Facebook .
Twitter .
Menü
Home  trenner  Themen  trenner  Landwirtschaft  trenner  Pestizide  trenner  Sulfoxaflor und Co
Neue Insektengifte im Anflug

Sulfoxaflor und Co

Bestäuber werden durch neue Insektengifte bedroht. Bild: Frank Lammel / flickr.com

Bestäuber werden durch neue Insektengifte bedroht. Bild: Frank Lammel / flickr.com

In Deutschland können jederzeit Pestizidmischungen zugelassen werden, die die drei neuen Insektengifte Sulfoxaflor, Flupyradifuron und Cyantraniliprol enthalten. Die Wirkstoffe wurden bereits vor einigen Jahren auf EU-Ebene genehmigt – und das obwohl sie ganz ähnlich wie die Neonicotinoide wirken, die wegen ihrer gravierenden Auswirkungen auf Insekten im April 2018 für den Einsatz im Freiland verboten wurden. In einigen EU-Staaten, wie etwa Tschechien oder Irland, sind bereits Pestizidmischungen mit den Wirkstoffen Sulfoxaflor und Cyantraniliprol auf dem Markt.

Wie wirken die neuen Insektengifte?

Die neuen Insektengifte sind für Honigbienen ebenso wie für wildlebende Insekten wie Hummeln und Schmetterlinge gefährlich. Sie sind für Insekten nicht nur hochgiftig, sondern wirken zusätzlich auch systemisch. Das bedeutet, dass sie von Pflanzen aufgenommen und in allen Teilen der Pflanzen verteilt werden. So sind nicht nur Stängel und Blätter von behandelten Pflanzen giftig, sondern auch die Blüten und sogar das Wasser, das sie über ihre Blätter ausscheiden (Guttation). Auf diese Weise kann zum Beispiel eine Rapsblüte, die gar nicht direkt mit dem Gift behandelt wurde, zur Gefahr für Bestäuber werden, wenn das Rapskorn vor der Aussaat mit Cyantraniliprol behandelt wurde.

Sulfoxaflor

Sulfoxaflor hat denselben Wirkmechanismus wie die kürzlich verbotenen Neonicotinoide. Das Insektengift, das vom US-amerikanischen Chemiekonzern DowAgroSciences entwickelt wurde, ist auf EU-Ebene zugelassen, obwohl wichtige Daten zur Auswirkung auf Honigbienen und andere so genannte Nichtzielorganismen (Organismen, die mit dem Gift nicht bekämpft werden sollen) fehlten. Zwar wurden diese Informationen inzwischen nachgereicht, doch eine offizielle Einschätzung der zuständigen europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt es dazu bisher nicht. Die EFSA stellte außerdem fest, dass von Sulfoxaflor bei bestimmten Anwendungen ein hohes Risiko für Honigbienen und Langzeitrisiken für kleine pflanzenfressende Säugetiere nicht auszuschließen ist. Trotzdem sind Pestizidmischungen mit Sulfoxaflor inzwischen in mehreren Mitgliedstaaten zugelassen.

Eine unabhängige Studie aus dem Jahr 2018 hat außerdem gravierende Auswirkungen von Sulfoxaflor auch für die Dunkle Erdhummel nachgewiesen. Hummelvölker, die dem Gift in solchen Mengen ausgesetzt waren, wie sie nach dem Ausbringen auf Feldern zu finden sind, hatten weniger als halb so viele Nachkommen wie Völker, die damit nicht in Kontakt kamen.

In Frankreich wurde die Genehmigung auf eine Klage der Umweltschutzorganisation Générations Futures hin gerichtlich ausgesetzt. Die Begründung: Von dem Insektengift geht ein hohes Risiko für die menschliche Gesundheit und für die Gesundheit von Honigbienen aus. Mittlerweile führt die französische Regierung Sulfoxaflor auf einer Liste von Wirkstoffen, die laut dem „Gesetz zur Rückgewinnung der Biodiversität, der Natur und der Landschaften“ vom 8. August 2016 verboten sind. In Deutschland liegen mindestens drei Zulassungsanträge für sulfoxaflorhaltige Pestizide vor. Genehmigungen können jederzeit erfolgen.

