber auch in Haus- und Kleingärten sowie auf öffentlichen Flächen ausgebracht. Glyphosat wird in Deutschland aber nicht nur zur Unkrautbekämpfung eingesetzt. Einige Jahre wurde die „Sikkation“, (dt. chemische Trocknung) von Getreide und Raps vor der Ernte exzessiv durchgeführt. Ziel das Totspritzens ist die Ernteerleichterung der Ernte.

Eine Anwendung von Glyphosat zur Arbeitserleichterung entspricht aber nicht der guten fachlichen Praxis und wurde deshalb ab dem 21.05.2014 eingeschränkt. Erstens wurde die Menge festgelegt, die ein Bauer maximal ausbringen darf (insgesamt nicht mehr als 3,6 kg Wirkstoff pro Hektar und Jahr) und zweitens, dass Spätanwendungen in Getreide nur auf Teilflächen erlaubt sind. Immer noch erlaubt sind demnach Spätanwendungen auf Flächen, bei denen aufgrund von Unkrautdurchwuchs in lagernden Beständen bzw. Zwiewuchs in lagernden oder stehenden Beständen eine Beerntung sonst nicht möglich wäre. Dies war zwar ein erster Schritt zur Eindämmung des massiven Glyphosateinsatzes, jedoch ist er eben immer noch erlaubt.

Während das behandelte Getreidestroh in Kultursubstraten und teilweise – wenn Tallowamine in der Rezeptur enthalten sind – in der Tierhaltung und Tierfütterung nicht eingesetzt werden darf, kann das so behandelte Getreidekorn zur Erzeugung von Brot und Backwaren oder zur Fütterung verwendet werden. Die Gefahr von Rückständen ist bei dieser Praxis sehr groß. In Österreich ist die Sikkation seit Juli 2013 verboten.

Grenzwerte schützen uns nicht

In Deutschland finden nur sehr wenige Kontrollen des Getreides und der Getreideprodukte auf Giftrückstände statt – vor 2013 sogar noch so gut wie gar nicht. Und so landen die giftigen Stoffe direkt auf unseren Tellern und in den Trögen der Tiere.

In den Jahren 2008 bis 2012 wurden lediglich in vier Lebensmittelproben, immer Linsen, die erlaubten Rückstandshöchstwerte überschritten.

Das ist alles andere als beruhigend, denn:

  • Statt die Bevölkerung zu schützen werden die Grenzwerte an die jeweilige landwirtschaftliche Realität angepasst. Nicht die Lebensmittel, die am seltensten gegessen werden, sondern diejenigen, die am intensivsten gespritzt werden, haben hierzulande die höchsten zugelassenen Grenzwerte.

  • Bei Linsen wurde der Grenzwert von 0,1 mg/kg im Jahr 2008 auf das 100-fache, also 10 mg/kg in 2012 erhöht.

  • Von den Getreideproben, die nach einer Sikkation genommen wurden, waren in NRW 69,7 %, in Rheinland-Pfalz 28,6 % mit Glyphosat belastet.

  • Von den 819 Futtermittelproben waren 31,5 % mit Befund. Das heißt, in einem Drittel aller Futtermittel ist Glyphosat nachweisbar.

Ergebnisse einer Untersuchung der Universität Leipzig belegen, dass bei Menschen aus Berlin, die keinen direkten Kontakt zur Landwirtschaft haben, Glyphosat im Urin nachgewiesen wurde. Und zwar in allen Proben. Laut den Herstellerangaben baut sich Glyphosat angeblich schnell ab und hätte demnach gar nicht im menschlichen Urin zu finden sein dürfen. Die mögliche Kontaminationsquelle können nur Lebensmittel sein. Inzwischen gibt es weitere Untersuchungen: Auch sie zeigen, dass sowohl im Körper von Menschen als auch von Tieren Glyphosat gefunden wird. Eine Studie des Netzwerkes Friends of the Earth ergab: Sieben von zehn Menschen in Deutschland, die auf Glyphosat untersucht wurden, hatten das Unkrautvernichtungsmittel im Urin, ohne dass sie mit dem Wirkstoff durch Ausbringung o. ä. Kontakt hatten.

