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Im Forschungsreaktor Garching wird noch immer hoch angereichertes Uran eingesetzt. Direkt vor den Toren Münchens lagern deshalb inzwischen mehr als 300 Kilogramm waffentaugliches Uran. Schon 2010 hätte der Reaktor auf niedriger angereicherten Brennstoff umgerüstet werden müssen – doch die Frist wurde einfach bis 2018 verlängert. Die Atomaufsicht hatte damals der heutige bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder (CSU) inne.

Nun droht auch die neue Frist zu verstreichen, ohne dass der Reaktor umgerüstet wurde. Es liegt nun an Markus Söder als Ministerpräsident, das Spiel mit der Bombengefahr zu beenden.

 

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Bombenreaktor abrüsten!

Forschung: Ja! Waffenfähiger Reaktorbrennstoff: Nein!

Im Forschungsreaktor Garching (kurz FRM II) im Norden von München wird hoch angereichertes Uran verwendet, das prinzipiell waffenfähig ist. Schon mehr als 300 Kilogramm Atommüll lagern im Absetzbecken – auch dieses Material könnte zum Bau von Atomwaffen missbraucht werden. Schon zum zweiten Mal läuft Ende 2018 eine Frist zur Umrüstung auf niedriger angereichertes Uran aus. Doch statt die Abrüstungsvereinbarung durchzusetzen, verhandeln Bayern und der Bund offenbar schon wieder über eine Verlängerung der Frist.

Zur Abrüstung verpflichtet
Von Sgbeer - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4132124

Der FRM II rechts im Bild und sein Vorgänger, das "Garchinger Atomei". Foto: Von Sgbeer

Der Forschungsreaktor FRM II war von Anfang an umstritten. Ein Grund: Der Einsatz von hoch angereichertem Uran unterwandert internationale Abrüstungsbemühungen. Die Reaktorplaner setzten sich jedoch trotz massiver internationaler und regierungsinterner Kritik durch. 2004 ging der FRM II als weltweit erster und bislang einziger Reaktor in Betrieb, der seit 1986 für den Einsatz von hoch angereichertem Uran gebaut wurde.

Schon 2010 ließ die Technische Universität (TU) München die in der Betriebsgenehmigung verankerte Frist zur Umrüstung auf niedriger angereichertes Uran verstreichen. Die bayerische Atomaufsicht lag damals beim heutigen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). In Verhandlungen zwischen dem Freistaat Bayern und der Bundesregierung wurde eine neue Frist auf Ende 2018 gesetzt. Doch auch dieses Jahr möchte die TU München nicht umrüsten. Deswegen laufen erneut Gespräche zwischen Bayern und dem Bund.

Aus aktuellen Informationsanfragen des Umweltinstituts und der Landtagsfraktion der Grünen wird die Position der bayerischen Staatsregierung (sowie der TU München) deutlich: Auch als Ministerpräsident will Markus Söder den FRM II auf unbestimmte Zeit weiter mit hoch angereichertem Uran betreiben und nimmt damit in Kauf, dass Produktion, Transport und Lagerung von waffenfähigem Material das Risiko der Verbreitung von Atomwaffen unnötig steigert.

Auf Bundesebene führt das Bundesforschungsministerium die Verhandlungen. Unsere Anfragen über Informationen zum Stand der Umrüstungsgespräche wurden abgelehnt, denn – so das Ministerium – nationale Interessen an den Verhandlungen um Uranbrennstoffe würden das öffentliche Interesse an der Bekanntgabe der Informationen überwiegen. „Zudem können bei den Umrüstungsgesprächen zwischen dem Bund und dem Freistaat Bayern tragfähige Kompromisse nur gefunden werden, wenn die Vertraulichkeit gewahrt bleibt.“