Cyantraniliprol

Cyantraniliprol stammt vom ebenfalls US-amerikanischen Konzern DuPont, der inzwischen mit DowAgroSciences fusioniert hat. Obwohl kein Pestizid mit diesem Wirkstoff in Deutschland genehmigt ist, kommt Cyantraniliprol schon zum Einsatz. Möglich machen es sogenannte Notfallzulassungen, die das Ausbringen von Pestizidmischungen erlauben, ohne dass sie das reguläre nationale Zulassungsverfahren durchlaufen haben. Notfallzulassungen erteilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit „wenn eine Gefahr anders nicht abzuwehren ist“. Diese Art der Zulassung ist eigentlich auf 120 Tage begrenzt; Cyantraniliprol durfte so allerdings schon in drei aufeinanderfolgenden Jahren eingesetzt werden.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) genehmigt die Anwendung bei Notfallzulassungen, obwohl keine Bewertung der Umweltgefahren durch das Umweltbundesamt vorgenommen wurde. Außerdem darf mit Cyantraniliprol behandeltes (gebeiztes) Saatgut aus EU-Staaten importiert werden, in denen Pestizide mit dem Wirkstoff bereits zugelassen sind. Denn für mit Pestiziden gebeiztes Saatgut gelten ganz eigene Regeln. Das BVL selbst rät LandwirtInnen bei der Verwendung von mit Cyantraniliprol gebeiztem Saatgut wegen der „hohen Bienentoxizität“ des Wirkstoffs bestimmte Sicherheitsvorkehrung für den Schutz von Honigbienen zu treffen. In Deutschland liegen mindestens sieben Zulassungsanträge für cyantraniliprolhaltige Pestizide vor.

Flupyradifuron

Flupyradifuron wurde vom deutschen Bayer-Konzern entwickelt. Bisher wurden in noch keinem Mitgliedstaat Zulassungen für Pestizidmischungen mit diesem Wirkstoff erteilt. In Deutschland liegen mindestens fünf Anträge vor. Auch Flupyradifuron hat denselben Wirkmechanismus wie die kürzlich verbotenen Neonicotinoide. Der Pestizidwirkstoff bindet sich an die Rezeptoren der Nervenzellen von Insekten und stört so die Weiterleitung von Nervenreizen. Eine Studie der Universität Würzburg hat ergeben, dass nicht tödliche Dosen von Flupyradifuron nach einmaliger Verabreichung an sammelnde Honigbienen die Geschmackswahrnehmung sowie das Lernen und Gedächtnis der Insekten negativ beeinflussen. Diese Dosen waren zwar höher, als sie normalerweise zur Anwendung kommen sollten, die WissenschaftlerInnen wiesen aber darauf hin, dass weitere Forschung nötig sei, um auch andere Auswirkungen des Mittels auf Honigbienen, wie auf die motorischen Fähigkeiten, den Bienentanz oder die Orientierung, zu untersuchen. Wie sich das Insektengift auf andere Bestäuber auswirke, sei ebenfalls unklar.

Keine neuen Insektengifte!

Das Insektensterben hat mittlerweile dramatische Ausmaße angenommen. Eine 2017 veröffentliche Studie kam zu dem Ergebnis, dass in den vergangen drei Jahrzehnten die Masse der Insekten um mehr als 75 Prozent zurückgegangen ist. Um so wichtiger ist ein wirksamer Schutz von Honigbienen, wilden Bestäubern und anderen Insekten vor Pestiziden, von denen sogar bekannt ist, dass sie gefährlich für Insekten sind. Bereits erlaubte bienengefährliche Pestizide müssen umgehend und vollständig verboten werden, neue bienengefährliche Stoffe wie Sulfoxaflor, Flupyradifuron und Cyantraniliprol dürfen gar nicht erst zugelassen werden.

Infomaterial
1 / n

Ackergifte? Nein Danke!

Die Aufkleber zur Kampagne für eine giftfreie Landwirtschaft.

Download (PDF, 46 kB)

Aufkleber bestellen

Ackergifte? Bei Euch piept's wohl!

Aufkleber gegen Artenschwund durch Pestizide.

Download (PDF, 0.9 MB)

Aufkleber bestellen

Faltblatt zu Glyphosat

Das meistbenutzte Pestizid der Welt

Download (PDF, 1.5 MB)

Flyer bestellen

Faltblatt Pestizide

Welche Gefahren von Pesitziden für Mensch und Umwelt ausgehen, erfahren Sie in diesem Flyer.

Download (PDF, 1.0 MB)

Flyer bestellen

Stummer Frühling

Wie wir das Bienensterben verhindern können

Download (PDF, 336 kB)

Flyer bestellen

Unterstützen Sie uns!