Und auch in der Muttermilch wurde Glyphosat gefunden. In der von den Grünen in Auftrag gegebene Stichprobenanalyse wurde Milch von 16 Frauen aus acht verschiedenen Bundesländern getestet. Das Ergebnis: alle Proben waren mit Glyphosat belastet. Laut Untersuchung ernährten sich die Probandinnen hauptsächlich mit konventionellen Lebensmittel und standen in keinem direkten Kontakt mit Glyphosat. Auch hier liegt der Verdacht nahe, dass die Kontaminationsquelle bei den Lebensmitteln liegt.

Glyphosat im Getreide - alles ganz ungefährlich?
Ernte

© Ibefisch / Pixelio.de

In landwirtschaftlichen Fachzeitschriften, von Seiten der Agrarindustrie, aber auch durch Institutionen der Bundesregierung (wie z.B. Bundesinstitut für Risikobewertung - BfR) wird immer noch behauptet, dass keine Gefahren von Glyphosat ausgehen. Doch es gibt immer mehr Studien und Hinweise, die in die gegenteilige Richtung weisen. Die Auswirkungen von Roundup und Glyphosat in Verbindung mit Gentechnik für die Bevölkerung in Argentinien, Brasilien, Paraguay und anderen lateinamerikanischen Ländern werden mittlerweile durch ein breites Bündnis von zwölf Organisationen aus diesen Ländern thematisiert (Netzwerk für ein GVO-freies Lateinamerika (Red Por una América Latina libre de Transgénicos, kurz RALLT)). Dr. Andrés Carrasco, ein auf Embryonalforschung spezialisierter Molekularbiologe aus Argentinien, fand in seinen Forschungsarbeiten Missbildungen an Frosch- und Hühnerembryonen, die auf Glyphosateinsatz zurückzuführen waren.

Prof. Dr. Monika Krüger von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig hat die Wirkung Glyphosat-haltiger Pflanzenschutzmittel auf biologische Systeme untersucht. Es wurden u.a. Veränderungen bei Bodenmikroorganismen festgestellt sowie eine Anreicherung von Glyphosat in tierischen Geweben und im Urin erkrankter Tiere.

Im März 2015 stufte die internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" ein. Der Wirkstoff reiht sich damit in die zweithöchste Gefahrestufe (2A) ein. Ende August 2015 erschien auch die 92 Seiten umfassende Monographie der IARC zur krebserregenden und Erbgut schädigenden Wirkung von Glyphosat.

Die Herstellerfirmen ebenso wie das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung behaupten jedoch weiter, dass der Wirkstoff sicher sei. Dabei wird auch geltend gemacht, dass Forschungsergebnisse dies belegen würden. Doch wie unabhängig kann eine Forschung sein, die von einem Gift-Konzern in Auftrag gegeben und bezahlt oder durch dessen Drittmittel kofinanziert wird?

Oft wird das Argument angeführt, das Gift sei ja zugelassen und „streng kontrolliert“. Doch diese Logik ist fatal: Atrazin, DDT, Contergan, Agent Orange und viele andere, weniger bekannte Stoffe sind Beispiele dafür, dass Gifte zunächst erlaubt waren und erst nach Bekanntwerden ihrer Nebenwirkungen auf Menschen und/oder die Umwelt verboten wurden. Die Praxis, Chemikalien zuzulassen, bevor deren Ungefährlichkeit zweifelsfrei erwiesen ist, ist skandalös. Kontaminiert und geschädigt werden die Umwelt und die Menschen, die mit diesen Produkten in Kontakt kommen und dadurch das Risiko dieser Technologie tragen!

Mit Bio-Lebensmitteln auf der sicheren Seite
Getreideprodukte

© Cornelia Menichelli / Pixelio.de

Kaufen Sie Bio-Produkte! Bei diesen ist die Anwendung von Pestiziden verboten. Rückstände von Pestiziden können diese Produkte nur durch Kontamination aus der konventionellen Landwirtschaft oder durch Betrug enthalten. Durch den Kauf von Bioprodukten leisten Sie einen wichtigen Beitrag dazu, dass diese Gifte überhaupt nicht produziert werden müssen und auch nicht in die Umwelt ausgebracht werden.

 

 

Stand: Okt 2013