Abrüstungsprogramm missbraucht

Die wichtigste Voraussetzung für den Brennstoff von Forschungsreaktoren ist eine hohe Dichte an spaltbaren Uran-235-Atomen. Daher setzten die Forscher in frühen Reaktoren auf eine hohe Urananreicherung mit Uran-235. Als Teil globaler Abrüstungsbemühungen riefen die USA 1978 das Abrüstungsprogramm RERTR (Reduced Enrichment in Research and Test Reactors) ins Leben. Die Entwicklung hochdichter Uranbrennstoffe sollte weltweit helfen, die hohe Anreicherung durch hohe Urandichte zu ersetzen. Mit diesem Ansatz ist seither der überwiegende Teil der Forschungsreaktoren in 18 Ländern umgerüstet worden, mehr als 20 Reaktoren wurden für den Einsatz hochdichter, aber niedrig angereicherter Brennstoffe neu gebaut. Die Brennelemente in Garching dagegen enthalten Brennstoffe, die zugleich hochdicht und hoch angereichert sind. Für den FRM II wurden damit internationale Abrüstungsbemühungen bewusst sabotiert.

USA verweigern Lieferung von Brennstoff

Aus diesem Grund weigern sich die USA, Uranbrennstoff nach Garching zu liefern, und Deutschland muss einen hohen Aufwand betreiben, um den FRM II zu versorgen. Ein 1998 geschlossener Liefervertrag mit Russland über 1200 Kilogramm hoch angereichertes Uran von der darauffolgenden Bundesregierung gekündigt und lief 2008 aus. Über einen Folgevertrag ist nichts bekannt. Allerdings berichtet der russische Lieferant TVEL, dass die elektrochemische Fabrik in Zelengorsk hochangereichertes Uran für den Einsatz im FRM II produziere. Sollten die Aussagen stimmen, stammt entgegen der Behauptungen der TU München das Uran also nicht aus Abrüstungsbeständen, sondern wird neu produziert. Es ist wahrscheinlich, dass die Nachfrage des FRM II maßgeblich zur Eröffnung der neuen Anreicherungskapazitäten in Russland beigetragen hat.

Abrüstung heute möglich

Der wissenschaftliche Vorteil, hoch angereichertes Uran zu verwenden, liegt darin, ein kompakteres Brennelement bauen zu können. Den Hauptzweck des FRM II, nämlich die Produktion eines hohen Neutronenflusses, hätte aber auch ein leicht größerer Reaktor mit niedrig angereichertem Uran erfüllen können. Das zeigen Berechnungen von RERTR-Forschern aus den 1990er Jahren. Die Entscheidung der Reaktorbauer, trotzdem auf hoch angereichertes Uran zu setzen, führt heute zu erheblichen Nachteilen, die darauf schließen lassen, dass eine Umrüstung nie gewollt war. Der kleine Reaktorkern erlaubt zum Beispiel nur wenig Platz für bauliche Maßnahmen. Dennoch zeigen zahlreiche Berechnungen und Simulationen (durchgeführt auch von der TU München selbst) Möglichkeiten zur Umrüstung auf niedrig angereichertes Uran auf.

Es bietet sich an, dies in zwei Schritten zu vollziehen:

Im ersten Schritt können bereits entwickelte Uran-Silicid-Brennstoffe mit einem Anreicherungsgrad von weniger als 45% Uran-235 eingesetzt werden. Dies entspricht der Betriebsgenehmigung des FRM II und wird seit 2016 auch von der US National Academy of Sciences vorgeschlagen. Um die Neutronenleistung beizubehalten, kann das Brennelement leicht vergrößert und die Reaktorleistung um etwa zehn Prozent erhöht werden.

Im zweiten Schritt muss vereinbart werden, dass der Reaktor auf niedrig angereichertes Uran (< 20% Uran-235) umgerüstet wird, sobald der dafür nötige monolithische Uran-Molybdän-Brennstoff einsatzbereit ist. Die Entwicklung dieser speziellen Uran-Molybdän-Brennstoffe muss mit Hochdruck verfolgt werden. Vor 2030 ist dennoch nicht mit einem Erfolg zu rechnen.

Eine konsequente Abrüstung in zwei Schritten würde die Gefahr mindern, dass durch den Garchinger Reaktor waffenfähiges Uran in Umlauf gerät. Diese Vorgehensweise würde den internationalen Ruf der Forschung in Deutschland deshalb stärken.

Problematischer Atommüll
Brennelemente-Zwischenlager Ahaus, Von Stahlkocher - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=509690

Hierher soll der Atommüll aus Garching verbracht werden: Das Brennelemente-Zwischenlager Ahaus, Foto: Von Stahlkocher

Auch der abgebrannte Kernbrennstoff aus Garching ist mit 87% Uran-235 noch hoch angereichert. Derzeit ist das Lagerbecken prall gefüllt, 44 von 50 Lagerplätzen sind belegt. Erste Transporte aus Garching in das Atommüllzwischenlager im nordrhein-westfälischen Ahaus werden Mitte 2019 erwartet. Genehmigungen gibt es aber weder für den neu entwickelten CASTOR-Behälter MTR-3, noch für Transport oder Einlagerung im Zwischenlager Ahaus.

Das nationale Begleitgremium hat Ende 2017 zwei Gutachten in Auftrag gegeben. Um die Gefahr auszuschließen, dass der Müll wieder kritisch wird, also eine neue Kettenreaktion startet, wird aus beiden Dokumenten klar: Der Garchinger Sondermüll muss vor der Endlagerung konditioniert, das heißt abgereichert werden. Auch die Betriebsgenehmigung verlangt von der TU München ein Konditionierungsverfahren zu entwickeln. Mit Verweis auf Unklarheiten in der Endlagersuche sieht die Genehmigungsbehörde in Bayern jedoch keinen Anlass, dies endlich einzufordern. Ein Endlager für hochradioaktive Abfälle kann aber vielleicht erst im nächsten Jahrhundert in Betrieb gehen. Soll also der waffenfähige Müll ohne Konditionierung in einem weitgehend ungesicherten Zwischenlager über Jahrzehnte gelagert werden?

Das lehnen wir strikt ab: Solange der Garchinger Atommüll nicht konditioniert, also abgereichert wurde, darf er Garching nicht verlassen!

Unsere Forderungen an die Bayerische Staatsregierung, sowie an die TU München:
  • Noch 2018 muss vereinbart werden, dass der FRM II auf eine möglichst kleine Anreicherung nahe an 20% umgerüstet wird.

  • In einem zweiten, finalen Schritt muss auf niedrig angereichertes Uran (< 20% Uran-235) umgestellt werden, sobald die dafür nötigen hochdichten Brennstoffe einsatzbereit sind.

  • Es muss sofort mit der Entwicklung eines Konditionierungsverfahrens begonnen werden, um den vorhandenen hochangereicherten Atommüll zu entschärfen.

  • Keine Transporte von waffenfähigem Atommüll nach Ahaus. Stattdessen soll ein hinreichend gesichertes Lager in Garching errichtet werden.
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Widerstand in Ahaus

Ahauser Erklärung:

Für Mitte 2019 sind erste Atom-Transporte aus Bayern ins nordrhein-westphälische Ahaus angekündigt. Das dortige Atommüll-Zwischenlager ist jedoch nicht ausreichend gesichert um hochangereicherten Atommüll aufzunehmen, der für den Bau von Atomwaffen missbraucht werden könnte.
Zudem läuft die Betriebsgenehmigung für das Zwischenlager schon 2036 aus, lange bevor ein Endlager in Betrieb gehen kann.
Deswegen formiert sich nun Widerstand vor Ort. Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ fordert in einem offenen Brief an Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) unter anderem, dass kein weiteres atomwaffenfähiges Material aus Garching nach Ahaus geliefert werden soll. Diese "Ahauser Erklärung" können Sie hier unterstützen.